Jake Gyllenhaal im Exklusiv-Interview

'Ich war total eifersüchtig.'

Über Gefühle und Frauen zu reden, ist nicht seine Stärke. Doch im OK!-Interview gibt uns Hollywood-Schauspieler Jake Gyllenhaal tiefe Einblicke in seine Seele und verrät uns, warum er früher die Welt verändern wollte.

Der Junge mit den großen blauen Augen ist erwachsen geworden: Jake Gyllenhaal hat es in den letzten zehn Jahren geschafft, sich vom Mädchenschwarm zum echten Actionhelden hochzuarbeiten. Mit „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ präsentiert er sich jetzt nicht nur als feste Hollywood-Größe, sondern auch als ­muskelbepacktes Sexsymbol. Eine extreme Wandlung, die dem 29-Jährigen nicht ganz leichtgefallen ist …

In Ihrem neuen Film sind Sie kaum wiederzuerkennen. Keine Lust mehr auf sensible Dramen wie „Brokeback Mountain“?

Bei der Filmwahl ist es im Prinzip wie beim Essengehen – manchmal hat man Appetit auf Haute Cuisine und dann darf es auch mal Pizza sein. Obwohl ich keinen meiner Filme mit Fast Food vergleichen möchte! (lacht) So eine Rolle wie in „Prince of Persia“ kam vorher nie meines Weges. Der kleine Junge in mir war natürlich sofort Feuer und Flamme, als er hörte, dass er auch mal fechten, reiten und schöne Frauen vor fiesen Schurken retten darf.

Dafür mussten Sie körperlich ordentlich aufrüsten …
Ich habe etwa 15 Kilo zugelegt und dafür so viele Proteinshakes getrunken, dass mich der Gedanke daran schon schüttelt. Aber es musste sein. Nicht aus ästhetischen Gründen, denn ein Jahr Arbeit an einem Film ist schließlich kein Pin-up-Wettbewerb. Sondern weil es die Rolle verlangte. Ich musste extrem athletisch sein, um meine Stunts selbst übernehmen zu können. Klar, ich hätte mich auch doubeln lassen und die Füße hochlegen können. Doch das wäre Betrug am Publikum und an mir selbst.

Vor allem das weibliche Publikum dürfte es begrüßen, dass Sie so viel trainiert haben …
Mag sein, aber ich hoffe doch, dass mehr als nur der schöne Schein wahrgenommen wird. Wenn ich einen Soldaten spiele, rasiere ich mir eine Glatze, und für einen Actionfilm bringe ich mich eben in Form. Das ist reines Handwerk und am letzten Drehtag verabschiede ich mich auch wieder vom Training. Wer hat denn die Zeit, sich ständig körperlich zu schinden? Mir ist das Leben einfach zu kurz, um mich sechs Mal die Woche auf den Bizeps zu konzentrieren.

Wie gefällt Ihr Body denn Ihrer Freundin? Nach der Trennung von Reese Witherspoon sollen Sie jetzt mit Rachel McAdams zusammen sein …

Könnten wir das Thema bitte außen vor lassen? Danke. Je mehr man über Privates spricht, desto öfter sieht man die eigene Visage an der Supermarktkasse. Dieser Overkill ist die größte Gefahr für junge Schauspieler.

Wie verbringen Sie denn heute Ihre Freizeit?

Ich meditiere lieber regelmäßig. Gerade in ­meinem Geschäft, in dem ich manchmal ein halbes Dutzend Länder im Monat bereisen muss, fällt es schwer, sich noch von der schnellen Welt um einen herum zu separieren. Man wird mitgerissen und muss sich schlicht zu Pausen zwingen, um seine innere Stimme klar und deutlich zu hören.

Fällt es schwer, diesen Abstand von der Außenwelt zu erlernen?

Ich dachte anfangs auch, dass es unmöglich sei. Bei den ersten Versuchen rasten die Gedanken noch und ich wollte schon aufgeben. Doch irgendwann ist es ähnlich wie beim Joggen. Von Mal zu Mal überwindet man den inneren Schweinehund und der Körper lernt den Auto­matismus zunehmend schneller. Inzwischen kann ich auch nach größtem Stress binnen einer Viertelstunde abschalten. Blöd ist nur, wenn man zu viel gegessen hat und sich Gase im Magen bilden, die einfach rausmüssen – wenn Sie verstehen, was ich meine. (kichert) Der Gedanke an einen Pups reißt mich immer wieder mal aus der Konzentration.

Sie haben früher östliche Religionen studiert. Würden Sie sich als spirituell bezeichnen?
Nein, das klänge vermessen. Ich bin eher auf der Suche nach Zusammenhängen und möchte besser verstehen, wie wir Menschen trotz unterschiedlichem Glauben doch alle miteinander verknüpft sind. Mein Vater ist Christ und meine Mutter jüdischen Glaubens, während ich mich für den Buddhismus interessiere.

Sie waren bei früheren Interviews immer extrem ernst, während Sie inzwischen sehr entspannt wirken …
Das freut mich zu hören, denn ich empfinde genau so, doch die Umwelt nimmt einen ja nicht immer so wahr, wie man es selbst tut. Ich denke, ich bin grundsätzlich gelassener, nicht nur des Meditierens wegen, sondern weil Erfahrungen beim Älterwerden auch an mir nicht vorbei­gehen. Früher wollte ich mit jedem Film die Welt verändern, habe mich vielleicht zu sehr in Rollen verbissen und meinen Mitmenschen das Leben mit meinem Ehrgeiz schwer gemacht. Heute lasse ich den Dingen einfach ihren Lauf.

Stimmt es, dass Sie auch mit Ihrer Schwester, der Schauspielerin Maggie Gyllenhaal, Streit wegen Filmrollen hatten?
Maggie ist schon ein paar Jahre länger als ich auf der Welt und bei aller Liebe habe ich mich manchmal auch an ihr gemessen. Das fiel zu Beginn meiner Karriere natürlich nachteilig für mich aus. Aber in einem kreativen Umfeld gibt es immer Konkurrenz und obwohl ich ihre Arbeit bewundere, war ich wahrscheinlich total eifersüchtig. Es ist kompliziert zwischen Geschwistern. Aber all das ist lange her, und obwohl jeder seinen eigenen Weg geht, helfen wir uns, wo wir nur können.

Roland Huschke