Gwyneth Paltrow im Exklusiv-Interview

'Ich tue gern so, als wäre ich ein Filmstar!

Termine mit ihr haben Seltenheitswert: Schauspielerin Gwyneth Paltrow konzentriert sich mittlerweile vor allem auf ihr Privatleben. Ihren Glamour hat sie trotzdem nicht verloren. Das bekam auch OK! im exklusiven Gespräch über ihren neuen Kino&sh

Als sie das Zimmer im edlen Hotel „Four Seasons“ in Los Angeles betritt, in einem perfekt sitzenden Victoria-Beckham-Kleid, nimmt Gwyneth Paltrow sofort den ganzen Raum für sich ein. Ein vollkommener Auftritt. Hinter dieser Fassade ist allerdings nicht alles ganz so perfekt: Ehemann Chris Martin ist offenbar zum ­Workaholic mutiert …

Seit der Geburt Ihrer Kinder sind Sie hauptsächlich Hausfrau und Mutter. Wie ist es da, mal wieder in einem großen Film wie „Iron Man 2“ mitzuspielen?

Auf jeden Fall unterbricht das meine tägliche Routine. Es ist eben was anderes, große Action­szenen zu drehen, als zur Schule zu fahren und dann wieder zurück und dann wieder hin und so weiter. Zu Hause in London führe ich eben ein sehr ruhiges Leben – das ich auch genieße. Aber wenn ich mich dann zurechtmachen und so tun kann, als sei ich Gwyneth Paltrow, der Filmstar, ist das auch sehr schön (lacht).

Aber vermissen Sie dieses Leben als „Gwyneth Paltrow“ nicht?

Ich habe natürlich ein bisschen übertrieben. ­Effektiv lebe ich in meinem Alltag in zwei Zeit­zonen. Den Tag verbringe ich mit ­meinen Kindern in London und ab dem späten Nachmittag bekomme ich meist Anrufe aus Hollywood. Das mag ich, weil ich dann in meiner eigenen Welt existiere. Es wird nur schwierig, wenn wir in New York oder Los Angeles sind. Denn dann habe ich so viel um die Ohren, dass ich nur schwer eine Balance finde. Und manche Termine kriege ich nicht gebacken. Ich würde wahnsinnig gern mit der Kochshow „On the Road“ nach Korea fliegen, aber das dürfte schwierig werden.

Vielleicht brauchen Sie eine Superhelden-­Fähigkeit wie Iron Man, um Ihr Leben geregelt zu bekommen!

Ich weiß nicht, was für eine Fähigkeit das sein könnte. Fliegen können, unsichtbar sein – das interessiert mich alles nicht. Aber ich meditiere regelmäßig. Ich habe gelesen, dass das die verschiedenen Bereiche des Gehirns besser verbindet und den Blutdruck senkt. Manchmal weiß ich in meiner Versenkung gar nicht, wo ich bin.

Könnten Sie diese ganzen Herausforderungen besser bewältigen, wenn Ihr Mann Chris Martin Sie mehr unterstützen würde?

Er unterstützt mich sehr. Er ist ein ­großartiger Vater, der sehr präsent ist. Aber gleichzeitig arbeitet er auch extrem hart, sogar wenn er nicht auf Tour ist. Er ist rastlos, einer von den Menschen, die so etwas brauchen. Nur an Feier­tagen oder im Urlaub beschäftigt er sich nicht mit seiner Musik. Andererseits weiß er auch, dass mein Beruf mir wichtig ist. Im Herbst drehe ich mit Steven Soderbergh, dann spiele ich in einem Zweiteiler fürs Fernsehen Marlene Dietrich – ich habe mir gerade ein PC-Programm gekauft, um Deutsch zu lernen. Und nach „Iron Man 2“ habe ich in „Love Don’t Let Me Down“ eine Sängerin gespielt.

Was machen Sie mit Ihren Kindern, wenn Sie vor der Kamera stehen?

Sie kommen mit. Bei „Iron Man 2“ hatten wir unseren Privatlehrer dabei und sie gingen in den gleichen Kindergarten in Santa Monica wie ich damals. Ich finde es gut, wenn sie auch eine amerikanische Kindheit haben können.

Wie schwer ist es, sie allein zu lassen, wenn Sie drehen?

Ich habe bei den Dreharbeiten oft geweint, wenn ich allein in meinem Garderobenraum war. Ich wusste zwar, dass Kindermädchen bei Ihnen sind, aber ich hatte das Gefühl, daheim alles zu verpassen.

In wessen Fußstapfen treten die Kinder eher: In Ihre oder in die Ihres Ehemanns?

Beide stehen total auf Musik. Vor allem mein Sohn Moses. Wenn er Musik hört, dann ist es, als würde er in eine andere Welt abtauchen. Apple liebt Schreiben und Lesen sehr, sie ist so eine richtig kleine Neunmalkluge. (lacht) Aber zu Moses habe ich ein engeres Verhältnis. Mütter und Söhne stehen sich besonders nahe – genauso wie Väter und Töchter. Wenn Apple mit meinem Mann zusammen ist, dann bekommt sie ganz leuchtende Augen.

Das klingt so, als würde Ihnen Ihr Privatleben doch mehr Befriedigung bringen als Ihr Beruf.

Das ist so richtig. Es ist großartig, Erfolg und Geld zu haben. Aber wenn man mir das alles wegnehmen würde, dann wäre das auch okay – solange ich meine Familie habe.

Rüdiger Sturm