Rupert Everett im OK!-Interview

Abrechnung mit der Traumfabrik

Madonna zählt zu seinen besten Freundinnen und mit Julia Roberts hat er "Die Hochzeit meines besten Freundes" gedreht. Der 50-jährige Brite Rupert Everett kennt sie alle, hat mit den größten Stars gefeiert. In seiner Autobio

"Rote Teppiche und andere Bana­nenschalen" heißt der autobiografische Bestseller von Rupert Everett, der jetzt auch in Deutschland erscheint. Darin erzählt der bekennende Homosexuelle unter anderem, dass es sich Sharon Stone zum Ziel gemacht hatte, ihn in nur fünf Minuten "umzupolen" – und andere unglaubliche Geschichte

Mr. Everett, Sie haben unfassbar viel erlebt. Allen die Anzahl der Toten in Ihren Memoiren ist auffällig. Wie haben Sie das bisher verkraftet?

Ich denke, dass das an meiner klassischen britischen Erziehung liegt. Wenn man im Alter von sieben Jahren von der Mutter getrennt wird und ins Internat kommt, dann stirbt in dir irgend­etwas. Auf diese Art wurde ja auch das alte Empire betrieben: Die Jungs wurden mit sieben Jahren in die Schulen gesteckt und später, wenn sie dann in einer der Kolonien Dienst getan haben, hatten sie keine Gefühle mehr. Keine Sympathie, kein Mitgefühl.

Trotz aller Exzesse findet man in Ihrem Buch kein Kapitel, das in einer Entzugsklinik spielt. Warum?
Sie haben recht, das fehlt. Und das, obwohl der Besuch einer Entzugsklinik schon fast zum Standard der High Society gehört. Aber ich war leider nie in einer drin, deshalb kann ich darüber auch nicht schreiben. Ich glaube auch nicht, dass ich als Patient viel Spaß hätte. Ich kann auch Psychotherapien nicht leiden.

Warum nicht?
Weil sie langweilig sind.

Sie schreiben in Ihrem Buch über Madonna, Sharon Stone oder Julia Roberts. Gibt es etwas, dass alle gemeinsam haben?
Sie sind alle sehr stark. Das Showgeschäft ist eine sehr ­maskuline Welt, die es jungen Frau­en schwermacht. Also muss man als Frau sehr männlich werden – das haben alle weib­lichen Superstars gemeinsam.

Für Ihre Karriere war es mit Sicherheit ein Nachteil, dass Sie 1989 als schwul geoutet wurden, oder?
Ganz ehrlich: Es ist nicht gut, ein schwuler Schauspieler zu sein. Das ganze Geschäft ist hetero! Aber seit 30 Jahren habe ich überlebt. Das ist das Wichtigste: überleben.

Sie haben kürzlich den Wunsch geäußert, mal Sex mit einem ostdeutschen Skinhead zu haben. Ist der schon erfüllt worden?
Leider noch nicht. Ich war kürzlich in Templin, da hat es nicht geklappt. Vielleicht demnächst in Leipzig.

Schreiben oder spielen – was befriedigt Sie mehr?
Für mich ist es immer noch das ­Befriedigendste, gar nichts zu tun.

Wie gehen Sie mit dem Ruhm um?
Man muss lernen, loszulassen. Sich selbst, die Branche. Nach dem buddhistischen Prinzip: einatmen, ausatmen, loslassen.

Daniel Schoeps / T&T