Hugh Grant im OK!-Interview

Der Schauspieler über Ehe und Alter

Sein neuer Film „Haben Sie das von den Morgans gehört?“  hat ihn wieder richtig gereizt. Vor allem, weil die Geschichte von Paul und Meryl Morgan da beginnt, wo die meisten romantischen Komödien enden. Wie geht es weiter, wenn

Der Brite erklärt uns, warum er noch solo ist und was zwischen Männern und Frauen alles falsch läuft ...

Welches ist das größte Missverständnis zwischen Männern und Frauen?
Keine Ahnung! Aber wir sollten vielleicht das ganze Konzept von Mann und Frau überdenken, die für immer und ewig unter einem Dach zusammenleben. Diesen Lebensentwurf halte ich inzwischen für sehr schwierig.

Was schwebt Ihnen stattdessen vor?
Nehmen Sie die Menschen in der islamischen Welt: Dort wohnt die ganze Familie – Eltern, Kinder, Enkelkinder, Onkel und Tanten – zusammen. Frauen halten sich in der einen, die Männer in der anderen Hälfte des Hauses auf. Keiner kommt dem anderen in die Quere. Vielleicht ist das ja das bessere Modell? Die Kindererziehung ist auch so ein Punkt: In den islamischen Ländern kümmert sich die ganze Familie um die Kinder, nicht nur die Eltern.

Sie selbst sind bisher nicht unbedingt als großer Kindernarr aufgefallen …
Mit Kindern kann ich gut umgehen. Aber mit Babys kann ich nicht viel anfangen.

Glauben Sie, dass die fehlende Bereitschaft vieler Männer, früh Kinder zu bekommen, dazu beiträgt, dass Beziehungen heute schneller scheitern?        Es sind ja nicht nur die Männer, die nicht sofort Kinder kriegen wollen. Auch Frauen haben seltener Lust darauf, jung Mutter zu werden. Ich halte das allerdings für einen Fehler. Ich habe viele Verwandte in Schottland, wo die Leute quasi unter 50er-Jahre-Bedingungen leben. Meine Cousinen dort waren alle mit 19, 20 verheiratet. Und ich finde das gar nicht so schlecht – loszulegen  und sich einfach darauf einzulassen, bevor man alt und zynisch wird und die Ehe für eine ganz schlechte Erfindung hält.

Stichwort Ehe: Der Legende nach spielen Sie so viel Golf, dass Sie keine Zeit für die Liebe haben!
Das ist doch alles Quatsch! Ich spiele Golf, ja! Und es stimmt auch, dass ich mir nachts Golfschwünge auf Youtube.com reinziehe. Aber nur, wenn ich mal betrunken bin! (lacht)

Sie haben schon oft gesagt, dass Sie die Schauspielerei an den Nagel hängen wollen. Wann wird dieser Zeitpunkt kommen?   
Mir ist klar geworden, dass ich mich zum Narren mache, wenn ich immer wieder davon anfange. Also halte ich von jetzt an die Klappe.

Warum haben Sie dann nach Ihrem Film "Mitten ins Herz" so lange pausiert?
Ich habe zunehmend mit Lampenfieber zu kämpfen. Den letzten Film habe ich nur unter Beruhigungsmitteln durchgestanden. Ich war mir nicht sicher, ob ich das alles noch mal durchmachen wollte.

Wenn wir Sie beruhigen können: Den Cowboyhut, den Sie in "Haben Sie das von den Morgans gehört?" tragen, steht Ihnen jedenfalls gut!
Ich fand mich mit Stetson-Hut auch ziemlich sexy. Zumindest hatte ich gehofft, ich würde so rüberkommen. Aber nachdem ich jetzt den Film gesehen habe, muss ich zugeben, dass ich damit total bescheuert aussehe.

Im Rest des Films sind Sie überwiegend in Unterhose und T-Shirt zu sehen …
Sie müssen wissen, dass ich den Kostümbildnern vor Drehstart immer die Anweisung gebe, mich so auszustatten, dass ich möglichst attraktiv wirke. (lacht)

Im Film machen Sie sich über Ihren britischen Akzent lustig. Ist der in Hollywood ein Problem?
Ich bin auf jeden Fall immer noch ein Exot in Hollywood. Die Kultur ist mir fremd geblieben und Los Angeles eben eine Welt für sich. Es ist schön dort, wenn die Sonne scheint, aber das war’s dann auch.

Was denken Sie als alter Hase über den Hype um "Twilight"-Star Robert Pattinson?
Ich habe den zweiten Teil noch nicht gesehen, aber ich verstehe die Faszination, die von Robert ausgeht. Ich finde ihn ziemlich sexy!

Haben Sie einen Tipp für ihn und seine Kollegen, wie sie mit dem Ruhm umgehen sollen?
Alles hängt jetzt davon ab, welches Projekt sie als Nächstes angehen. Mein Ratschlag: Hört nie auf euren Agenten! (lacht)

Gibt es eine Rolle, von der Sie noch träumen?
Ich träume nicht von Filmprojekten. Ich würde mir höchstens wünschen, dass ich endlich mein Buch fertigbekomme.

Worum geht es in Ihrem Buch?
Es ist ein Roman und ich arbeite schon beschämend lange daran. Drei Jahre mindestens.

Warum brauchen Sie dafür so lange?
Ich bin faul! Jedes Mal, wenn ich die Arbeit eine Weile ruhen lasse, habe ich Angst, dass ich nicht wieder reinfinde oder dass mir das bisher Geschriebene nicht mehr gefällt.

Kati Degenhardt