Bushido im Gespräch mit OK!

Wie krass ist der Rapper wirklich?

In den Medien wird er als frauen- und schwulenfeindlich bezeichnet, seine Songtexte seien jugendgefährdend, gewaltverherrlichend, gar rechtsradikal. Sogar wegen Körperverletzung wurde Bushido verurteilt. Umso erstaunter sind wir, als wir zum

Eins muss man ihm lassen: Elyas M’Barek, 27, ist mutig! In „Zeiten ändern Dich“ (jetzt im Kino) spielt er den jungen Anis Mohamed Ferchichi – besser bekannt unter dem Namen Bushido. Von dem 31-jährigen Rapper weiß man aus Schlagzeilen und seiner Biografie, dass er so ziemlich alles ist, nur nicht Everybodys Darling.

Muss man als Frau Angst vor Ihnen haben?
Bushido: Nur, weil meine Texte krass sind, muss man sich ja nicht gleich vor mir fürchten!

Sie sind als Gangster-Rapper bekannt geworden. Doch irgendwie hat man das Gefühl, dass Sie in der letzten Zeit zahmer geworden sind …
Bushido: Ich war schon immer so, wie ich jetzt hier sitze. Ich kann auch ein Miesepeter oder Mistkerl sein, wenn es darauf ankommt. Dass mir irgendwann etwas angedichtet wurde – wozu ich natürlich meinen Beitrag geleistet habe –, ist klar. Aber ich habe dieses Image nicht nur, weil ich bestimmte Ausdrücke in Texte packe, jemanden verprügelt und erzählt habe, dass ich schon mit 700 Frauen im Bett war. Das ist kein Image, sondern mein Leben. Ich liebe das und ich lebe das.  

Was glauben Sie – stehen Frauen auf Bad Boys?  
Bushido: Das müssen Sie beantworten …

Vielleicht, weil die interessanter sind als Softies?
Bushido: Am Ende des Tages wollen Frauen einen Mann, der sie versteht, respektiert und akzeptiert mit ihren kleinen Fehlern. Wenn eine Frau länger mit einem Mann zusammen sein will, braucht sie einen Softie. Aber es gibt Momente, da will sie was anderes. Dafür bin ich dann da! Ich würde mal sagen, dass die Hälfte der Frauen, mit denen ich, sagen wir mal, körperlichen Kontakt hatte, zu dem Zeitpunkt -liiert waren.

Aber dass es 700 waren, ist doch ein Mythos, oder?
Bushido: Vielleicht waren es ein paar mehr oder weniger. Rechne mal: 50 aufs Jahr, das sind 4 im Monat.

Das ist ja echt wenig...
Bushido: (grinst) Echt! Vier Frauen schafft man am Wochenende. Meine Touren waren echt krass. Da habe ich mich ich echt über meine Ausdauer gewundert. Und dann noch die ganzen Bordellbesuche…

Moment: Wieso müssen Männer ins Bordell gehen, wenn sie genug Auswahl haben?
Bushido: (grinst) Das ist ein Trieb, den man nicht abstellen kann. Das ist wie essen!
Und es geht im Bordell ja auch nicht darum, dass man sonst keine abkriegt, sondern dass man für Geld die Frau haben kann, die man möchte. Man entscheidet sich im im Bordell ja nicht für eine Frau wegen ihrer Aufgeschlossenheit oder ihrer netten Art. Da geht’s nur um das Äußere. In der Disko ist das anders: Da musst du schon nett sein. Sie muss natürlich auch gut aussehen. Wobei... ich hab nicht nur gutaussehende Frauen gehabt. Wenn man was mit Leib und Seele macht, dann nimmt man eben auch Verluste in Kauf. Wenn man besessen ist, verliert man den Überblick. (lacht)
Elyas: Also, ich muss mich streng von 700 Frauen distanzieren. Ich bin da eher romantisch!  
Bushido: Ich muss auch romantisch sein! Jede Frau hat ihr eigenes Schloss und für jedes brauchst du einen anderen Schlüssel. Kannst ja nicht zu jeder gehen und sagen: Lust auf Sex? Bei manchen klappt das. Die haben dann aber auch ein entsprechendes Niveau … Ich hatte schon Frauen im Bett, da wären andere Männer wirklich neidisch. Aber da bin ich wie eine gute Prostituierte und schweige. (grinst)

