Nicole Kidman im Exklusiv-Interview

'Ohne Tom Cruise war ich so einsam!'

Sie sei zu cool, wirke unnahbar und steif. Die Kritiken, die sich Nicole Kidman für ihre Darstellung in dem Musicalfilm „Nine“ anhören muss, sind nicht gerade schmeichelhaft. Nur in OK! gewährt die sonst so kühle Schauspiel

Innerhalb weniger Sekunden schafft es die Oscar-Preisträgerin, ihr Image einer versteinerten Hollywood-Diva zu durchbrechen. Nicole Kidman zeigt Anflüge von mädchenhafter Schüchternheit, lacht laut und herzlich. Und überrascht mit Erzählungen aus ihrem Leben, in dem sie immer alles andere sucht als oberflächlichen Glanz …

Sind Sie zu Hause anders als in Ihren Filmen?

Ich schätze ein harmonisches Privatleben. Und ich habe sehr häusliche Eigenschaften. Ich bin zwar keine gute Köchin, aber ich habe ein Talent für Gartenarbeit, das liegt bei mir in der Familie. Ich pflanze leidenschaftlich gern Gemüse und Blumen an. Und ich mag es nicht, von meinem Ehemann getrennt zu sein, deshalb begleite ich Keith bei seinen Tourneen – oder er ist bei meinen Terminen dabei. Aber mein Leben war bisher trotzdem sehr aufregend und auch aufreibend.

Aufreibend? Sprechen Sie von Ihrer Scheidung von Tom Cruise oder von Keith Urbans Entziehungskuren?

Ich spreche von allen Prüfungen meines Lebens – etwa als meine Mutter an Brustkrebs erkrankte, aber natürlich auch von meiner Scheidung. Die hat sicher Narben hinterlassen und mich stark verändert.

Was meinen Sie damit?

Ich hatte eine sehr tiefgehende Beziehung mit Tom und es war mir bewusst, dass ich so etwas nicht so schnell wieder haben würde. Es gab danach Phasen schlimmer Einsamkeit, meine Schüchternheit hat das noch verstärkt. Ich habe mich bloß mit dem Gedanken getröstet, dass ich nicht die Einzige bin, der so was passiert. Wenn man eine intensive Liebe erlebt hat, dann ist man erst mal sehr vorsichtig. Zum Glück habe ich Keith genau in dem Moment getroffen, als ich wieder dafür bereit war. Und ich wollte auch wieder heiraten – aber nur jemanden, der mich um meiner selbst willen liebt. Die Hoffnung hatte ich nie aufgegeben.

Sie wirken oft unnahbar. Macht es das schwer, Beziehungen aufzubauen?

Ich bin jemand, der ein starkes Netzwerk von Freunden und Familie braucht. Ohne das könnte ich nicht überleben. Meine Schwester Antonia ist meine engste Vertraute – wir sind wie Zwillinge. Wir haben uns geschworen, dass nie etwas zwischen uns kommt. Und die Beziehung zu meinen Eltern ist felsenfest. Ich vermisse sie sehr, wenn ich nicht in Australien bin.

Aber das dürfte häufig der Fall sein – bei Ihrem Arbeitspensum …

Der Eindruck täuscht. Ich drehe nicht mehr so häufig. Für „Nine“ stand ich nicht mal zwei Wochen vor der Kamera. Es gab eine Zeit – das war nach meiner Scheidung von Tom – in der ich sehr viel gearbeitet habe. Aber diese Phase ist jetzt vorbei. Für mich steht meine eigene Familie jetzt im Vordergrund.

Gibt Ihnen die Schauspielerei etwa keine Erfüllung mehr?

Das schon, aber sie ist nicht mehr so wichtig wie früher. Als ich jünger war, wollte ich unbedingt die Welt erleben und ich habe ständig über das Leben nachgedacht – die Schauspielerei war da das perfekte Ventil für meine Gedanken und Fantasien. Aber jetzt habe ich eine andere ­Erfüllung gefunden. Die meiste Zeit verbringe ich mit Keith und unserem Baby. Dreharbeiten, für die ich weit verreisen muss und die mich von den beiden trennen, kommen nicht mehr infrage. Wenn ich mich zwischen meiner Familie und meiner Karriere entscheiden müsste, würde ich Letzteres sofort an den Nagel hängen. Und ­irgendwann wird das auch so weit sein.

Welche Beziehung haben Sie zu Connor und Isabella – Ihren Adoptivkindern aus der Ehe mit Tom Cruise?

Ich sehe sie so häufig, wie es geht, ob in Australien oder in den USA. Sie sollten unter keinen Umständen unter der Scheidung leiden. Sie bedeuten mir genau so viel wie meine leibliche Tochter Sunday Rose und ich will alle drei gleich gut beschützen.

Ist das bei dem Medienrummel, der Sie umgibt, überhaupt möglich?

Ich erlebe den doch nur bei Filmpremieren! Es ist wichtig, dass Sunday Rose eine normale Kindheit hat. Wenn wir zu Hause sind, bringen wir sie in ihre Spielgruppe wie andere Eltern auch. Ich verstehe es relativ gut, mich unsichtbar zu machen – die Haare hochstecken, Baseballkappe und Sonnenbrille auf. Dann werde ich meistens nicht erkannt. Keith meint allerdings immer, ich wäre viel zu groß, ich würde allein dadurch auffallen. Aber damit muss ich wohl leben … (lacht)

Ist Keith Urban der Mann Ihres Lebens?

Aber natürlich ist er das! Ich habe mir stets gesagt, dass ich nur jemanden heiraten werde, mit dem ich für immer zusammenbleiben will. Ich bin jemand, der nur intensiv lieben kann.

Michael C. Lester