Cher über Liebe und Laster

OK! Exklusiv

Mit OK! sprach Cher über Liebe und Leidenschaft – und den größten Fehler ihres Lebens.

Diese Frau ist sicher schwierig. Eine verwöhnte Diva. Doch das Gegenteil ist der Fall, als wir Cher im Berliner Hotel „Adlon“ zum Gespräch treffen. Sie war gekommen, um ihren neuen Film „Burlesque“ vorzustellen. Ihr Alter sieht man Cher nicht an. Die 64-Jährige sieht umwerfend aus, ist schlank und schön. Bevor sie sich an den Tisch setzt, bestellt sie eine heiße Schokolade. Das soll nicht die einzige Überraschung bleiben …

Ihre Filmpartnerin ist Christina Aguilera, die ihr Debüt als Schauspielerin gibt. Gab es da nicht Zickenterror am Set?
(lacht) Nein, ganz im Gegenteil. Ich habe Christina vom ersten Tag an unter meine Fittiche ­genommen … 

Christina schwärmte bereits davon,
dass Sie ihr nach Drehschluss ermutigende E-Mails geschickt haben …
Weil ich weiß, wie unsicher und voller Selbstzweifel man bei so einer neuen Herausforderung sein kann. Christina und ich mögen uns wirklich – wie man gut bei der Szene sehen kann, in der ich sie schminke. Das war schon ziemlich intim. 

Sie sind seit 45 Jahren super im Geschäft. Woher nehmen Sie diese Power, diese Energie?
Das frage ich mich manchmal auch. Aber „super“ ist wohl etwas übertrieben. Ich hatte auch viele Tiefpunkte. Es stimmt, dass ich viel Energie habe und meist sehr stark bin. Gleichzeitig habe ich auch eine sehr schwache Gesundheit. Deshalb muss ich aufpassen, dass ich nicht wie eine Kerze, die an zwei Enden angezündet ist, verbrenne. Oft fühle ich mich auch total ausgepowert.

Wie laden Sie dann Ihre Batterien wieder auf?
Ich bin jedes Mal überglücklich, wenn ich meinen Mund zum Singen öffne und es kommt dabei ­Musik heraus. Das gibt mir unendlich viel Lebensfreude und Kraft.

Was macht Cher, wenn sie nicht im Rampenlicht steht, sondern ganz privat ist?
Ich habe ein ziemlich erfülltes Privatleben. Ich halte mich zum Beispiel körperlich fit durch tägliches Workout. Dann verbringe ich gern viel Zeit in meinem Haus in Malibu. In der Nähe leben auch viele meiner Freunde, die Kinder haben, und für manche davon bin ich die Patentante. Auch mit meinem Sohn Chaz (früher Tochter Chastity, die 2009 eine Geschlechtsumwandlung hatte, Anm. d. Red. ) treffe ich mich regelmäßig. 

Sind Sie zu Hause auch so gestylt wie jetzt?
Um Himmels willen, nein! Da laufe ich ungeschminkt, mit ungekämmten Haaren, in T-Shirt, zerschlissenen Jeans und ausgelatschten Schuhen herum. Da gilt: Je älter die Klamotten sind, desto lieber sind sie mir. Das ist so ziemlich das Gegenteil von der Cher, die gerade vor Ihnen sitzt.

Einer Ihrer größten Hits heißt „If I Could Turn Back Time“. Was wäre, wenn Sie tatsächlich die Zeit zurückdrehen könnten?
Ich würde sehr gern noch einmal 40 sein. Das war die Zeit, in der ich am glücklichsten in meinem Leben war und am meisten Spaß hatte. Warum? Meine beiden Kinder lebten damals noch zu Hause, ich hatte einen fabelhaften Boyfriend (der Filmproduzent Josh Donen, Anm. d. Red.), den ich wie niemanden auf der Welt geliebt habe.

Apropos Boyfriend: Sind Sie gerade in festen Händen?
Nein, ich habe mich gerade getrennt. Es passierte ein paar Tage, bevor ich zur Promotion-Tour von „Burlesque“ nach Europa aufgebrochen bin. Aber wir stehen uns immer noch sehr nahe.

Wollen Sie uns verraten, wer das ist?
Es ist Ron Zimmerman, ein Schriftsteller.

Was ist das Dümmste, das Sie je in Ihrem Leben gemacht haben?
Aus Liebe habe ich zahllose Dummheiten gemacht. Aber das Dümmste war die Entscheidung, ein Haus, in dem ich mich sehr wohlfühlte, zu verkaufen, nur weil es mein damaliger Mann Gregg Allman so wollte. Es wäre besser gewesen, ich hätte ihn verkauft!

Sie hatten meist Liebhaber, die viel jünger waren als Sie …
Das hat sich einfach so ergeben.

Was würden Sie lieber sein: die erste große Liebe eines Mannes oder seine letzte Leidenschaft?
Seine einzige Leidenschaft!

Sind Sie eigentlich treu?
Oh ja. Ich hatte meine Liebhaber immer nacheinander – nie gleichzeitig. Ich finde Liebesbeziehungen enorm wichtig im Leben. Aber sie sind nicht lebenswichtig. Ich kann auch ohne Mann glücklich sein.

Sie scheinen mit Ihren Ex-Lovern, darunter Bon-Jovi-Gitarrist Richie Sambora und, wie man munkelt, sogar Tom Cruise, auch nach der Trennung gut auszukommen.
Ich habe mit den meisten von ihnen – nicht mit allen – immer noch großartige Beziehungen. Warum auch nicht? Schließlich sind sie ja nicht nur wundervolle Menschen, sondern auch meine Freunde.

Können Sie mit einem Mann nur platonisch befreundet sein?
Sicher. Ich habe durchaus rein freundschaftliche Beziehungen zu Männern. Mein bester Freund ist sogar mit meiner besten Freundin verheiratet! Und ich kann schon sagen, dass ich ihn liebe. Ohne dass da etwas Körperliches zwischen uns wäre oder je sein wird.

Ulrich Lössl