Ryan Reynolds im Interview

Humor ist seine Waffe

Selbst ist der Mann. Weil seine Schauspielversuche als Teenager (in der TV-Serie „Hillside“, 1993) nicht zum gewünschten Erfolg führten, fuhr der Kanadier Ryan Reynolds mit 18 auf eigene Faust nach Los Angeles, um seine Karriere anzu

Heute ist der 32-Jährige Holly­woods neuer Shootingstar, agierte in „X-Men Origins: Wolverine“ neben Hugh Jackman oder spielt an der Seite von Sandra Bullock in „Selbst ist die Braut“ (jetzt im Kino). Mit der soll sich der Ehemann von Scarlett Johansson übrigens mehr als blendend verstanden haben. OK! hakt nach …

Wie war es, nackt mit Sandra Bullock vor der Kamera zu stehen?
Dazu darf ich nichts sagen, ich musste eine Schweigeverpflichtung unterschreiben. (lacht) Natürlich ist es eine peinliche Situation, wenn zwei Menschen nackt zusammenstoßen. Ich bin nur froh, dass wir daran gedacht haben, uns wieder anzuziehen, bevor wir den Set wieder verlassen haben.  

Es ist eine der lustigsten Szenen im Film …
Für den Zuschauer bestimmt!

War Alkohol im Spiel?
Nein, wir haben auf keinerlei soziale Schmiermittel zurückgegriffen. Wir waren stocknüchtern. Es ist ziemlich hart, morgens um sechs schon einen Schluck aus der Flasche zu nehmen. Es sei denn, man ist noch wach.

Sandra Bullock spielt eine anstrengende Chefin. Hatten Sie schon mal einen derartigen Boss?
Ja, schon einige. Einer meiner ersten Jobs war in einem Restaurant, das, glaube ich, in Wirklichkeit eine peruanische Koksbude war. Mein Chef war ein drogenverseuchter Freak, launisch und absolut unberechenbar. Ich erinnere mich gut an das Gefühl der Unterdrückung!

Könnten Sie sich vorstellen, sich zu einer so herrischen Frau hingezogen zu fühlen?
Schon. Hinter ihrer krassen Art steckt ja jemand, der sich eigentlich öffnen möchte. Es ist doch schön, wenn man dabei helfen kann.

Was ist das Verrückteste, das Sie selbst mal für einen Job getan haben?
Ich kam mit 18 nach Hollywood. Es war an einem Nachmittag. Ich war am College und irgendwann stellte ich fest, dass das nicht das Richtige für mich war. An dem Tag setzte ich mich ins Auto und fuhr von Kanada Richtung Los Angeles. Ich hatte weder meinen Job gekündigt, noch mich am College exmatrikuliert, ich bin einfach verschwunden. Dann schlug ich hier auf und irgendwie funktionierte es.

Warum sind Sie nach Los Angeles aufgebrochen?
Ich glaube, die meisten Teenager haben mit 18 eine ernste Krise, eine Art Nervenzusam­menbruch. Man erkennt das erst, wenn es vorbei ist. Ich rang um meine Identität, wusste nicht, wer ich war und was ich wollte. Ich war am glücklichsten, wenn ich Improvisations-Comedy machte. Also ging ich nach L.A., um mich einer berühmten Improvisationstruppe  anzuschließen. Natürlich haben sie mich nicht genommen, obwohl ich sicher war, dass man mich mit offenen Armen empfangen würde. Also schrieb ich mich für einen ihrer Kurse ein.

Sie bringen Leute gern zum Lachen …
Ich bin in einem sehr angespannten Haushalt groß geworden, unter lauter Polizisten … Mir lag also daran, einen Sinn für Leichtigkeit zu kultivieren. Sie wurde zu einer Waffe für mich, mit der ich mich verteidigte. Und wenn man Schmerz erfährt, ist es sehr nützlich, diesen mit Humor zu nehmen.

