OK! traf Ryan Gosling

Der schüchterne Hollywood-Star im Interview

Als Kind tanzte er Ballett und wuchs in einem reinen Frauenhaushalt auf. Heute ist er Hollywoods neues Sexsymbol. Gerade deswegen, oder?

Warum ist er eigentlich nicht zum „Sexiest Man Alive“ gewählt worden? Ryan Gosling, 31, hätte es verdient! Das findet nicht nur seine Freundin Eva Mendes, sondern auch George Clooney, der mit Ryan zusammen für „The Ides of March“ vor der Kamera stand. Ab 26. Januar kommt Hollywoods neuer Überflieger schon wieder ins Kino – mit dem Gangster-Thriller „Drive“. Vorher verrät er uns aber noch, wann er so richtig in Fahrt kommt …

Uns ist zu Ohren gekommen, dass Sie einst in Ihrer Heimat Kanada mit einer anzüglichen Bühnenshow in die Schlagzeilen geraten sind …
Die war nicht anzüglich! Höchstens ein bisschen schmutzig. (lacht) Ich war Background-Tänzer bei einem Kinder-Wettbewerb. Wir spielten Billy Joels „Uptown Girl“. Ich fasste mir in den Schritt, leckte an meinen Fingern und streichelte einigen Mädchen im Publikum übers Gesicht. Aber hey, ich war damals sieben!

War das der Beginn Ihrer Karriere?
Dem Publikum hat diese Performance anscheinend gefallen: Wir gewannen, und ich wollte danach unbedingt berühmt werden und immer wieder auf der Bühne stehen. Ich nahm deshalb an der Castingshow „Star Search“ teil, danach wurde ich Mitglied im „Mickey Mouse Club“ (eine US-Kinderserie von 1989, in der neben Ryan auch Britney Spears, Justin Timberlake und Christina Aguilera mitspielten, Anm. d. Red.).
 
Wie war die Zeit im „Mickey Mouse Club“?
Ganz ehrlich? Schrecklich! Es war längst nicht so toll, wie ich es mir erhofft hatte, und ich war froh, als ich nach zwei Jahren die Show wieder verlassen und mich ernsthafteren Dingen widmen konnte.

Angeblich gab es damals Streit mit den Produzenten – Sie sollen ein sehr vorlautes Kind gewesen sein …
Man warf mir vor, ich würde mich zu sehr in den Vordergrund drängen. Ich habe eben gern den ganzen Tag über Sex geredet, was Teenager ja eigentlich dauernd tun. (grinst) Okay, möglich, dass ich die anderen manchmal nicht zu Wort kommen ließ.

Hat man Sie eigentlich schon mal so richtig reingelegt? 
Und ob. Und es war kein Geringerer als George Clooney. Beim Dreh zu „The Ides of March“ kippte er mir plötzlich Wasser in den Schritt, rief „Action!“ – und ich musste die Szene mit nasser Hose spielen. George tat die ganze Zeit so, als ob nichts los wäre.

Wie war Ihre Schulzeit? Sie waren ja damals schon eine kleine Berühmtheit … 
Genau das war das Problem. Es war einfach furchtbar. Ich gehörte nie zu den coolen Typen und wurde jeden Tag gehänselt.

Warum?
Na ja, wenn man als Junge Ballett lernen muss, wie ich für den „Mickey Mouse Club“, wird man natürlich zur Zielscheibe. Deswegen hat meine Mutter auch entschieden, mich von der Schule zu nehmen und mich zu Hause unterrichten zu lassen. So wurde meine Schwester meine engste Vertraute und mein bester Kumpel. Meine Pubertät habe ich halb im Disneyland und halb in einem Frauenhaushalt verbracht. 

Denken Sie, dass Sie dadurch ein Frauenversteher geworden sind?
Ich weiß nicht. Ich denke, dass ich vielleicht etwas sensibler als andere Typen bin und nichts unüberlegt mache.

Das kommt offensichtlich an – schließlich haben Sie schon einige Hollywood-Ladys erobert: Sandra Bullock, Blake Lively und aktuell Eva Mendes. Würden Sie sich als Liebeskünstler bezeichnen?
Klar! Romantik hat doch immer mit Kunst zu tun. Aber eins habe ich gelernt: In der Liebe kommt es immer anders, als man denkt.

Ist es als Prominenter schwieriger, eine glückliche Beziehung zu führen?
Eine Beziehung zu führen ist immer harte Arbeit und eine ganz zerbrechliche Sache – egal ob man prominent ist oder nicht. Ich liebe die Nähe zu einer Frau, aber manchmal fragt eine Stimme in mir, ob ich noch genügend Unabhängigkeit besitze. Wenn ich liebe, dann muss es so sein wie im Märchen. Eine Liebe, die dich beflügelt und in den siebten Himmel befördert. Das ist mein Anspruch, aber meistens zu viel verlangt.
 
Jan Janssen