Mel Gibson im OK!-Interview

'Ich brauchte eine Auszeit'

Sein letzter Kinohit liegt sieben Jahre zurück. Nach "Signs" machte Mel Gibson in letzter Zeit mehr mit privaten Schlagzeilen als mit glorreichen Rollen von sich reden. Nun meldet sich der 53-Jährige ­zurück. Pünktlich zu

Offen spricht Oscar-Preisträger Mel Gibson über persönliche Krisen und warum ihn die Schauspielerei zunehmend nervt. Nur beim Thema Liebe macht er dicht: Fragen zu seiner neuen Lebenspartnerin, der russischen Sängerin Oksana Grigorieva, 39, die ihm Ende Oktober Tochter Lucia geschenkt hat, bleiben unbeantwortet – mit dem Hinweis: "Es geht hier heute nur um mich …"

Sie haben sich sehr rar gemacht in den letzten Jahren. Können Sie Ihre persönlichen Highlights für uns zusammenfassen?

Meine Highlights? Das wird dann ja zu einer Biografiestunde. Markant war wohl, dass ich mich nach "Braveheart" mehr und mehr dafür interessiert habe, Regie zu führen. Ich kann das nur nicht allzu oft machen, weil es mich extrem viel Energie kostet. Am letzten Drehtag heule ich wie ein Schlosshund. Ich dachte, damit fällt der ganze Stress endlich von mir ab. Aber von wegen: Ich war so fertig mit den Nerven, dass ich wochenlang nur apathisch herumsaß und mit niemandem sprechen wollte – ein richtiger Zusammenbruch. Selbst die Schauspielerei hat mich nicht mehr gereizt, sondern nur gelangweilt. Diese Unlust habe ich in den vergangenen Jahren verstärkt gefühlt.

Anfang 2010 sieht man Sie trotzdem zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder in einer Hauptrolle, und zwar in dem Psychothriller "Edge of Darkness". Wieso haben Sie jetzt Ihre Meinung geändert?
Weil ich das Gefühl hatte, dass genug Zeit seit meiner letzten Rolle vergangen ist. Es hat mich irgendwie wieder gekitzelt.

Und die Gründe für Ihre lange Pause waren wirklich nur Langeweile?
Es war einfach nichts Neues mehr für mich. Ich merkte, dass ich die Leidenschaft verloren hatte, also habe ich mich eine Weile zurückgezogen.

Dann haben Sie es aber trotzdem irgendwann vermisst?
Vermisst nicht, nein. Ich muss gestehen: Früher hat mir der Hollywood-Zirkus mehr bedeutet. Ich wollte mich beweisen, weiterkommen im Leben und nicht mit einer miserablen Auftragslage enden. Heute kommt mir mein Job regelrecht nichtig vor. Ich stecke wohl in der männlichen Menopause. (lacht)

Finden Sie es angenehm, dass nun endlich mal wieder Ihre Arbeit im Vordergrund steht – und nicht die Neuigkeiten aus Ihrem Privatleben?
Vor einiger Zeit hat mir jemand mal einen guten Ratschlag gegeben. Er meinte: "Wenn du dein Leben in eine bessere Richtung lenken willst, komm runter von deinem Höhenflug. Zurück zu deinen Wurzeln. Also habe ich das gemacht. Im wahrsten Sinne: Ich habe in der Erde gewühlt, in meinem Garten Gemüse angebaut, all solche Sachen. Jetzt, wo ich mich geerdet habe, fühlt es sich auch wieder gut an, zu meinem Job zurückzukehren.

In New York stehen Sie derzeit mit Jodie Foster für "The Beaver" vor der Kamera …
… was mir großen Spaß macht. Sie ist eine fantastische Frau und eine gute Regisseurin.

Um was geht es in dem Film?
Beim ersten Hören klingt die Story seltsam: Es geht um einen depressiven Typen, der eine vergammelte Biber-Handpuppe entdeckt, mit der er lernt, seine Gefühle auszudrücken.

Stichwort Gefühle: Die Medien gingen nicht gerade zimperlich mit Ihnen um,
nachdem Sie sich im April von ihrer Frau ­Robyn Moore getrennt hatten, mit der Sie sieben Kinder haben. Wie fühlt man sich nach so vielen Negativschlagzeilen?

Es tut weh, wenn Leute dir in den Rücken fallen. Aber das passiert vielen. Hollywood ist ein hartes Geschäft.

In "Braveheart" kämpfen Sie um Freiheit und um eine Frau. Wie weit würden Sie persönlich für die Liebe gehen?
Die Antwort auf diese Frage würde mich nur in Schwierigkeiten bringen. Deswegen versuche ich es lieber unverbindlich: Es kommt drauf an, um wen es geht. (lächelt)

Johannes Bonke