Richard Gere im exklusiven OK!-Interview

'Ich habe mir meinen eigenen Tod vorgestellt!'

Intime Geständnisse: Wie Hollywood-Star Richard Gere seine Mutter quälte, warum er oft nackt ist und sich selbst bemitleidet.

Damals in "Pretty Woman" machte er aus einer Hure eine Lady. In „Hachiko – eine wunderbare Freundschaft“ wird Richard Gere erzogen – und zwar von ­einem japanischen Akito-Hund. Neben ihm wurde der 60-Jährige prompt zum Neben­darsteller. "Kein Problem", erklärt er im Gespräch mit OK!. Denn der Vierbeiner hat es schon schwer genug …

Wären Sie manchmal selbst gern ein Hund?

Manchmal würde ich mir wünschen, dass ich auch so ein einfaches Leben hätte. Aber streng genommen haben es Tiere schwerer. Sie erleben viel Leid und Schmerz. Als Mensch kann man sein Zuhause sorglos verlassen, ein Tier muss immer davon ausgehen, dass ihm jemand an den Kragen will.

Ihr jetziger Hund Billie stammt aus dem Tierheim. Wann entdeckten Sie Ihre Liebe zu Hunden?
Schon ganz früh, ich hatte einen ­Cockerspaniel, als ich ein Junge war. Wir sind sozusagen mit­ein­ander groß geworden.

Kinder können manchmal recht grausam zu Tieren sein. War das bei Ihnen auch so?
Nein, mein Hund war mein bester Freund. Ich habe meine Mutter gequält, aber nie ihn.

Hunde lieben bedingungslos. Haben Sie diese Liebe auch bei Menschen erfahren?
Da ist die Sache schwieriger. Wir handeln mit Zuneigung: Ich gebe dir dies, und du gibst mir dafür das. Liebe ähnelt meistens einer Geschäftsverbindung. Aber ja, ich habe bedingungslose Liebe erfahren, aber es war selten.

Und bei wem haben Sie sie gefunden?
Ich glaube, die größte Liebe habe ich von meiner Mutter bekommen. Mütter denken nicht darüber nach, was ihnen ihre Kinder zurückgeben. Obwohl ich meine Mutter sicher auch in den Wahnsinn getrieben habe – wie jedes Kind. Immer musste sie für mich da sein. Das war ­sicher frustrierend für sie.

Aber in Ihrer Ehe verhandeln Sie um Zuneigung?
Natürlich. Zwischen Erwachsenen geht es praktisch nicht anders. Wir tragen haufenweise Schutzschichten. Es kostet uns große Anstrengung, diese abzulegen und nackt vor dem anderen zu stehen. Nur wenn wir mit Kindern zu tun haben, sind wir offen und großzügig. Aber sobald ein Erwachsener kommt, ziehen wir gleich wieder unsere Rüstung an.

Wie häufig stehen Sie nackt da?
Je älter ich werde, desto öfter. Aber mit den Jahren fällt mir das auch wesentlich leichter.

Was hat das Älterwerden damit zu tun?
Ich habe genug Erfahrung gesammelt, um zu wissen, was im Leben wichtig ist und was nicht. Und ich fühle mich nur in den Momenten lebendig, wo ich ganz offen mit Leuten umgehe. Ich will mehr von diesen Momenten. Denn dann denke ich: Wow, ich bin zwar jetzt verletzlich, aber ich bin ich selbst, ich kann mich spüren.

Hilft Ihnen dabei Ihr buddhistischer Glaube?
Ich habe viel durch das Meditieren gelernt. Es gibt ja das Phänomen, dass man meditiert und in der Umgebung Lärm gemacht wird. Normalerweise denkt man: Verdammt, können die nicht damit aufhören? Aber mein buddhistischer Lehrer hat mir die richtige Einstellung beigebracht: Die, dass es großartig ist, andere Wesen zu spüren. Dann geht einem das Herz auf. In dem Moment ist man wie ein Kind – oder wie ein Hund. Die nehmen auch alles ohne Vor­urteile wahr.

Wären Sie auch imstande, ewig auf Ihre Geliebte zu warten – so wie der Hund im Film?
Ich glaube nicht. Der Hund ist wie ein Yogi. Ein Yogi sitzt einfach da, ohne Erwartung, ohne Angst. Und ich habe durchaus noch Erwartungen. Ich träume von der Zukunft und ich grüble noch über die Vergangenheit nach.

Was empfinden Sie, wenn Sie an den jungen Richard Gere zurückdenken?
Vor zwei Jahren gab es beim Festival in San Sebastian eine Retrospektive meiner Filme. Normalerweise schaue ich mir die nicht an und es war sehr bewegend, mich da in jungen Jahren zu sehen. Es war, als würde ich einem jüngeren Bruder begegnen. Ich empfinde sehr viel Mitleid für diesen Menschen – für die Dumm­heiten, die er damals beging.

Ist Ihnen etwas aus heutiger Sicht peinlich?
Nein, das Gefühl kenne ich nicht. Meine Einstellung zu meinem früheren Selbst ist liebevoll. Und ich werde eines Tages auch so auf den Richard Gere des Jahres 2009 zurückschauen.

Eines Tages wird es diesen Richard Gere nicht mehr geben. In „Hachiko“ haben Sie auch eine Sterbe­szene – haben Sie je an diesen Moment gedacht?
Natürlich, weil ich ständig in Filmen umkomme! Ich habe mich schon viel mit Ärzten darüber unterhalten, wie das abläuft. Aber jeder hat eine andere Meinung. Es gibt allerdings eine Meditationstechnik, mit der man sich seinen eigenen Tod vorstellen kann.

Haben Sie sie schon angewandt?
Ja. Aber ich sehne mich nicht danach, dass sich Richard Gere auflöst. Dafür liebe ich meine Frau und meinen Sohn viel zu sehr.

Rüdiger Sturm