Matt Damon im OK!-Interview

'Was andere von mir denken, ist mit egal'

Er ist der beste Kumpel von George Clooney und Brad Pitt. Aber im Gegensatz zu seinen berühmten Freunden pfeift er auf den Starrummel. Mit uns spricht Matt Damon über Wichtigeres: seine Familie - und Übergewicht.

Es ist fast eine Erleichterung, ihn so perfekt in Form zu sehen. Für seine Rolle in "Der Informant" (Kinostart: 5. November) hatte Matt Damon 15 Kilo zugelegt – und die sind nun wieder runter. Wer dem 39-Jährigen dabei geholfen hat? Seine drei Töchter und ein wenig Gelassenheit, wie er im Gespräch mit OK! verrät …

Sie sind wieder viel schlanker als im Film …
Das hat mich auch verdammt viel Training gekostet. Eine Zeit lang war ich sogar ganz stolz auf meinen Bauch, aber langfristig wäre das nichts für mich. Allerdings macht mir Angst, wie leicht mir das Zunehmen fällt. Ich tat nichts anderes, als Pizza und Hamburger zu essen und Bier zu trinken. Prompt hatte ich 15 Kilo drauf. Vielleicht war es auch mehr … Ich habe irgendwann aufgehört, mich zu wiegen. (lacht)

Haben Sie ein Gen zum Dicksein?
Nein, ich glaube, das liegt nur daran, dass ich langsam älter werde. Wenn ein Mann da nicht aufpasst, dann bekommt er eben eine Wampe.

Fürchten Sie sich vorm Älterwerden? Im nächsten Jahr feiern Sie schon Ihren 40. Geburtstag.
Wenn ich das Altern stoppen könnte, hätte ich nichts dagegen. (lacht) Nein, ganz ehrlich, ich fühle mich so erfüllt wie noch nie. Früher zerbrach ich mir den Kopf, was andere von mir denken. Die Zeiten sind vorbei. Ich bekomme die besten Rollen meines Lebens und es wird immer besser. Bis Mitte 50 ist die optimale Zeit für einen Schauspieler.

Was ist mit Ihrer Familie? Trägt die zu Ihrer Erfüllung bei?
Familie ist natürlich am Wichtigsten. Meine Frau ist großartig, meine Töchter ein Traum. So eine Familie habe ich mir immer gewünscht.

Auch eine Familie mit drei Töchtern?
Ich sage ja immer: Ich habe ein Testosteron-Defizit in meinem Haus. Aber ich habe auch festgestellt: Das Leben mit Frauen ist wesentlich friedlicher. Ich merke das schon im Vergleich zu meinem Bruder – der hat zwei Jungs, die echte Rabauken sind. Als ich selbst noch ein Kind war, was habe ich mich da mit ihm gezofft. Für die Dreharbeiten von „Der Soldat James Ryan“ rasierte man mir die Haare ab und fragte mich, ob ich ein kleiner Bruder sei. Weil ich so viele Narben am Kopf habe.  

Wollen Sie weitere Kinder?
Ein Junge wäre schon toll. Allerdings ist es mit den dreien schon ­stressig genug. Vor allem, weil jede ihre eigenen Interessen hat. Manchmal ist es schwer, Schlaf zu finden. Meine Frau und ich haben nachts also viel Zeit füreinander.

Die werden Sie doch produktiv nutzen …
Mit unserem Baby Gia im Zimmer ist das schwierig. (lacht) Aber dafür reden wir viel.

Haben Sie vor, beruflich irgendwann kürzerzutreten?
Das mache ich schon. Bevor Isabella vor drei Jahren zur Welt kam, stand ich fast ohne Pause vor der Kamera. Aber jetzt prägt meine Familie mein Leben. Weil Alexia in die Schule geht, versuche ich möglichst in der Nähe unseres Wohnorts zu drehen. Ich würde mich nie mehr so verausgaben wie früher. Es gab Zeiten, da habe ich mich für Filme kaputt gemacht: Für "Mut zur Wahrheit" habe ich 25 Kilo abgenommen – das war nicht gesund. Andererseits muss ich mich körperlich auf eine Rolle vorbereiten. Das hilft mir, glaubwürdig zu spielen. Ich bin schließlich nicht Marlon Brando.

Es gab Zeiten, da schien Ihre Karriere am Ende zu sein …
Richtig, das war, bevor "Die Bourne Identität" kam. Ich hatte einen Flop nach dem anderen und der Film schien auch ein Desaster zu werden. Die Branche hatte mich abgeschrieben. Surrealerweise rief mich da der Regisseur Steven Soderbergh an und fragte, ob ich an "Der Informant" ­interessiert sei.

Was hätten Sie gemacht, wenn es vorbei gewesen wäre?
Es wird eines Tages vorbei sein. Ich brauche den Ruhm auch nicht, um glücklich zu sein. Früher stand ich in London auf der Bühne – das war genauso toll. Ich kann meine Karriere nicht kontrollieren. Und wenn alle Stricke reißen, kann ich immer noch schreiben. Zum Glück hat mir meine Familie die richtigen Maßstäbe fürs Leben beigebracht. Ihnen ist es egal, ob ich berühmt bin. Haupt­sache, ich finde beruflich Erfüllung und mir und meinen Liebsten geht’s gut. Ich wiege mich sogar in der Illusion, dass ich ein ganz normaler Mensch bin und einfach so die Straße runtergehen kann.

Können Sie das?
In Miami, wo wir die letzten vier Jahre lebten, war es ganz okay.

Sie sagten einmal – nach der Trennung von Winona Ryder – dass Sie nicht mehr mit einem Promi zusammen sein möchten. Haben Sie deshalb Luciana, eine ehemalige Barkeeperin, geheiratet?
Das ist kein Grund, jemanden zu heiraten. Was ich mit dem Satz meinte, ist, dass der Rummel bei Promi-Paaren verrückte Ausmaße annimmt. Alle Welt giert nach Details aus dem Privatleben. Wenn du mit jemandem zusammen bist, der nicht zu dieser Branche gehört, dann lässt man dich in Ruhe. Darüber bin ich froh.

In welchen Momenten genießen Sie ihren Celebrity-Status?
Wenn ich ­herausragende Personen treffen kann. Mein nächster Film erzählt eine Episode aus dem Leben Nelson Mandelas. Ich und sogar meine Töchter durften ihn dann tatsächlich kennenlernen. Meine Älteste, Alexia, war nervös, denn sie kannte natürlich seine Geschichte.

Alexia ist nicht ihre leibliche Tochter – sie stammt aus der ersten Ehe Ihrer Frau. War es schwierig, die Rolle des Stiefvaters zu übernehmen?
Eigentlich nicht. Ich bin eine Art Onkel für sie – Lucianas Ex-Mann ist ein toller Vater. Deshalb habe ich auch oft Schwierigkeiten, autoritär zu sein. (lacht) Ich hoffe, das wird bei meinen leiblichen Töchtern einfacher. Jetzt, wo ich wieder in Form bin, bin ich ja stark genug dafür!

Giovanna Festa