Kiefer Sutherland mit OK! im Gespräch

'Ich stehe zu meinen Fehlern'

Kiefer Sutherland ist neben der Schauspielerei vor allem durch Alkoholexzesse, Trunkenheit am Steuer, Prügelattacken auf Fotografen bekannt. Der Druck, ständig in der Öffentlichkeit zu stehen, macht dem bestbezahlten Serien­held der

Seit acht Jahren macht er als Agent Jack Bauer im Fernsehen Jagd auf gefährliche Terroristen. Während in Deutschland gerade die siebte Staffel der Kult­serie "24" zu sehen war, fiebert das US-Publikum ab Januar der achten Staffel entgegen. Die riesige Fangemeinde lauert auf jede neue Wendung, die die Ermittlungen der fiktiven amerikanischen Anti-Terroreinheit CTU ergeben. Und so scheint sich der Schauspieler Kiefer Sutherland, 43, von seinem Serien-Alter Ego Jack kaum noch zu unterscheiden. Würden da nicht immer wieder private Eskapaden des Superstars bekannt ...

Sie haben vieles durchgemacht: Alkohol am Steuer, Gefängnisaufenthalt. Mehr Drama geht nicht, oder?
Stimmt. Ich habe durch diese negativen Erfahrungen in meinem Leben aber auch sehr viel ­gelernt. Man darf die Gegebenheiten des Lebens, all die schönen Seiten, nicht als selbstverständlich ansehen. Denn schon morgen kann alles vorbei sein. So komisch sich das anhört, ich habe Ehrfurcht entwickelt.

Wie gehen Sie normalerweise mit Krisen um?
Ich arbeite. Die Arbeit ist mein Therapieersatz. Deshalb bin ich ja auch sehr dankbar, eine Serie wie "24" zu machen. Es ist eine konstante Arbeit, der ich nachgehen kann. Ich denke, dass ich ein Typ bin, der diese Regelmäßigkeit braucht.

Was bedeutet Familie für Sie?
Sie ist mir schon immer sehr wichtig gewesen. Unser Zusammenhalt sorgt dafür, dass ich nicht abhebe. Wenn ich an meine Familie denke, wird mir immer klar, wofür ich all das tue. Und als alles schief ing, haben mich alle unterstützt.

Besonders Ihr Vater Donald war immer eine große Stütze für Sie. Oder täuscht dieser Eindruck?
Mein Vater hat immer zu mir gestanden. Er war und ist immer für mich da. Natürlich tut dieser Halt gut. Besonders, wenn es mal nicht so gut läuft. Dafür werde ich ihm ewig dankbar sein.

Er hat erzählt, dass er stolz auf Sie ist, weil Sie sich Ihrem Schicksal ohne Murren gefügt haben …
Wenn man Mist baut, dann muss man auch zu diesen Fehlern stehen. Das gehört nun mal zum Leben dazu.

Sie haben oft davon gesprochen, dass Sie nicht nur aus den guten, sondern auch aus den schlechten Erfahrungen gelernt haben. Bleiben Sie dabei?
Absolut. Denn das Leben kann sich von einer Sekunde zur nächsten verändern. Man muss es so nehmen, wie es kommt und einfach jeden Moment genießen. Das habe ich zu meinem Mantra gemacht.

Diese Gelassenheit merkt man Ihnen an. Sie wirken sehr bodenständig, machen nie einen abgehobenen Eindruck …
Ich bin kein Mensch, der seinen Status ausnutzt oder wie ein Schild vor sich herschiebt. Ich arbeite hart, habe Erfolg und Misserfolg kennengelernt. Ich glaube, heute sagen zu können, dass ich mitten im Leben stehe. Arroganz passt einfach nicht zu mir. Das überlasse ich anderen.

Sehen Sie sich gern selbst bei der Arbeit?
Nein, und ich falle damit wohl ein bisschen aus dem Rahmen. Ich gucke mich auch nicht im Fernsehen oder Kino an. Ich betrachte mich nicht unbedingt als einen Künstler und ­stolziere auch nicht selbstverliebt durch die Welt. Ich fühle mich eher wie ein Handwerker, der nur seine Arbeit verrichtet.

Sie arbeiten mit Hochdruck an der achten "24"-­Staffel. Macht Ihnen der Job immer noch Spaß?
Zu behaupten, die Dreharbeiten wären jeden Tag ein Vergnügen, wäre Blödsinn. Sie sind Alltag geworden. Aber in dieser Alltäglichkeit steckt eine große Herausforderung für mich und das Team. Wir erleben da ein ständiges Auf und Ab.
Sie haben die Figur des knallharten Agenten Jack Bauer nicht auch mal satt?
Es gibt Szenen, auf die man sich freut, weil man denkt, dass alles glattläuft. Doch plötzlich geht alles schief und man muss von vorn anfangen. Das nervt. Dann gibt es Zeiten, in denen unverhofft alles super funktioniert, obwohl man vorher nicht daran geglaubt hat. So ist ständig alles in Bewegung und dafür liebe ich meinen Job.

Gibt es Eigenschaften, die Sie mit Ihrem Seriencharakter gemein haben?
Klar! Ich renne zwar nicht draußen rum und knalle Leute ab. (lacht) Aber Jack hat sehr starke moralische Grundsätze, und ich finde, dass wir uns da sehr ähnlich sind. Er weiß in jeder Situation sofort, was zu tun ist. Diese Fähighkeit hätte ich auch gern.

Zwicken Sie sich eigentlich manchmal, um sich zu vergewissern, dass Ihr Erfolg echt ist?
Jeden Tag! Schon 1986 dachte ich nach „Stand by me – Das Geheimnis eines Sommers“ ans Ende meiner Karriere. Es ist ein großes Geschenk, dass ich so lange im Geschäft geblieben bin.

Wie haben Sie es geschafft durchzuhalten?
Man darf nie aufgeben. Wenn du auf die Nase fällst, steh wieder auf. Das Leben kann hart sein, wenn du dein Selbstvertrauen verlierst. Aber mit jeder verpassten Chance öffnet sich eine neue Tür.

Alex von Roon