Was ist für Sie denn romantisch?
Bushido: Ich lade Frauen generell ein. Weil ich ein Mann bin. Ich könnte es nie ertragen, nach einem Restaurantbesuch zu sagen, dass sie zahlen soll. Da würde ich mir vorkommen, als ob man mir was abschneidet. Es gibt aber auch Frauen, die wollen keine Romantik, weil sie das schon zu Hause haben. Die sagen nur: Ey, mach das jetzt …

Es heißt aber doch, Sie sind seit zwei Jahren glücklich liiert und treu …
Bushido: Treu bin ich immer. Wenn es eine Frau geben sollte, die ich respektiere, dann sind die anderen Sachen für mich passé. Und wenn es diese bestimmte Frau seit zwei Jahren gibt, dann habe ich aber immer noch 29 Jahre gehabt, von denen ich 14 Jahre was mit anderen Frauen hatte. Ganz ehrlich: Ich habe mehr Respekt vor Bankräubern als vor Typen, die mit vielen Frauen im Bett waren. So schwer war das nicht!

Keine Lust auf Heiraten und Familie?
Bushido: Doch, klar. Was soll ich denn jetzt noch machen? Ich hab zwei Millionen Platten verkauft, zig Preise bekommen, ein Buch geschrieben, einen Film gemacht, Sex gehabt. Der logische Schritt ist jetzt: Frau finden, heiraten, Kinder in die Welt setzen und mit der Frau meinen Lebensabend verbringen.

Gibt’s sonst noch Ziele, die Sie haben?
Bushido: Politik würde mich reizen! Ich glaube, dass ich der Politik wieder mehr Seriosität verschaffen könnte. Wenn ich Bürgermeister von Berlin werden würde, das wäre super. Und es ist mein Traum, Bundeskanzler zu werden! Wenn Guido Westerwelle Außenminister sein kann, werde ich irgendwann Bundeskanzler und Deutschland wieder mehr Ansehen in der Welt verschaffen.

Ein Rapper als Kanzler …
Bushido: Ich möchte niemals nur mit dem Rap-Ding in Verbindung gebracht werden. Weil ich mich mit dem deutschen Rap nicht so sehr identifiziere.  

Aber das ist doch genau das, was Sie machen?
Bushido: Ich kann ja nichts dafür, dass es andere Idioten auch machen. Es liegt an mir, mich zu definieren oder die Nation von mir zu überzeugen. Jetzt bringe ich den Leuten mit dem Film mein Leben näher, ohne mich aber vor andere Rapper zu stellen.  

Findet denn kein anderer deutscher Rapper Gnade vor Ihren Augen?

Bushido: Nein! Rap ist so ein kleiner Teilbereich. Ich will meinen eigenen Horizont damit gar nicht beschänken. Also denke ich nicht nur an Rap, sondern mache die Augen auf und gucke mir die Welt an. Ich gucke mir allgemein lieber das Leben an, als dass ich mir eine anderes Rap-Album anhöre.

Sind Sie und Sido sich eigentlich immer noch spinnefeind?
Bushido: Ganz ehrlich? Ich habe fast jeden deutschen Rapper aus meinem Leben verbannt. Das liegt aber natürlich auch daran, dass mir nach der Krankheit meiner Mutter einfach ganz andere Sachen wichtig geworden sind. Ich kann meine Zeit gar nicht mit Sido und mit Rapper X verschwenden. Die sind einfach zu unwichtig. Mir ist es heute wichtiger, ob es meiner Mutter gut geht und ob ich ihr vielleicht nachher was mitbringen kann. Das ist wichtiger, als jemanden zu beleidigen. Das heißt nicht, dass ich handzahm geworden bin, ich würde trotzdem noch jemandem die Meinung geigen, wenn er mir blöd kommt...

...aber das Wertesystem hat sich verändert...

Bushido: Genau!  

Ihre Mutter ist vor drei Jahren an Krebs erkrankt. Was war das für ein Gefühl, als Sie von der Diagnose erfahren haben?
Bushido: Das war, als ob man gekidnappt wird oder bei einem Banküberfall dummerweise gerade in der Bank steht. Keiner fragt dich, ob du das wirklich willst...

Und was hat Ihnen geholfen, diese Zeit zu überstehen?
Bushido: Die Erkenntnis, dass es Teil des Lebens und deines Schicksals ist. Also musst du versuchen, es zu akzeptieren und durchzustehen – egal wie es endet. Meine Mutter hat alles relativ unbeschadet überstanden und ist hoffentlich auf dem Weg der Besserung. Aber vor drei Jahren war klar, dass ich die Verantwortung in der Familie habe und nicht einfach den Kopf in den Sand stecken kann. Was mir wahnsinnig geholfen hat, waren Freunde, mein Bruder, der Glaube an Gott und meine finanziellen Möglichkeiten. Ich konnte meine Mutter gleich in eine Privatklinik fliegen lassen. Das hilft natürlich.

