Kevin Costner exklusiv im Interview

Der Schauspieler on Stage

Kevin Costner ist im Kino bereits ein Superstar, als Musiker muss er sich noch einen Namen machen. Das macht ihn ziemlich nervös …

Er ist nicht der erste Hollywood-Schauspieler, der sich als Musiker versucht. Aber Kevin Costner weiß im Gegensatz zu manch anderem Kollegen, was er tut. Mit seiner Band Modern West brachte der 54-Jährige dieses Jahr das wunderbar folkige Debütalbum "Untold Truths" heraus, auf dem er in selbstkomponierten Songs Gitarre spielt und singt. Vor seiner Deutschland-Tournee spricht er mit OK! über musikalischen Anfänge – und die Hartnäckigkeit seiner Frau.

Erinnern Sie sich noch an die erste Platte, die Sie sich gekauft haben?
Meine Güte, das ist lange her. Da muss ich so zwölf Jahre gewesen sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das ein Song von The Young Rascals war, aber welcher? Ich glaube, ich werde alt, ich weiß es nicht mehr.

Die Band war für ihren fetzigen Soul-Pop bekannt. Hat man Sie damals in Schlaghosen zu dieser Musik in der Disco tanzen sehen?
(lacht) Eher weniger. Ich habe brav im Schulchor gesungen und klassisches Klavier geliebt. Aber Schlaghosen habe ich auch getragen.

Wussten Sie damals schon, dass ein Musiker in Ihnen steckt?
Ja, schließlich habe ich früh mit Klavierspielen angefangen. Ich wusste aber nicht, dass ich je damit Geld verdienen könnte. Und dass in mir das Zeug steckt, wirklich auf der Bühne zu stehen.

Sie haben sich dann entschlossen, Schauspieler zu werden, die Musik aber nie aus den Augen verloren. 1991 hatten Sie in Japan sogar einen Nr.-1-Hit ...
Stimmt, das war eine Auftragsarbeit für einen Werbespot. Der Regisseur hatte einen meiner Songs gehört und fand ihn offensichtlich passend. Ich habe dann mit meiner damaligen Band Roving Boy daran gearbeitet.

Ist Ihnen damals der Gedanke gekommen, der Schauspielerei den Rücken zu kehren und nur von der Musik zu leben?
Zu diesem Zeitpunkt kam meine Filmkarriere gerade so richtig ins Rollen. "Der mit dem Wolf tanzt", "JFK" und "Robin Hood" waren so erfolgreich, das wollte ich nicht aufgeben. Und ich habe mir gesagt: "Wenn du so viel Zeit vor der Kamera verbringst, kannst du deiner Musik niemals gerecht werden."

Hatten Sie 2007, als Sie Ihre Band Modern West gründeten, endlich Zeit für Musik?
Nein, ich hatte nicht den Eindruck, dass das funktionieren würde. Es war meine Frau, die mir gesagt hat, dass ich mir die Zeit nehmen muss. Sie ist Schuld, dass ich jetzt singe! (lacht) Sie hat mir gesagt: "Du merkst doch selbst, wie viel Spaß du daran hast. Sieh zu, dass du etwas daraus machst." Die letzten zwei Jahre hat sie mir immer wieder gesagt, dass ich weiter­machen soll. Dass es Menschen gibt, die mögen, was ich tue. Ohne meine Frau würde ich heute nicht da stehen, wo ich bin. Aber so ist sie eben, meine Christine Baumgartner – die zum Glück bald endlich meinen Nachnamen annehmen wird und dann ganz offiziell Mrs. Costner heißt.

Hat Ihre Frau ein Mitspracherecht, wenn Sie neue Songs schreiben?
Ich will natürlich wissen, ob ihr ein Song gefällt, wenn ich ihn fertig geschrieben habe. Aber grundsätzlich verlasse ich mich auf mich selbst. Letztendlich muss ich ihn auf der Bühne spielen. Da nützt es mir wenig, dass Christine einen Song toll findet und ich nicht.

Und zunächst standen Sie ja auch ausschließlich auf der Bühne und haben erst dann ein Album roduziert.
Ja, das stimmt. Ich begann überall da mit meiner Band aufzutreten, wo ich gerade Filme drehte und die Leute fragten immer, wann wir das nächste Mal spielen würden. Da kam uns erst die Idee, ein Album aufzunehmen. Das war nicht geplant und lief eher im Stillen ab. Aber irgendwie ist diese Sache über die Jahre gewachsen und nun kommen wir auf Tour nach Deutschland. Das ist einfach der Wahnsinn!

Hat ein Kevin Costner eigentlich Lampenfieber?
Lampenfieber würde ich es nicht unbedingt nennen, aber nervös bin ich auf jeden Fall. Auf der Bühne bekommt man sofort eine Reaktion von den Zuhörern. Deswegen will ich meinem Publikum das Beste zeigen, was ich kann. Es ist etwas völlig anderes als beim Film. Dort bekommt man in verträglichen Dosen aus der Zeitung mit, wenn mal etwas in die Hose gegangen ist.

Anna-Julia Meyer