OK! traf Florian David Fitz

Auf neuen Pfaden unterwegs

Diesen Namen sollten Sie sich merken. Der „Doctor’s Diary“-Darsteller Florian David Fitz gibt jetzt sein furioses Debüt als Drehbuchautor. OK! hat den Frauenschwarm zum Interview getroffen.

Der Anblick ist ungewohnt. Schauspieler Florian David Fitz trägt eine Brille. Es ist in auffälliges Modell, aber nein, der 35-Jährige hat es beim Interview nicht aufgesetzt, weil er als Drehbuchautor ernst  genommen werden will und deshalb sein Image als Frauenschwarm jetzt nicht mehr gebrauchen kann. Er sei ein blindes Huhn, gesteht er, der als Junge sogar mit einem abgeklebten Brillenglas umherlaufen musste. Passend zur neuen Ehrlichkeit bittet er auch um Verständnis dafür, dass er nicht auf die obligatorische Frage nach einer aktuellen Freundin antworten werde. Darüber zu reden koste ihn seinen Freiraum. Schon klar, um Freiräume geht es ja schließlich auch in seinem neuen Film „Vincent will Meer“.

Oft sind Erstlingswerke autobiografisch, Ihr Drehbuch aber offenbar nicht …
In Wahrheit ist es nicht mein erstes Buch. Das war natürlich autobiografisch, aber nur für die Schublade. (lacht) Inzwischen geht es mir als Autor wie als Schauspieler: Ich versuche, mich jeder Rolle anzunähern, indem ich mich ­frage: Was verstehe ich an der Person, was nicht? Worin bin ich ihr ähnlich? Ich will mir nichts ausdenken müssen, sondern mit meinen Mitteln verstehen. So kann ich alle Figuren nachvollziehen und weiß, was ihre Gefühle, ­Leidenschaften und Ängste sind.

Die drei Hauptfiguren behalten trotz Tourette-Syndrom, Magersucht und Zwangsneurose ihren Humor. Ist das realistisch?
Das will ich doch hoffen! Ich finde es großartig, wenn man über sich selbst lachen kann. Nicht, dass ich es könnte, aber es ist ein feiner Zug. Und da setzt die Geschichte an. Denn die drei lachen gar nicht über sich selbst, die lachen immer nur über die anderen. Obwohl jeder weiß, wie es ist, wenn man selbst Probleme hat, müssen sie lernen, die Probleme der anderen zu verstehen.

Gibt es in der Geschichte Parallelen zu Ihrem eigenen Leben?
Es gibt ganz viele Bezüge, aber die findet man eher im Detail. Im Film muss ja alles pointiert werden, um dramaturgisch die stärkste Konstellation aufzubauen. Aber im Kleinen entdeckt man viele Situationen wieder. Zum Beispiel, dass man Menschen, die einem nahestehen, manchmal einfach machen lassen muss, auch wenn sie dann vielleicht irreversible Fehler machen. Das ist eine bittere Lektion.  

Kommen Sie denn überhaupt noch dazu, Freundschaften richtig zu pflegen?

Das Gute an meinem Beruf ist, dass ich mir zwischen den Projekten die Zeit dafür einfach nehmen kann. Erst im vergangenen Winter habe ich mir eine Auszeit gegönnt: Ich lese dann viel, jogge, gehe mit Freunden essen oder wir ­kochen zusammen, wir gehen spazieren oder ich besuche meine Familie. Ein oder zwei Monate im Jahr ist eigentlich immer Friedenszeit.

Und für den Rest des Jahres herrscht Krieg?
Natürlich nicht. Aber ich habe dann meine Ruhe. Deswegen lebe ich auch noch in München und bin nicht nach Berlin gezogen. Ich genieße es eben, nach Hause zu fahren und einfach nur mit Freunden zusammen zu sein und zu quatschen. So füttert man seine Seele.

Sie schwärmen von zu Hause. Träumen Sie auch manchmal von einem eigenen Haus?
Ich finde die Vorstellung davon ganz toll. Ich lese leidenschaftlich gern den Immobilienteil von Zeitungen und habe mir auch schon Häuser angesehen. Aber so ein Kauf würde nur Sinn machen, wenn man sich das Haus mit Freunden teilen würde – einen alten Bauernhof als ­Wochenendhaus zum Beispiel. Allein oder zu zweit würde ich aber niemals aufs Land ziehen, weil ich die ­Erfahrung gemacht habe, dass man Leute, die aufs Land gezogen sind, nie wieder sieht. ­Besonders wenn Kinder dazukommen.

Haben Sie mal darüber nachgedacht, was für ein Vater Sie wären?

Ein guter natürlich, was für eine Frage! (lacht) Aber das ist wie beim Autofahren. Da glaubt auch jeder, er könne es besser als alle anderen. Ich wäre wahrscheinlich ziemlich streng. Ich glaube daran, dass Kinder davon profitieren, wenn sie einen klaren Rahmen haben, in dem sie sich bewegen und an dem sie sich stoßen können. Alle Erfahrungen, die ich gerade um mich herum mache, zeigen nämlich, dass die, die bloß Watterahmen um sich herum hatten, Probleme bekommen.

Sie haben Klavierspielen gelernt, können singen. War das Eigeninitiative oder Zwang?  
Das hat bei mir schon immer über Lust funktioniert. Aber natürlich gibt es Phasen, in denen Kinder zum Üben gezwungen werden müssen. Da musste ich dann auch durch.

Stimmt es, dass Sie auch malen?

Ich habe Talent, aber mir fehlt die Zeit und ich hätte früher anfangen müssen, um das richtig professionell zu machen.

Kati Degenhardt