Michelle Pfeiffer im OK!-Interview

Über Hollywood und das Älterwerden

Die Verruchte gibt sie nur auf der Leinwand. Privat ist Michelle Pfeiffer, 51, Ehefrau und Mutter. "Die Zeiten der sexy Kleider sind vorbei", sagt sie. Zumindest privat: In "Chéri" (jetzt im Kino) spielt sie eine Edelkurtisane,

Kann eine solche Beziehung wie im Film gut gehen?
Für mich wäre das nichts, doch ich bin mit einem solchen Paar befreundet und die beiden sind perfekt füreinander. Doch ein eklatanter Altersunterschied ist noch immer ein Tabuthema. Sie müssen mehr Hürden überwinden als gleichaltrige Paare. Trotzdem gilt: Wo die Liebe hinfällt …

Wie fühlten Sie sich in den intimen Szenen mit Ihrem 27 Jahre jungen Kollegen Rupert Friend?
Es war ziemlich einschüchternd, weil er mein Sohn sein könnte (lacht). Doch das ist der Job. Ich glaube, dass der Film Pfeffer in die Debatte bringt und dann nicht alle Welt nur über die Liebhaber von Madonna spricht. Unwohl war mir beim Drehen nur, weil ich wusste, dass ich jetzt über das reden müsste, was ich am meisten hasse: das Altern von Frauen in Hollywood …

Sie feierten letztes Jahr Ihren 50. Geburtstag.
Genau. Doch wie mit vielen Dingen, denen man entgegensieht, war es dann in der Realität kein großes Ereignis. Man zerbricht sich monatelang den Kopf, welche Veränderungen jetzt auf einen zukommen, doch es ändert sich gar nichts! Ganz im Gegenteil: Es fühlte sich befreiend an. Man ist dankbarer für die guten Sachen im Leben.

Interessiert sich Hollywood jetzt weniger für Sie?
Das hängt davon ab, wie man seinen Status definiert. Ich fühlte mich schon immer wohler in Charakterrollen, habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, wie unangenehm mir der Starummel ist. Ich mag weniger Angebote bekommen – aber die Qualität ist höher als mit Mitte 20.

Wie verbringen Sie Ihre freien Tage?
Meine Kinder sind 15 und 16 Jahre alt – da gilt ihnen ein Großteil meiner Aufmerksamkeit, auch wenn sie gern ihre Ruhe vor mir hätten. (lacht)

Orientieren Sie sich bei der Erziehung an Ihrer eigenen Jugend?
Die Kunst besteht vor allem im Zuhören und im Eingehen auf ihre Bedürfnisse. Meine Jugend ist nicht mehr mit ihrem Teenager-Leben zu vergleichen. Ich bekam damals noch Benimmunterricht, während es für meine Kids wichtiger ist, sich in Sachen Internet-Etikette auszukennen. Ich versuche, auf dem Stand der Dinge der Welt zu bleiben, in der sie leben.

Glauben Sie, dass eines Ihrer Kinder in Ihre Fußstapfen tritt?
Bisher zeigen sie kein Interesse und ich würde das auch nicht unterstützen, bevor sie 18 sind. Das Geschäft ist einfach zu hart für Minderjährige. Sollten sie sich dann aber dafür entscheiden, wäre ich gern ihr Ratgeber.

Haben Sie persönliche Pläne für die Zukunft?
Würde ich eines Tages nicht mehr besetzt, würde ich mich als Regisseurin von Dokumentarfilmen versuchen. Es gibt viele soziale und politische Themen, die in der Öffentlichkeit keine Lobby haben. Da wäre mein Name hilfreich.

Sonst können Sie nichts mit dem Ruhm anfangen?
Wäre ich nicht vertraglich verpflichtet, würde ich abseits des Sets niemals vor Kameras oder Mikros treten. Ich will das von mir fernhalten.

Auch die Komplimente?
Die würden abprallen. Ich mag meine Arbeit nicht und kann mir nicht zuschauen.

Roland Huschke