Penélope Cruz im Exklusiv-Interview

Sexsymbol wider Willen

Mit ihrem Charme hat sie Hollywood verzaubert. Penélope Cruz gehört zur Topliga der Traumfabrik, gewann dieses Jahr ihren ersten Oscar. Ein Erfolg, mit dem die Spanierin nie gerechnet hätte. Denn als Ausländerin hat sie es im US-Film

Hat Ihr neuer Film „Zerrissene Umarmungen“, in dem Sie eine seelisch strapazierte Schauspielerin geben, auch autobiografische Elemente?
Nein, ich versuche Penélope für mich zu behalten. Wenn ich arbeite, nutze ich eine Mischung aus Drehbuch-Vorgaben und Vorstellungskraft. Ich schaue mir eher Verhaltensweisen von Freunden ab. Auch von Männern.

Fühlen Sie sich als Muse von Regisseur Pedro Almodóvar, mit dem Sie zum vierten Mal drehten?
Pedro ist wie eine zweite Mutter für mich und versteht mich so gut, dass es mir fast Angst macht. Ich bin nicht abergläubisch – aber bei ihm habe ich das Gefühl, als ob wir uns bereits aus einem anderen Leben kennen.

Letztes Jahr standen Sie auch mit Ihrem Freund Javier Bardem vor der Kamera ...
Verzeihung, aber seit ich 17 bin, will man wissen, was in meinem Liebesleben passiert, doch ich wüsste nicht, was das jemanden angeht.

Wir wollten nur wissen, wie er sich verändert hat, seit Sie 1992, zu Beginn Ihrer Karriere, schon einmal miteinander drehten …
Er war und ist ein Schauspieler. Und ich bin froh, dass ihn nach Spanien inzwischen auch die Welt entdecken konnte. (lächelt)

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Ex-Freunden Tom Cruise oder Matthew McConaughey?
Ich bitte Sie! Natürlich bleibe ich mit guten Freunden in Kontakt.

Im Film-Musical „Nine“, das 2010 ins Kino kommt, singen Sie auch. Haben Sie früher schon gesungen und getanzt?
Gesungen habe ich als Schauspielschülerin, und früher war ich eine Ballerina. Aber als ich das erste Mal vor einer Filmcrew singen musste, rutschte mir das Herz in die Hose. Doch so ängstlich mich das Hören meiner Stimme macht, so sehr liebe ich die Herausforderung.

Suchen Sie bewusst nach riskanten Aufgaben?
Je weiter eine Filmfigur von meiner eigenen Persönlichkeit entfernt ist, desto mehr Spaß macht es mir, in diesen fremden Charakter einzutauchen.

Sind die Rollen in europäischen Produktionen interessanter?
Man findet mehr Tiefe und Vielschichtigkeit. Doch auch in Hollywood tut sich viel für ausländische Schauspieler: Vor zehn Jahren waren die Möglichkeiten begrenzt, wenn man einen starken Akzent hatte.

Sie sind dieses Jahr 35 geworden – ein Alter, mit dem Frauen in Hollywood weniger Rollen bekommen. Sorgen Sie sich um die Zukunft?
Überhaupt nicht! In Spanien arbeiten Schauspielerinnen, bis sie 80 sind. Nichts anderes habe ich vor. Mit Filmen, in denen es nur um Äußerlichkeiten geht, möchte ich ohnehin nichts zu tun haben. Vielmehr denke ich an die wunderbar faltigen Gesichter meiner Großmütter, denen ich eines Tages zu ähneln hoffe. Ich freue mich darauf, irgendwann diesen blöden Sexsymbol-Ruf los zu sein und eine verschrumpelte Oma zu spielen!

Roland Huschke