"80 Millionen"-Sänger Max Giesinger: "Ich hefte mich an den Fame von Frauen"

Er drehte ein Video mit Stefanie Giesinger und tourte mit Christina Stürmer

Es geht ab für Max Giesinger, 27, der 2011 den vierten Platz bei "The Voice of Germany" belegte. Seine neue Single "80 Millionen" stürmt die Charts: Platz 13 bei iTunes - und das dazugehörige Video, in dem "GNTM"-Siegerin und Namensvetterin Stefanie Giesinger mitspielt, wurde bei YouTube schon mehr als 700.000 Mal geklickt. Am Freitag, 8. April, erscheint sein zweites Album "Der Junge, der rennt". OKmag.de hat mit dem Shootingstar der deutschen Musikszene gesprochen - über seine coolen Songs, sein turbulentes Leben und natürlich über Frauen!

"80 Millionen" entstand bei 33 Grad

Ist dir das zweite Album schwerer gefallen als das erste? 

Im Gegenteil. Die Songs sind mir leichter von der Hand gegangen, weil ich textlich schneller und präziser geworden bin und die Stories, die ich im Kopf hatte, besser zu Papier bringen konnte als bei der Platte davor. Es ist eben wie bei anderen Dingen auch: Je öfter du etwas machst, desto mehr Übung bekommst du. Richtig überrascht hat mich, dass ich die besten Songs sogar zum Ende hin geschrieben habe. Ich hätte eher gedacht, dass ich mir dann was aus den Fingern saugen muss. Ich habe dabei echt gelernt, dass man immer am Ball bleiben und weiterschreiben muss. Es geht immer noch was nach oben, und man wird immer besser. 

„80 Millionen“ geht gerade richtig ab. Es war dein letzter Song, den Du für das Album geschrieben hast, oder? 

Richtig, es war gefühlt der 35. Song! Er entstand Ende August bei 33 Grad im Studio! Ich weiß noch, dass ich an dem Tag noch kurz im Supermarkt war, um mir einen Eiskaffee zu holen und da gab es schon Lebkuchen. 

Zum Glück hast du keinen Song über Lebkuchen gemacht! 

Wobei – „80 Millionen Lebkuchen“ wäre eigentlich auch ein schöner Titel (lacht).

"Jeder ist auf der Suche nach seinem perfekten Deckel"

Spaß beiseite. Hast du bei dem Song an jemand Bestimmtes gedacht? 

„80 Millionen“  hat eine allgemeingültige Message. Jeder ist ja auf der Suche nach seinem perfekten Deckel. Wenn man sich das genau überlegt, müssen da bei 7 Milliarden Menschen einfach die größten Zufälle zusammenkommen, dass man genau in dem einen Moment die richtige Person trifft. Könnte ja auch gut sein, dass diese Person an dem Tag 10 Minuten länger im Bett liegen geblieben ist und man sich dann verpasst hätte. Autobiografisch ist auf jeden Fall das Umziehen vom Dorf in die Stadt, das ich in der ersten Strophe thematisiere. Dass durch den Song jetzt so viel entstanden ist und er so gut ankommt, freut mich natürlich mega. 

Der Song eignet sich ja auch gut für Hochzeiten... 

Ehrlich? Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Aber das wäre natürlich eine Riesenehre, wenn Menschen meinen Song für den wichtigsten Tag ihres Lebens auswählen. 

Hast du denn deinen Deckel schon gefunden?

Am besten hört ihr da mal die Platte an und macht euch ein eigenes Bild drüber. 

"Wir Künstler sind alle ein bisschen emotionaler veranlagt"

Du klingst in deinen Songs sehr romantisch...

Wir Künstler sind ja alle ein bisschen emotionaler veranlagt. Ich mache mir über alles Gedanken, hier und da vielleicht sogar zu viel. Mich gibt’s halt himmelhochjauchzend und dann wieder als traurigen Max. Ich habe versucht, das alles auf der Platte abzubilden. 

Würdest du dich als Romantiker bezeichnen? 

Nicht im klassischen Sinn. Ich bin jetzt nicht der Typ, der ein Tretboot mietet und draußen aufm See ein ausgebreitetes Herz präsentiert. Aber ich kann romantische Songs schreiben, das ist ja auch schon mal was. 

"Dass Christina schwanger ist, habe ich auch erst durch die Presse erfahren"

Auf jeden Fall! Apropos Frauen: Im Video spielt Stefanie Giesinger mit, gerade warst du mit Christina Stürmer auf Tour. Machst du Karriere über erfolgreiche Frauen? 

Ja, ich hefte mich an den Fame von Frauen (lacht). Nee, das hat sich halt so ergeben. Und die Tour war super, denn es ist für einen Musiker total wichtig, viel Live-Erfahrung zu sammeln. Ich hatte die Möglichkeit, vor 4000 Leuten allein mit der Gitarre zu stehen und habe das glaube ich ganz gut gewuppt. Das gibt mir Sicherheit für künftige Auftritte. Denn ich weiß jetzt, dass ich schon allein so eine Halle bespaßen kann – mit Band wird es noch besser! Und Christina ist auch wirklich eine ganz liebe. Dass sie schwanger ist, habe ich übrigens auch erst durch die Presse erfahren. Aufgefallen war mir aber, dass sie abends nach dem Auftritt direkt ins Hotel gegangen ist und nicht mehr wild durch die Nacht gefeiert hat. Aber man muss sich ja auch schonen, so ein Popstar-Leben ist schon anstrengend. 