Ihr Vater ist Polizist gewesen – hat das auf Sie abgefärbt?
Ich wollte als Kind immer Lehrer werden! Den Druck, der Polizistenlaufbahn zu folgen, habe ich immer abgelehnt. Aber wenn ich heute den Geschichten meines Bruders zuhöre, der tatsächlich ein Cop geworden ist, denke ich mir: „Es muss schon Spaß machen, all die bösen Buben zu jagen.“ Ich kann das nur auf eine eher alberne Art im Film tun, aber er macht es wirklich!

Wurden bei Ihnen zu Hause auch Polizeiserien geschaut?
Nein, das ist für echte Polizisten zu albern.

Wie hat Ihre Familie Ihre Entscheidung aufgenommen, Schauspieler zu werden?
Mit Vorbehalt und ein paar Knüppeln. (lacht)Sie haben eine Weile gebraucht, um sich damit anzufreunden. Aber sobald man Erfolg in diesem Geschäft hat, sind alle deine Freunde – sogar deine Familie. (lacht) Meine Eltern und meine drei älteren Brüder haben schon die Stirn gerunzelt, aber sie haben mich unterstützt. Einer meiner Brüder ist heute mein bester Freund.  

Sandra Bullock hat deutsche Wurzeln, Sie sind Kanadier. Lästern Sie manchmal gemeinsam über die seltsamen Amerikaner?
(lacht) Nein. Wir können doch nicht in die Hand beißen, die uns füttert. Am Anfang ist es sehr einfach, die negativen Eigenschaften eines fremden Landes aufzuzählen, aber nach einer Weile werden einem auch die vielen Vorzüge bewusst. Amerika hat viel Potenzial, Gutes zu tun. Die Frage ist, wie das in die Tat umzusetzen ist.

Ihre Biografie im Internet beginnt mit der Tatsache, dass Sie jüngst unter die erotischsten Männer dieses Planeten gewählt wurden …
Das habe ich selbst geschrieben! (lacht)

Wie kommen Sie mit der heutigen Rollen­verteilung, in der Frauen oft machtvollere Positionen haben als Männer, zurecht? Sie selbst sind auch mit einer sehr erfolgreichen Frau verheiratet …
Erfolgreiche Frauen sind für mich selbstverständlich. Vielleicht liegt das an meinem Umfeld als Kind: Ich wuchs in einer offenen, fortschrittlichen Welt auf. In Vancouver gibt es einen großen New-Age-Einfluss, viele Hippies. Das hat mich geprägt.

Sie sind seit letztem September verheiratet. Haben Sie schon einen Ehe-Tipp?
Ich halte es mit dem alten Rat: Dialog und noch mal Dialog. Wenn man über Dinge redet, hat man den Schlüssel zu einer funktionierenden Ehe. Ungesagte Dinge werden oft zu dem Gift, an dem Beziehungen kaputtgehen.

Wie gehen Sie mit dem Interesse an Ihrem Privatleben um?
Paparazzi sind mir zuwider. Durch diese Branche hat sich viel verändert: Früher wollte man noch sehen, wie Clark Gable auf seiner Premiere aussieht. Heute heißt es: „Lasst uns versuchen, ihn auf der Toilette zu erwischen!“ Ich verstehe diese Mentalität nicht! Ich fühle mich überwacht.  

Was tun Sie, um sich zu schützen?
Man muss in Los Angeles nicht im „Ivy“ essen gehen, sondern sollte lieber in weniger bekannte Lokale gehen.

Sie sind politisch aktiv und haben zusammen mit Scarlett US-Präsident Barack Obama bei seinem Wahlkampf unterstützt. Was sind Ihre Pläne für die nächste Zeit?
Vor allem maßlose Lethargie! (lacht) Eine Freundin von mir hat in Malawi das Kinderhilfswerk „Friends of Mulanje Orphans“ gestartet. Sie hat 4 000 Kinder gerettet. Ich war schon dort, möchte sie aber auch weiterhin unterstützen – aber ohne Presse-Tamtam!

Nina Rehfeld