Leonardo DiCaprio - 'Gier macht Menschen gefährlich'

Er ist für 'The Wolf of Wall Street' für den Oscar nominiert

Für die Rolle des Jordan Belfert in 'The Wolf of Wall Street' bekam Leonardo di Cabrio, 39, nach einem Golden Globe nun auch eine Nominierung für einen Oscar. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit: Jordan verdient als Aktienhändler unvorstellbar viel Geld. Doch das reicht ihm nicht. Die Gier wächst und er will immer mehr - und das besorgt er sich mit Bestechung und kriminellen Handlungen. 

Leonardo ist in diesem Film nicht nur Hauptdarsteller sondern auch einer der Produzenten. Als wir ihn zum Interview in New York treffen, spricht er offen darüber, wieso ihn dieser Story so faszinierte und wieso er sechs Jahre dafür kämpften musste, um diesen Film finanziert zu bekommen:

Wieso haben sie sich ausgerechnet für diesen Film entschieden?

Vor sechs Jahren habe ich das Buch von Jordan Belfert gelesen. Ich war fasziniert, wie ein normaler Mensch so von Geldgier besessen sein kann. Doch genau das ist doch das, was in unserer Gesellschaft los ist. Die Gier lässt Menschen in die Kriminalität sausen. Damals war für mich klar, dass ich diesen Film machen und dem Publikum zeigen möchte. Es war ein langes und hartes Projekt. Sechs Jahre dauerte es, bis es finanziert wurde. Doch ich glaube es hat sich gelohnt. 

Sie hören sich ja sonst eher misstrauisch gegenüber anderen Menschen an. Wieso?

Naja, wenn man sich mal anschaut was gerade alles passiert ist das doch wirklich nicht zu glauben. Angeblich regiert der US-Dollar alles, doch Leute müssen hungern und verlieren alles. Anstatt dass alles billiger wird, steigen die Preise. Die Reichen, werden reicher. Ich dachte wir befinden uns in einer Konjunktur-Dämpfung, doch wenn ich mich umschaue oder die Preise von Appartments betrachte, ist alles drei mal so teuer wie es sein sollte. Unsere Umwelt spielt mit uns. Es fühlt sich fast so an wie in einem Krieg. Unsere Erde leidet. Für mich macht das alles keinen Sinn. 

Vielleicht ändert sich ja die Einstellung mancher Menschen durch Filme wie diesen?

Wer weiss?! Aber es ist wichtig, dass Themen wie diese mal auf den Tisch gebracht werden. Obwohl es eine Komödie ist, ist es doch ein sehr ernstes Thema. Ein Thema, das in jeder Kultur vorkommt. Schauen wir uns doch nur mal unsere Jugend von heute an. Der grosse amerikanische Traum. Was ist heute schon der grosse amerikanische Traum unserer Jugend? Geld anzusammeln, reich zu werden? Doch leider ist es genau das wonach heutzutage jeder Jugendliche strebt. 

Wie weit kennen sie sich in der Finanzwelt von Wall Street aus?

Um ehrlich zu sein, wusste ich darüber gar nichts, bevor ich mich mit diesem Film beschäftigt habe. Ich kümmere mich nicht um den Aktienmarkt und verfolge ihn auch nicht. Finden illegale Sachen statt oder nicht? Ich weiss es nicht. Doch im Film machen wir etliche illegale Sachen und ich werde reicher und reicher. Das tolle an Jordan's Buch ist, dass er alles ehrlich niedergeschrieben hat und nichts geheim hielt. 

Haben sie ihn auch persönlich kennengelernt?

Oh ja! Ich bewundere seine Ehrlichkeit. Ich glaube er bedauert, was er getan hat und das sagt er auch so. Er sieht diese Zeit seines Lebens als Lehrzeit an. Jetzt ist sein Leben wirklich so wie wir es im Film zeigen: Er hält Seminare und spricht über die Fehler des Lebens und den falschen Weg den man in der Finanzwelt schneller gehen kann, als man glaubt. Er will Menschen damit helfen, nicht den gleichen Fehler zu begehen. 

Glauben sie, wenn sich die Leute mehr mit der Finanzwelt beschäftigen würden, dann würde es uns heute besser gehen?

Ich weiss es nicht. Ich weiss auch nicht, ob ich genug Erfahrung habe um diese Frage zu beantworten. Ich weiss nicht, wie das alles funktioniert. Was hat unsere Wirtschaft in 2008 zum Fall gebracht? Das ist immer noch ein Rätsel für mich. Eigentlich sollte man hoffen, dass es dafür eine Regierung gibt, die das genau beobachtet damit so etwas eben nicht passiert. Doch schon seitdem es die Zivilisation gibt, gibt es die Gier und genau das ist es was so unglaublich gefährlich ist. 

Was machen sie mit ihrem eigenen Geld?

Ich finde es unheimlich wichtig zu teilen. Vor allem bei Leuten, die Macht und Vermögen haben. Wenn jeder etwas zur Gemeinsamkeit der Welt beisteuert, dann wären unsere Leiden nur halb so schlimm. Es gibt viele reiche Leute die mit ihrem Geld verantwortlich umgehen. Aber es gibt leider viel mehr, die dies eben nicht tun. 

Im Film ziehen sie Kokain durch die Nase. Klar das es kein echtes Kokain war. Was wurde verwendet?

(lacht) Es ist Vitamin B. Aber ich kann ihnen sagen, dass es in meiner Nase brannte und ich den ganzen Tag viel Energie hatte, da wir diese Szene mehrmals wiederholen mussten. (lacht)

Hier gibt es den Trailer zu "The Wolf of Wall Street" - ab dem 16. Januar im Kino: