Uma Thurman im OK!-Interview

'Hollywood wird immer härter'

Schauspielerin Uma Thurman über den erbitterten Konkurrenzkampf in Hollywood, Paparazzi-Attacken und warum sie 20 Jahre lang auf ganz bestimmte Rollenangebote warten musste.

Weltberühmt wurde sie durch ihre ­Rolle als koksende Sexbombe in "Pulp ­Fiction" und als rachsüchtige ­Amazone in "Kill Bill". Ihr neuer Film "Percy Jackson - Diebe im Olymp" (im Kino) ist jetzt ein eher harmloser Spaß für Kinder und Jugendliche. Zufall? Oder hat sich ihr schauspielerisches Interesse verändert, seitdem die 39-Jährige selbst Mutter ist? "Vielleicht unterbewusst", antwortet Uma Thurman. "Ich bin ja auch nur davon abhängig, was an Drehbüchern kursiert. Das Fantasy-Abenteuer 'Percy ­Jackson' habe ich gemacht, damit mich meine Kinder auch mal auf der Leinwand sehen können, denn ­viele meiner früheren Filme sind alles andere als j­ugendfrei …"

Was bedeutet es Ihnen, Mutter zu sein?

Ganz einfach: Ich erfahre dadurch jeden Tag die größte Liebe, die ich je gespürt habe. Es kostet viel Kraft und Nerven, doch ich möchte keine Sekunde missen.

Wissen Sie bei der Erziehung immer genau, welche Werte Sie vermitteln wollen?
Nein, ich zerbreche mir ständig den Kopf und dummerweise gibt es kein Handbuch. Es ist mir enorm wichtig, ein Vorbild zu sein. Doch ich versuche meinen Kindern immer zu erklären, dass ihre Mama auch nur ein Mensch ist.

Bekommen Ihre beiden Kinder mit, wie schwer es ist, Beruf und Familienleben miteinander zu verbinden?
Ich hoffe nicht! Sie sollen nicht mitbekommen, dass ich erschöpft oder auch mal niedergeschlagen bin. Sie brauchen das Sicherheitsgefühl, das ihnen eine stabile Mutter vermittelt, weil sie sonst selbst noch verletzlicher würden, als sie es als Kinder ohnehin schon sind.

Waren Ihnen Ihre eigenen Eltern immer ein Rückhalt?
Auf Ratschläge meiner Mutter kann ich mich auch ungefragt verlassen. (lacht) Doch ihren Rückhalt suchte ich eher selten – ich wollte lieber eigene Erfahrungen machen. Schon als junges Mädchen fühlte ich mich zu Erwachsenen hingezogen und verspürte den Drang, in die Welt hinauszuziehen. Habe ich mir Blessuren geholt und Fehler gemacht? Selbstverständlich. Doch statt eine innere Mauer hochzuziehen, begegne ich den Menschen bis heute grundsätzlich mit Vertrauen und gutem Willen.

Sie werden dieses Jahr 40 und da sind gute Frauenrollen im männer-dominierten Film-Business knapp. Betrachten Sie junge Kolleginnen
als Konkurrenz?

Ironischerweise steigt die schauspielerische Kompetenz exakt in dem Maße, in dem die oberflächliche Schönheit verwelkt. Aber es kümmert mich keine Sekunde, denn ich definiere mich nicht über meinen Job, so sehr ich ihn auch liebe.

Glauben Sie, dass Sie dem Beruf immer treu bleiben werden?
Ich kann mir nicht vorstellen, das Schauspielern jemals sattzuhaben! Zumal ich in einem Alter bin, in dem ich einfach schon die meisten Fehler gemacht habe und viel selbstbewusster auftreten kann.

Was genau läuft heute besser als früher?
Als ich jünger war, hatte ich noch nicht viel Vertrauen in meine Fähigkeiten und kompensierte das mit Ernsthaftigkeit, die mir damals regelrecht im Wege stand. Statt einfach mal Spaß zu haben, suchte ich ausschließlich nach komplexen Rollen oder zwischenmenschlichen Beziehungen. Natürlich wollte ich mich damit von dem Verdacht abgrenzen, nur eines von vielen blonden Dummchen in Hollywood zu sein. Doch ich manövrierte mich damit auch automatisch in die Grübler-Ecke und wunderte mich, dass mir 20 Jahre lang niemand eine Komödie anbot. Diese Position musste ich mir erst sehr hart erkämpfen. Aber endlich habe ich es geschafft.

Sie landen immer wieder in den Schlagzeilen. Ist das der Preis für alles, was Sie erreicht haben?
Ich bin inzwischen sehr geübt darin, auch die nervigsten Aspekte der Popularität mit einem Lächeln zu meistern. Aber ich verfluche die Erfinder der Fotohandys und Digitalkameras, weil sie den Paparazzi dieser Welt ihren Job viel zu leicht gemacht haben! (lacht)

Ist Ihnen vor diesem Hintergrund wohl dabei, durch neue Filme immer wieder ins Blickfeld zu rücken?
Kein Problem. Ich bin so oft aus der Anonymität in die Öffentlichkeit und zurück gerutscht, dass ich mich davon inzwischen nicht mehr zerrissen fühle.

Roland Huschke