Karoline Herfurth im Interview

So lenkt sie sich vom Alltagsstress ab

Sie ist gerade mal 25 Jahre alt und gehört doch schon zu den gefragtesten Schauspielerinnen in Deutschland. Seit sie als 15-Jährige auf dem Schulhof für den Film "Crazy" entdeckt wurde, hat sich Karoline Herfurth eine Bilderbuchka

In ihrem neuen Film "Vincent will Meer" verkörpert sie eine magersüchtige Frau, die zusammen mit zwei jungen Patienten aus ihrer Therapieklinik ausbricht. Zum ersten Mal, sagt sie, sei es ihr schwergefallen, einen Zugang zu ihrer Rolle zu finden. "Da war plötzlich eine Schranke in meinem Kopf. Mein Unterbewusstsein wollte sich nicht mit dieser Figur auseinandersetzen. Der Weg über ein emotionales Verstehen einer Magersüchtigen hätte mir auf Dauer zu wehgetan."

Wie reagieren Sie selbst, wenn Stress und Probleme zu übermächtig werden?
Ich fahre raus zu meinem Pflegepferd. Ihm ist es egal, was in meinem Leben passiert. Allerdings ist es unglaublich sensibel und bemerkt jede meiner Stimmungen. Ich konzentriere mich beim Reiten dann ganz auf meinen Körper. Das ist für mich wie für andere Yoga oder Ballett. Alle Gedanken, die mich ständig bewegen, können ins Unterbewusstsein abwandern und sich dort von alleine weiterbewegen.

Womit lenken Sie sich zu Hause ab?

Mit Fernsehserien, wobei ich die dummerweise immer zum Einschlafen gucke und das kann bis morgens um drei dauern. Zurzeit ist es „McLeods Töchter“ – eine schlimme Serie. Da muss jeder, sobald er glücklich ist, sterben.

Mögen Sie auch "Grey’s Anatomy"?
Nein, da passieren mir zu viele Katastrophen und ich kann danach nicht schlafen. Deshalb hatte ich mehr als zehn Jahre lang überhaupt keinen Fernseher, weil ich in Filme immer so tief eintauche, dass ich einfach keinen Abstand dazu finde. Deshalb kann ich mir auch keine Horrorfilme ansehen. Also bleibe ich lieber bei den oberflächlichen Serien, die mir emotional total egal sind. Für mich pure Erholung.

Klingt aber nach einsamen Nächten …

Nein, gar nicht. Ich mache oft Bett-Fernseh­abende mit Freundinnen. Keine Pyjamapartys mit Kissenschlacht oder so. Wir setzen uns einfach gemütlich mit dem Laptop aufs Bett.

Wälzen Sie dann persönliche Probleme?
Nicht nur. Selbst enge Freundschaften müssen es aushalten, dass man Dinge für sich behält. Es gibt Themen, die einfach Zeit benötigen, bis man sie bewältigen kann. In solchen Fällen zu schweigen, finde ich nicht schlimm.

War das mal anders?
Früher habe ich mit Freundinnen ständig über alles gequatscht. Wir haben drei Liter Tee getrunken und nur geredet und geredet. Heute macht es mir keine Angst mehr, Entscheidungen alleine zu treffen. Das für mich erkannt zu haben, empfinde ich als eine große Befreiung.

Rainer Vogt