Shootingstar Sam Worthington im Interview

'Ich bin ein Frauentyp'

Er hat alles, was ein Star braucht: ­Talent, gutes Aussehen, Willensstärke – und das Ganze gepaart mit einer kleinen Portion Dreistigkeit. Sam Worthington, 33, in Australien geboren und aufgewachsen, lehrt gerade die Männer in Hollywoo

Nicht nur die Filmproduzenten reißen sich um Hollywoods neuen Shootingstar: In OK! verrät der Australier, wie frau sein Herz erobern kann.

Im Science-Fiction-Film "Avatar" spielen Sie als nahezu Unbekannter die Hauptrolle und haben auch schon einige weitere große Hollywood-Produktionen abgedreht. Sind Sie darauf vorbereitet, dass bald die ganze Welt Ihr Gesicht kennen wird?
Nichts gegen Popularität, denn ich wäre ein Idiot, wenn ich nicht wollte, dass Menschen in meine Filme strömen. Der Trick ist, nicht aus den falschen Gründen bekannt zu werden – und da sehe ich die nähere Zukunft völlig gelassen. Ich habe genug Klatschmagazine gelesen, um zu wissen, was ich an schlechtem Benehmen vermeiden muss. Außerdem gibt es wirklich Wichtigeres, über das man nachdenken sollte.

Nämlich?
Na, ist doch logisch: Manchmal kommt diese Angst hoch, dass ich diese Filme ruinieren könnte und am Ende dastehe wie der letzte Versager. Was nicht heißt, dass ich nicht das Risiko einginge, auch mal schauspielerisch voll auf die Nase zu fliegen. Aber ich möchte das in mich gesetzte Vertrauen unbedingt erfüllen.

So selbstbewusst wie Sie wirken, traut man Ihnen Versagens­ängste gar nicht zu …
Die hat jeder Schauspieler und obwohl ich schon lange im Geschäft bin, weiß ich genau, dass ich noch auf der Entwicklungs- und Karrierestufe eines kleinen Kindes bin. Vom Bettnässer habe ich mich langsam zum kleinen Bengel hochgearbeitet, der schon allein stehen und auch mal brüllen kann. Doch bis ich mein Handwerk beherrsche wie ein gestandener Mann, muss ich sicher noch ein paar Mal stürzen und mich wieder aufrichten.

Stimmt es, dass Sie nur per Zufall Schauspieler geworden sind?
Ich habe meine damalige Freundin zu einem Theater-Casting begleitet, um ihr moralische Unterstützung zu geben. Weil aber Besucher nicht erlaubt waren, musste ich so tun, als wäre ich selbst scharf auf den Job. Also ging ich auf die Bühne, machte mir einen Spaß und deklamierte: Fucking Sein oder fucking Nichtsein! Das sei Shakespeare, hieß es, da dürfe man nicht fluchen! Doch ich entgegnete: Warum nicht? Wir leben im 21. Jahrhundert und wenn Shakespeare heute leben würde, hätte er sicher das ein oder andere Schimpfwort in seine Stücke eingebaut. Das schien ihnen zu gefallen. Ich schätze, sie mochten es, dass ich keine Spur nervös war und keine Furcht hatte, mich zum Narren zu machen, sondern meinen eigenen Kopf habe. Ich wusste nicht, was ich tat, ehrlich gesagt. Aber sie haben mich engagiert! (lacht)

Und Ihre Freundin?
Wurde nicht genommen. Wir haben uns dann auch kurz darauf getrennt … (lacht)

Lange waren Sie vermutlich nicht einsam – Ihre Kolleginnen sagen, Sie seien ein Frauentyp.
Wie bitte? Wer war das? Gott, ich werde glatt rot! Wie soll man auf so etwas antworten, ohne eitel und überheblich zu klingen? Aber na gut: Da ich eine Schwäche für Frauen habe, bin ich wohl auch ein Frauentyp – Sie haben mich ertappt!

Wie muss eine Frau sein, um Ihr Interesse zu wecken?
Mist, noch so eine Frage! Können wir nicht lieber über Explosionen im Kino sprechen? (lacht) Aber gut: Ich stehe auf Frauen, die mich zum Lachen bringen und im Zaum halten können. Ich habe einen ungewöhnlichen Job und bin privat ein wilder Typ, der gern mit den Jungs loszieht, um Spaß zu haben. Da brauche ich keine Freundin, die nägelkauend zu Hause wartet, sondern erwachsen und entspannt ist und mir am nächsten Morgen sagt, dass ich meine verdammten Klamotten vom Boden räumen soll.

Also stehen Sie auf Selbstbewusstsein?
Grundsätzlich. Bei Freundinnen ebenso wie bei Leuten, mit denen ich arbeite. Ich bin kein Hollywood-Bürschchen, das Geduld für die Lindsay Lohans dieser Welt hat oder vor Freude am liebsten masturbieren möchte, nur weil seine Visage auf der Titelseite einer Zeitschrift prangt. Ich bewundere Willensstärke und Integrität – und da ich bereit bin, viel zu investieren, erwarte ich auch viel. Während ich „Avatar“ drehte, zerbrach zum Beispiel eine Beziehung, weil die Frau nicht damit klarkam, dass ich über ein Jahr lang jeden Tag 16 Stunden auf meine Rolle konzentriert war. Nachvollziehbar. Trotzdem traf mich das damals schwer und ich erreichte einen persönlichen Tiefpunkt. Doch statt mich zum Heulen in meine Garderobe zurückzuziehen, bat ich den Regisseur, zuerst Szenen mit mir zu drehen, die zu meiner düsteren Stimmung passten. Ich fühlte mich schlecht – aber ich wollte das wenigstens für den Film nutzen, denn man kann auf Kommando nie so depressiv sein wie im normalen Leben. (lacht)

Sind Sie derzeit in festen Händen?
Ja, ich habe meiner Agentur die Sekretärin geklaut.

Und kommt sie mit Ihrem Lebenswandel klar?
Absolut. Sie versteht meine Leidenschaft für meinen Beruf, anstatt ihn als Konkurrenz zu sehen – und sitzt vorzugsweise hinter dem Monitor, wenn ich drehe, um mir danach zuzuflüstern, dass ich mich gefälligst mehr anstrengen soll. (lacht) Sie ist auch Australierin, das passt einfach am besten zusammen.

Leben Sie eigentlich in Australien oder in Los Angeles?
Ich lebe nirgendwo und von mir aus kann das auch so bleiben. Als ich etwa 30 war, sah ich mich in meiner Wohnung um und fragte mich: Ist das der Krempel, der mich definiert und womöglich festhält? Ich brauchte einen Neustart. Also organisierte ich eine Auktion unter Freunden und verkaufte alles, was ich besitze. Seither bin ich ein Zigeuner.

Roland Huschke