Meryl Streep exklusiv im OK!-Interview

Der Filmstar über Hollywood und das Älterwerden

Durch sie bekommen die Filme, in denen sie mitspielt, ein eigenes Gütesiegel. Meryl Streep, 60, ist die erfolgreichste Schauspielerin in Hollywood. 15 Mal war sie bereits für den Oscar nominiert, zwei Trophäen konnte sie sogar mit nach Haus

Auch mit "Julie & Julia“ (jetzt im Kino) dürfte Streep wieder jede Menge Preise einheimsen. Bei allem Erfolg – die vierfache Mutter gilt als sehr bodenständig. Und sie hat ein ganz entspanntes Verhältnis zum Jugendwahn, wie sie im Gespräch mit OK! verrät …  

Sie spielen in „Julie & Julia“ eine überaus charismatische Köchin …

Julia Child, eine Kochlegende, ist wirklich eine überlebensgroße Person. Für ihre Verkörpe­rung ließ ich mich von Erinnerungen an meine Mutter inspirieren. Auch sie war eine Frau, die ein ungeheures Talent dafür besaß, das Leben zu genießen und jeden Menschen sofort zum Strahlen zu bringen. Der Film ist meine kleine Hommage an sie.

Lassen sich die Welten des Kochens und des Kinos miteinander vergleichen?
Absolut! Denn in der Gastronomie wissen die Verantwortli­chen ebenso wenig wie in der Filmbranche, wie sich der Geschmack der Kundschaft entwickelt. Was heute en vogue ist, gilt morgen als abgehangen. Diese Probleme hat ein guter Zahnarzt nicht! (lacht)

Sie sind in diesem Jahr 60 geworden, Wie haben Sie diesen runden Geburtstag erlebt?
Vielen Dank, dass Sie mich daran erinnern! Aber glücklicherweise gehörte ich noch nie zu den Frauen, die mit dem Altern etwas Negatives verbinden. Na klar, wer wäre nicht gern unsterblich oder könnte mal eben etwas jünger werden? Doch dafür habe ich in meinem Job gute Make-up-Leute, die mich wenigstens für Rollen verwandeln können. (lacht)

Und wie war Ihre Party?
Meine Familie hat ein wunderbares, aber überschaubares Fest organisiert. Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen Trubel um meine Person mag und flüchte, wenn es mir zu viel wird.

Das dürfte derzeit öfter der Fall sein. Seit "Der Teufel trägt Prada“ oder "Mamma Mia!“ sind Sie beim Publikum beliebter denn je.
Es stimmt, ich werde neuerdings nicht mehr als Schauspielerin bezeichnet, sondern als Filmstar, und bin darüber selbst einigermaßen irritiert. (lacht) Aber mit Starrummel oder Paparazzi-Aufläufen habe ich zum Glück noch immer nichts zu tun.

Haben es Frauen eigentlich schwerer, in Führungspositionen zu gelangen?
Ihre Arbeit wird anders gemessen als die von Männern. Selbst erfolgreiche Frauen wie Hillary Clinton oder Oprah Winfrey werden zumindest in den USA argwöhnischer beäugt als Männer mit vergleichbaren Jobs. Vertritt ein Mann selbstbewusste Positionen, gilt er als stark, doch eine toughe Frau wird als Zicke abgestempelt.

Wie beurteilen Sie das Frauenbild Hollywoods, in dem fast nur als begehrenswert gilt, wer sehr jung und sehr dünn ist?
Es ist absurd. In den Medien wird eine künstliche Weiblichkeit gepriesen, die junge Mädchen ganz furchtbar irritiert. Es braucht Stärke, um diesem Druck zu widerstehen. Ich erinnere mich noch gut, als Twiggy in meiner Jugend als Nonplusultra galt und auch ich mich mit dem Gedanken plagte, ob ihre Figur nicht das absolute Ideal sei. Letztlich blieb ich mir treu und habe es nie bereut.

Ihre Arbeit gilt als Goldstandard – können Sie sich erinnern, wann Sie zuletzt kritisiert wurden?
Da fällt mir spontan eine Geschichte aus dem Frühstadium meiner Karriere ein. Ich war in Italien, um bei dem legendären Produzenten Dino De Laurentiis für eine Rolle vorzusprechen. Es schien gut zu laufen, bis er sich irgendwann seinem Sohn zuwandte und zu ihm sagte: "Vergiss es, sie sieht einfach nicht gut genug aus“. Auf Italienisch. Er kam offenbar nicht auf den Gedanken, dass ich die Sprache halbwegs beherrschen könnte.

Wie haben Sie darauf reagiert?
Ich ließ mir nichts anmerken und wusste schon damals, dass sich die Arbeit einer Schauspielerin nicht über Äußerlichkeiten definiert. Aber ich war durchaus verletzt – vergessen habe ich den Vorfall selbst nach Jahrzehnten nicht.

Roland Huschke