Pierce Brosnan im OK!-Interview

'Meine Frau sagt, wo es langgeht'

Im OK!-Interview gerät Schauspieler Pierce Brosnan ins Grübeln. Ein ehrliches Gespräch über Macho-Gehabe, Treue und dumme Ex-Freundinnen.

Er ist so was wie der ewige ­Gentleman. Egal, ob in der TV-Serie „Remington Steele“, als James Bond oder in der Musicalverfilmung „Mamma Mia!“ – jedes Mal verfallen wir dem Charme von Pierce Brosnan aufs Neue. Ob uns der 56-Jährige im OK!-Interview auch wieder um den Finger wickeln kann?

Mit Ihrem neuen Film „Der Ghostwriter“ sind Sie wieder sehr gut im Geschäft …

(lacht) … und ich hoffe, das bleibt auch noch eine Weile so. Ich bin doch ein Mann im besten Alter. Auf jeden Fall fühle ich mich ziemlich fit und wenn ich morgens in den Spiegel schaue, sage ich immer: Du bist keinen Tag älter als 36. Und: Junge, hast du dich gut gehalten!

Sie leben mit Ihrer Familie die meiste Zeit auf Hawaii. Keine Lust auf Hollywood?
Wir genießen einfach das Leben dort. In den letzten Jahren haben sich meine Prioritäten in Richtung Familie verschoben. Ich muss mir als Schauspieler nichts mehr beweisen. Also fiel mir dieser Schritt nicht schwer.

Sie wirken sanfter und ausgeglichener als früher. Hat Ihre Frau diese Veränderung bewirkt?
Ich war eigentlich noch nie ein Macho. Machos sind Angeber. Das habe ich nicht nötig. Ich bin ganz einfach ein Mann. Ich bin stark. Ich tue das, was Männer eben machen.

Sich prügeln zum Beispiel?
Wenn es sein muss. Ich habe schon Leute verprügelt und bin selbst verprügelt worden. Ich suche zwar keinen Streit, aber man kann sich ja nicht alles gefallen lassen.     

Haben Sie sich schon einmal geprügelt, um einer Frau zu imponieren?
Das wäre sträflicher Leichtsinn. Denn oft sind die Frauen, die am aufregendsten aussehen, bei  Licht betrachtet echte Nieten. Ich weiß, wovon ich rede. Ich war mal kurz mit einem furchtbar blöden Model zusammen. (lacht)

Können dumme Frauen erotisch sein?
Erotisch ist, wenn Harvey Keitel im Film „Das Piano“ das Loch im Strumpf von Holly Hunter berührt. Erotik entsteht zuerst im Kopf.  

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?
Die Liebe.  

Liebe kann aber vergehen …
… aber dann wird aus Liebe hoffentlich etwas anderes: Vertrautheit, Freundschaft, seelische Intimität. Und dann ist man hoffentlich so intelligent, dass man nicht alles hinschmeißt, sondern diese Werte schätzt und weiterlebt.  

Flirten Sie noch – obwohl Sie verheiratet sind?
Sicher – bis zu einer bestimmten Grenze.

Haben Sie dabei eine bestimmte Masche?
Ich bin doch kein Automat, den man ein- und ausschalten kann! Charme hilft. Und gute Manieren. Viele Männer haben im Umgang mit Frauen etwas Gockelhaftes, als ob sie ständig zeigen müssten, wie toll sie sind. Frauen mögen es subtiler. Understatement ist der Schlüssel.

Haben Sie so Ihre Ehefrau für sich gewonnen?
Keely hat mich zuerst gar nicht beachtet, als wir uns damals in einem Hotel in Mexiko begegnet sind. Sie war als Umweltjournalistin dort und ich saß am Pool, als sie vorbeilief. Und ich dachte: Wow, was für eine Frau! Dabei hatte ich zu dieser Zeit gar keine Lust auf eine Beziehung. Aber dann war Keely da …

Fällt es Ihnen leicht, treu zu sein?
Absolut. Meine Familie ist wie ein Hafen für mich. Dort fühle ich mich geborgen, kann meine Batterien wieder aufladen und außerdem bin ich seit einiger Zeit hauptberuflich Vater.

Was für ein Vater sind Sie? Streng? Nachgiebig?
Ich wünsche mir natürlich, dass ich ein guter Vater bin, was immer das heißen mag. Aber ­zugegeben: Bei uns zu Hause ist meine Frau ­diejenige, die sagt, wo es langgeht. Sie ist eine sehr liebevolle Mutter, hat aber viel mehr ­Disziplin als ich.  

Was wollen Sie Ihren Kindern vor allem mit auf den Weg geben?
Dass sie geliebt werden. Dass sie gewollt sind. Dass ihnen das Leben offensteht und sie etwas daraus machen können. Und auch, dass sie Verantwortung für unsere Umwelt übernehmen müssen. Für mich ist wichtig, dazu beizutragen, dass die Welt ein besserer Ort wird.

Plagen Sie auch mal Selbstzweifel?
Gelegentlich. Dann stürze ich allerdings gleich in ein furchtbar tiefes Loch. Ich kann mich dann selbst nicht mehr leiden, finde meinen ­Beruf ­ätzend und erlebe die ganze Weltschmerz­klaviatur rauf und runter.

Was machen Sie dann?
Rausgehen. Mich am eigenen Schopf aus dem Depressionssumpf ziehen. Reisen. Aktiv werden. Wenn ich zu Hause auf Hawaii bin, schwinge ich mich aufs Surfbrett und suche die nächste Welle. Das macht den Kopf frei. Und das Herz. Ab und zu hilft aber auch ein gutes Gespräch mit Gott.

Ulrich Lössl