Ben Barnes im OK!-Interview

Hollywoods neuer Shootingstar

Mit „Die Chroniken von Narnia“ wurde Ben Barnes zum Mädchenschwarm. Dabei hat der Nachwuchs-Star ein ganz anderes Bild von sich …

Seine Karriere als Musiker war zum Glück nur kurz, denn als Ben Barnes, 28, mit seiner Boyband Hyrise beim britischen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2004 ausschied, wechselte er zur Schauspielerei. Nach ein paar Nebenrollen in Serien durfte er im zweiten Teil von „Die Chroniken von Narnia“ (2008) gleich Prinz Kaspian spielen. Eine Rolle, die ihm allerdings den Stempel „Disney Kid“ verpasste und ein Image, gegen das er jetzt mit einer weiteren Literaturverfilmung ankämpft: Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“.

Was denken Sie beim Blick in den Spiegel?

Ich war schon in der Schule immer der Jüngste und kleiner als die anderen. Einer, der den Großen hinterherlaufen musste. Das steckt heute noch immer ein bisschen in mir. Ich fühle mich oft wie Peter Pan: Mit meinen 28 Jahren werde ich manchmal behandelt, als wäre ich gerade 18 geworden.

Und abgesehen vom Jungsein?
Schaue ich in das Gesicht eines käsigen, dünnen Engländers, der offensichtlich mehr Sport machen sollte und der es zufälligerweise auf das ein oder andere Filmplakat geschafft hat.

Zum Beispiel als Prinz Kaspian von Narnia.
Ja, aber das hat mich damals irritiert, denn ich hatte ja nicht einmal die wichtigste Rolle. Ich fand es eher schwierig, in Rüstung und mit Schwert zu posieren. Dadurch ist ein falsches Bild von mir entstanden: Ich sehe mich weder als Held noch als Poster-Boy. Ich möchte als Charakterdarsteller wahrgenommen werden.

Dennoch sind Sie jetzt ein Mädchenschwarm!
Das ist schon ein bizarres Gefühl. In der Woche, als „Die Chroniken von Narnia“ rauskam, wurde ich überall hinverfolgt. Horden von Menschen sind mir auf Schritt und Tritt nachgelaufen. Ich weiß ja, dass das wichtig war. Aber ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie es wäre, wenn es mir jeden Tag so erginge.

Viele Kollegen scheitern am frühen Ruhm …
Ich kann das verstehen. Schauspieler können großen Druck verspüren, etwas Besonderes leisten zu müssen. Dazu kommt der Lifestyle: Du lebst wie ein Nomade, ziehst von einem Projekt zum nächsten. Du erlebst unermessliche Höhen und nach sechs Wochen ist es vorbei. Auf einmal wird alles sehr still. Niemand ist mehr da, der dir vorschreibt, was du sagen sollst. Du musst aufhören, deine Figur zu spielen, die du mit ganzer Seele, deinem Wissen und Wesen verinnerlicht hast. Viele Schauspieler fallen dann in sich zusammen und greifen zu Drogen, Schlaftabletten und Alkohol.

Haben Sie das selbst auch schon erlebt?
Jeder, den ich kenne, hat damit Probleme: die schreckliche Einsamkeit, die Melancholie, die einen bei Drehschluss überfällt. Das Schlimme ist, dass es intensiver wird, je berühmter man wird und je mehr Druck man sich macht.

Mit Ihnen gibt’s also keine Sauforgien?  
Das ist nicht meine Art und ein Partytier bin ich schon lange nicht mehr. Ich habe während meiner Studienzeit in Clubs als Barmann gearbeitet. Wenn du um vier Uhr morgens Erbrochenes und Blut aufwischen musst, hast du die Schnauze voll davon.

Kati Degenhardt