Leonardo DiCaprio im OK!-Interview

'Ich bin ein einsamer Mensch'

Weichei oder Macho? Aus Leonardo DiCaprio, 35, wird man eigentlich nicht schlau. Normalerweise gibt er sich verschlossen, spricht kaum privat. Für OK! machte er eine Ausnahme und plauderte offen wie nie über seine Ängste …

Er ist Frauenschwarm, Umweltschützer, Superstar – aber trotzdem ist Leonardo DiCaprio nicht glücklich ...

In Ihrem neuen Thriller „Shutter Island“ (ab 25. Februar im Kino) spielen Sie einen Polizisten, den die Dämonen seiner Vergangenheit an den Rand des Wahnsinns treiben. Was sind Ihre größten persönlichen Ängste?
In meinem Geschäft ist nichts so gefährlich und gefürchtet wie die Einsamkeit. Man dreht Filme in einem entlegenen Winkel der Welt, ist abgeschnitten von der Familie oder von Freunden. Und irgendwann steht man garantiert im Hotelzimmer, schaut in den Spiegel und stellt fest, wie allein man sich fühlt und wie weit sich das normale Leben von einem entfernt hat. Das versetzt einem schon einen Schlag in die Magengrube.

Wie gehen Sie mit solchen Einsamkeitsattacken um?
Abgesehen davon, dass meine Telefonrechnung explodiert? (lacht) In der Regel konzentriere ich mich auf meine Arbeit und schiebe jeden Anflug von Sehnsucht fix beiseite.

Könnten Sie nicht einfliegen lassen, wen immer Sie wollten? Ihre Freundin etwa?
Welche Freundin? Wissen Sie, ich habe bei „Titanic“ lernen müssen, wie jedes lächerliche Detail meines Privatlebens zur globalen Schlagzeile aufgeplustert wird und fahre seither sehr gut damit, rein gar keine Spekulationen zu kommentieren. Ich kann aber sagen, dass ich niemand bin, der sich schnell verliebt.

Sie sind jetzt 35 Jahre alt – wollen Sie in absehbarer Zukunft kürzertreten und sich zum Beispiel um Nachwuchs kümmern?
(lacht) So alt, dass eine innere Uhr ticken müsste, bin ich nun auch noch nicht! Ob und wann ich Vater werde, möchte ich gern dem Schicksal überlassen. Ein Teil von mir hat einfach zu viele berufliche Pläne, um über so etwas ernsthaft nachzudenken. Doch wenn ich den Nachwuchs in meiner Verwandtschaft sehe, erscheint der Gedanke an eigene Kinder gar nicht so fern.

Wie wichtig waren Ihre Eltern für Ihre berufliche Laufbahn?
Ohne sie säße ich nicht hier. Und ich treffe bis heute keine wichtige Entscheidung, bevor ich nicht die Einschätzung meiner Eltern gehört habe. Es war meine Mutter, die einst auf die Wünsche eines Zwölfjährigen hörte, der Schauspieler werden wollte, und die mich jahrelang klaglos von einem Casting-Termin zum nächsten fuhr. Und mein Vater hat mich immer auch in geschäftlichen Angelegenheiten beraten.

Machen Sie sich generell viele Gedanken über die Zukunft?
Ich würde es sogar als eine meiner eklatanten Schwächen bezeichnen, dass ich zum Beispiel Rollenentscheidungen ewig lange hin und her wälze und wegen dieser Zögerlichkeit viel Zeit verschwende. Andererseits lief es bisher ganz ordentlich und vielleicht brauche ich diese Unruhe, um zu funktionieren. (lacht)

Und seit Neuestem sind Sie auch noch Hollywoods größter Umweltschützer …
Dieses Interesse entwickelte ich sogar noch vor der Schauspielerei, denn als Kind war ich so gern im Ozean, dass die Meeresbiologie mein erster Berufswunsch war. Dazu hat es leider nicht gelangt. Aber mein Interesse am Umweltschutz ist zweifellos so ausgeprägt, dass es als inoffizieller Zweitjob gelten könnte.

Verhalten Sie sich auch im Alltag so vorbildlich? Trennen Sie den Müll?
Ja, und ich habe Solarstrom und fahre außerdem ein umweltbewusstes Auto. Früher war es ein Hybrid – und zwar der Toyota ­Prius – aber jetzt habe ich den Tesla entdeckt: ein genialer Rennwagen mit Elektroantrieb …

Halten Sie sich eigentlich für einen echten Mann?
Ja, und zwar insofern, als dass ich für meine Handlungen die alleinige Verantwortung übernehme. Ich schiebe niemandem etwas in die Schuhe. Und ich habe mich daran gewöhnen müssen, Entscheidungen zu fällen. Mehr, als ich je gedacht hatte.

Aber wie hart können Sie sein? Wann haben Sie sich zum letzten Mal mit jemandem geprügelt?
Oh, das ist lange her. In meiner Jugend habe ich viel Gewalt gesehen, weil ich in einem ziemlich harten Stadtteil aufgewachsen bin, wo die Dealer an den Straßenecken standen. Und in meiner Schule gab es diverse Gangs. Vereinzelt hat man mich mal verprügelt und ich versuchte mich zu wehren, aber das hielt sich in Grenzen. Es war nicht so, dass ich die ganze Zeit in Anspannung gelebt hätte. Ich habe auch nie versucht, mir Muskeln anzutrainieren, um mich besser schlagen zu können.

Sind Sie – um mit Michael Jackson zu sprechen – ein Lover oder ein Fighter?
Na ja, ich kann natürlich kämpfen. Aber wenn ich mich entscheiden muss, dann ein Lover. Es geht nichts über die Liebe.

Roland Huschke / Michael C. Lester