Haben Sie sich deshalb in der Zeit zwei Hunde zugelegt? Als Ablenkung?

Bushido: Die beiden Labrador-Welpen habe ich im Mai 2008 gekauft. Die waren damals acht Wochen alt und passten in jeweils eine Handfläche. Und das war so, als ob man einen kranken Jungen zur Delfintherapie schickt! Tiere haben einen ganz eigenen Einfluss auf dich und deine Psyche und deine Person. Die haben keine schlechte Laune oder ein gekränktes Ego, wenn man mal einen Tag nicht angerufen hat. Tiere wollen essen und Liebe bekommen und geben dann ganz viel Liebe zurück. Das tut gut.

Im Film gibt es eine Szene, in der Sie Ihre Ex-Freundin schlagen. War das der einzige †¨Ausrutscher in Ihrem Leben?  

Bushido: Ich war in Rage und habe ihr eine Ohrfeige gegeben. Ich fand es schon ätzend, als das passiert ist. Frauen schlägt man nicht. Und ich habe mich mit genügend Typen geprügelt, da muss ich keine Frau schlagen. Da müsste ich mich ja verstecken.

Haben Sie diese Ex-Freundin jemals wiedergesehen?

Bushido: (lacht) Habe ich! 2005. Da hat sie mir erzählt, wie blöd sie mich findet und dass Bushido echt Mist ist und sie alles verabscheut, wofür ich stehe. Ich solle mal was Vernünftiges machen. Also, ich bin jetzt nicht eitel, aber das hab ich schon als beleidigend empfunden.

Kommt sie zur Premiere von „Zeiten ändern dich“?

Bushido: Nein! Die Chance ist vorbei! Mittlerweile bin ich so ein guter Fang, die kann nicht einfach vorbeikommen und sagen: Hier bin ich!

Wie fängt man Sie denn?
Bushido: Indem man auf keinen Fall die gewisse Ex-Freundin ist. Ansonsten bin ich wie jeder andere Mann auch offen und empfänglich für alles. Wenn eine Frau ernst und seriös vor mich tritt und etwas an sich hat, was auch noch liebevoll ist, dann kann man schonmal denken: Hey, ich habe meine Traumfrau getroffen.

Was war das eigentlich für ein Gefühl, als Sie Ihren Film das erste Mal gesehen haben?
Bushido: Es war cool! Ich hatte einen Kloß im Hals, habe zwischendurch mitgefiebert oder laut gelacht, dann war ich auch stolz. Beim Abspann konnte ich auch gar nicht reden, weil ich stolz und auch berührt war. Und gerade ich: Ich bin jemand, der alles alleine macht, weil ich sehr überzeugt bin von mir. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Elyas so sehr akzeptiere. Das ist nichts gegen ihn. Aber für mich ist alles, was ich nicht selber mache, erstmal uncool.

Was war beim Drehen der härteste, emotionale Moment?

Bushido: Ich glaube, als ich im Film zu meinem Vater fahre, um mich mit ihm auseinanderzusetzen. Allgemein waren alle Szenen, die mit meinen Eltern zu tun haben, diejenigen, die mich am meisten mitgenommen haben. Der Film spielt zu 80 Prozent in der Vergangenheit und es ist was anderes, an seine Vergangenheit zu denken oder sich das alles nochmal anzugucken, wenn andere Leute das darstellen

Eins noch: Es kursiert das Gerücht, Sie würden die Musik von Roxette mögen …
Bushido: Ich mag eigentlich alle alten Lieder von denen!
Elyas: Die waren super und das war genau unsere Zeit! Und die Songs waren auf allen „Kuschelrock“-CDs. (lacht)
Bushido:  Also, die hatte ich nicht! Damals hatte ich noch kein Geld, um mir CDs zu kaufen. Aber heute habe ich in meinem Rechner neben Eminem und Rammstein auch Roxette, Elton John oder Depeche Mode.

Na ja, das traut man einem Bad Boy, dem die Frauen zu Füßen liegen, aber nicht zu …
Bushido: (lacht) Na ja, das stimmt ja auch! Aber das eine schließt das andere ja nicht aus!  
 
Kathrin Kellermann