Ronan Keating im OK!-Gespräch

Sein bewegendes Interview

Wie viel Trauer kann ein Mensch ertragen? Er verlor seine Mutter, als er gerade 20 war. Und im letzten Jahr starb völlig überraschend sein guter Freund und Boyzone-Bandkollege Stephen Gately, † 33, an einem Lungenödem. Mit OK! spr

Seit dem Tod seines Freundes Stephen Gatelyist im Leben des Sängers nichts mehr, wie es war.

Wie haben Sie das vergangene Jahr überstanden?

Es war wahrscheinlich das härteste, das ich bisher erlebt habe. Als Stephen im Oktober starb, sah ich die Welt nur noch verschwommen, wie in einem seltsamen Nebel. Vor Weihnachten graute mir richtig. Ich habe einfach nur gehofft, dass es möglichst schnell vorbei ist, um im neuen Jahr einen Neustart zu machen. Ich habe außerdem wahnsinnig viel gearbeitet und bin jetzt sehr erschöpft.

Aber es war doch wahrscheinlich sehr heilsam für Sie, sich in die Arbeit zu stürzen, um Stephens Tod zu verarbeiten, oder?
Auf jeden Fall, denn ich konnte mich so ablenken. Aber ich glaube, der wahre Segen für mich war die Tatsache, dass Stephen noch an meinem Weihnachtsalbum mitgearbeitet hatte. Er ist auf "Little Drummer Boy" zu hören. Er hört sich in diesem Duett an wie ein Engel. Mir kommt es vor, als singe er seinen Teil aus dem Himmel – unglaublich.

War das Schlimmste an seinem Tod, dass er so plötzlich kam?
Ja. Als bei meiner Mutter Marie Krebs diagnostiziert wurde, wussten wir, sie wird nicht mehr lange leben, die Ärzte sprachen von drei Monaten. Aber wenn du weißt, dass ein geliebter Mensch todkrank ist, bereitest du dich darauf vor. Aber als „Steo“ starb, traf es mich mitten ins Herz. Freitagnacht hatte ich noch mit ihm gesprochen. Und Samstagmorgen war er tot. Irgendwie denke ich immer noch, er ruft mich gleich an oder steht plötzlich wieder vor meiner Tür. Ich bin immer noch ganz betäubt.

Sie haben dann die Freunde und Bandmitglieder über seinen Tod informiert?
Ich habe alle angerufen. Und, glauben Sie mir, es war grauenhaft. Diese Situation werde ich nie im Leben vergessen. Mein Gott, ich kriege jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke, denn es war der reinste Horror.

Sie waren auch durch den Tod Ihrer Mutter nicht auf die Situation vorbereitet?
Nein, das war etwas ganz anderes. Der Tod meiner Mutter war der schlimmste Verlust, den ich bisher in meinem Leben erlitten habe. Und bis heute versuche ich, ihn zu verarbeiten. Ihr Tod war ein Moment, der mein Leben in seinen Grundfesten verändert hat.

Wie wird es nach Stephens Tod mit "Boyzone" weiter gehen?
Ich habe keine Ahnung. Wir versuchen, das gerade selbst herauszufinden. Erst einmal kommt am 8. März unser fantastisches neues Album. Und ich freue mich sehr, dass Stephen auf unserer ersten Single zu hören sein wird. Der Song heißt "I Gave It All Away", Mika hat ihn für uns geschrieben. Auf diese Weise haben wir Stephen irgendwie noch bei uns.

Werden Sie auch ohne ihn auf Konzert-Tour gehen?
Ich weiß nicht, ob wir das wirklich wollen. Ich bin jetzt erst einmal auf Solo-Tour. Dann erscheint das Boyzone-Album. Wir machen Schritt für Schritt und tasten uns an die Sache heran. Im Moment kann ich es mir noch nicht vorstellen. Wir waren doch immer fünf …

Wird Ihre Solo-Tour ein Familien-Ausflug? Sind Ihre Frau Yvonne und die Kinder dabei?
Yvonne besucht mich, aber ohne die Kinder. Die würden einfach zu viel Schule verpassen.

Wie sehr vermissen Sie die Familie, wenn Sie unterwegs sind?
Das ist für mich der schwierigste Teil einer Tour: so lange von meiner Familie getrennt zu sein. Diesmal spiele ich auch in Australien und Neuseeland. Ich werde meine Frau und die Kinder drei Wochen lang nicht sehen. So lange war ich bisher noch nie von ihnen getrennt.  

Sie sind jetzt seit über 11 Jahren glücklich ver­heiratet. Wie haben Sie sich in Yvonne verliebt? War es Liebe auf den ersten Blick?
Irgendwie schon. Als ich sie das erste Mal traf, war ich 13 Jahre alt und sie hat mich sofort umgehauen. Daraus wurde eine Freundschaft, aber heimlich war ich sehr in sie verliebt und wusste: Das ist die Frau, die ich will. Ich habe meine Traumfrau gefunden, sie später geheiratet und wir haben gemeinsame Kinder – mehr kann sich ein Mann doch gar nicht wünschen, oder? Und obwohl wir nun seit über 11 Jahren verheiratet sind, wird unsere Beziehung immer schöner. Ich begehre und umwerbe sie wie am ersten Tag. Ich denke, die Leidenschaft ist ein wesentlicher Teil unserer glücklichen Ehe.

Wie haben die Kinder Ihr Leben verändert?
Ich sehe alles aus einer ganz anderen Perspektive. Und ich bin viel vorsichtiger geworden. Im Auto schnalle ich mich als Allererstes an. Und wenn ich fliege, denke ich ständig: Bitte, lieber Gott, lass uns so schnell wie möglich wieder auf sicherem Boden landen.

Worauf sind Sie in Ihrem Leben am meisten stolz?
Auf die Kinder! Und es gibt kein schöneres Gefühl, als als Vater nach Hause zu kommen und in die strahlenden Gesichter deiner Kinder zu sehen. Das ist pure Magie.

Das klingt sehr erwachsen.
Ja, ich fürchte, ich bin erwachsen geworden. So ist das, wenn du Vater wirst. Es dreht sich nicht mehr alles um dich. Und ich glaube, ich habe ein dickeres Fell bekommen. Ich bin stärker als früher. Und das habe ich vor allem meiner Frau zu verdanken. Früher war ich der Softie in der Beziehung und sie konnte ganz schön hart sein. Inzwischen haben wir uns in der Mitte getroffen.

Und ist der Softie auch für die Hausarbeit zuständig?
(Lacht) Ich koche das Abendessen, ich putze das Haus, bringe den Müll raus, kaufe ein.

Wie lässt sich das denn mit Ihrem Image als Sexsymbol vereinen?
Wenn ich wieder in eine dieser "Sexiest Man"-Listen gewählt werde, kann ich nur herzlich darüber lachen. Aber noch mehr amüsiert sich meine Frau darüber. Denn sie ist schließlich mit mir verheiratet und weiß, wie ich wirklich bin.

Und – wie sind Sie wirklich?
Ich weiß, ich habe ein sauberes Familienvater-Image. Aber manchmal gehe ich auch mit den Kumpels am Wochenende aus und lasse mich volllaufen wie eine Strandhaubitze.

Was sagt Ihre Frau eigentlich dazu, wenn Ihnen die Mädchen im Publikum zukreischen?
Bei uns stehen doch keine kreischenden Mädchen mehr vor der Bühne! Die sind jetzt in unserem Alter und bringen ihre Kinder mit, um ihnen zu zeigen, was sie als Teenager toll fanden. Auf der letzten Tour haben wir tatsächlich viele Eltern mit Kindern gesehen. Und das ist wirklich schön. Besonders deswegen, weil wir selbst keine Kinder mehr sind.

Des Sampson/ Florian Stern