Und Du führst das jetzt auch! 

Zumindest sind die Anzeichen dafür sehr schön. Das Album wird super angenommen, auf Spotify gab es innerhalb von vier Wochen schon eine Million Klicks. Es fühlt sich nach dem nächsten Level an! 

"An den Landungsbrücken komme ich gut runter"

Du wohnst in Hamburg – bleibt das so oder ziehst du bald wie so viele Stars nach Berlin?

Das ist eine gute Frage. Rein arbeitsmäßig bin ich häufiger in Berlin als in Hamburg, weil auch meine Plattenfirma dort sitzt. Aber ich finde es eigentlich ganz gut, so einen Cut zu haben und einen Ort, an dem ich abschalten kann. Wenn ich mit einem Kaffee an den Landungsbrücken sitze und Schiffen nachgucke, komme ich gut runter. Ich bin jetzt auch gerade angekommen in der Stadt, kenne die guten Ecken und bin nicht mehr der klassische Touri wie am Anfang. Von daher wäre es vom Timing her blöd, jetzt wieder wegzuziehen. Also, ich würde hier gerne noch ein Weilchen bleiben, denn ich finde es hier ziemlich dufte. Hamburg hat einfach so einen Charme, und natürlich finde ich den Hafen sehr faszinierend, weil ich das so nicht aus dem Süden kenne.

Du wohnst in einer WG nahe der Reeperbahn. 

Ja, mit meinem besten Kumpel zusammen im siebten Stock. Es gibt zwar einen Fahrstuhl, aber der ist so schmal, dass man da nichts reinbekommt. Der Umzug war der Horror! Allein deswegen müsste ich fünf Jahre hier wohnen bleiben. 

"Vielleicht ziehe ich irgendwann mit Frau, Kind und Kuh wieder aufs Dorf"

Du bist auf dem Dorf groß geworden. Kannst du dir vorstellen, irgendwann mal wieder aufs Land zu ziehen? 

Im Moment wäre das gar nichts für mich, weil mein ganzes Umfeld in Hamburg und Berlin ist. Ich bin gerade „Der Junge, der rennt“, habe Hummeln im Hintern und will was erleben. Aber vielleicht bin ich in zehn Jahren ein anderer. Ich kann mir schon vorstellen, dass ich irgendwann wieder Lust auf ein ruhigeres Leben habe und dann mit Frau, Kind und Kuh aufs Dorf ziehe. 

Wieso hast du eigentlich keinen Fernseher? 

Ach, damals lebte ich noch im Dorf bei Karlsruhe und der Fernseher ging kaputt. Ich war einfach zu faul, mir einen neuen zu besorgen. Und nach einem halben Jahr war ich komplett entwöhnt und habe gar nicht mehr dran gedacht. Wir haben jetzt einen WG-Fernseher, aber der läuft fast nie. Es ist schwierig, eine Sendung zu finden, die mich geistig weiterbringt. Ich habe auch keine Lust, mich mit den Problemen anderer Leute in diversen Formaten zu beschäftigen. Da setze ich mich lieber mit der Gitarre hin und schreibe einen neuen Song. 

2011 hast Du bei „The Voice“ mitgemacht. Kannst Du das anderen jungen Künstlern empfehlen? 

Wenn ich nochmal der Max von damals wäre, würde ich es nochmal machen, weil im Rückblick alles super lief und ich dadurch viel gelernt habe. Ich hatte aber auch Glück, dass ich in der ersten Staffel dabei war und die Show damals noch frisch war. Jetzt hat sich alles vielleicht schon ein bisschen ausgelutscht. Eigentlich ist es eine Schande, dass nicht mal die Sieger lange im Gedächtnis bleiben. Aber es liegt auch immer an einem selbst. Musik war immer mein Leben. Ich wollte nichts anderes machen und habe hart dafür gearbeitet. Wenn man aber davon ausgeht, dass man nach so einer Show der gemachte Star ist, dem alle das Haus einrennen, ist man falsch gewickelt. 

Du hast es aber auch mit einem „soliden“ Weg versucht...

Ich habe 2011 eine Bankausbildung angefangen und direkt gemerkt, dass ich da wie ein Alien rumlaufe und täglich acht Stunden vor mich hin vegetiere. Mein Schlüsselmoment war, als eine befreundete Heavy-Metal-Band aus Karlsruhe reinkam und ich mich unterm Tresen versteckt habe, weil es mir peinlich war, dass ich meinen Traum vom Musikerleben aufgegeben habe. Max im Anzug in der Bank – das passt einfach nicht. Deshalb habe ich die Ausbildung nach zwei Wochen geschmissen. Ich habe es ausprobiert, auch für meine Eltern, aber war einfach nichts. Es gibt keinen Plan B zur Musik. Im Nachhinein war es auch der richtige Weg, immer aufs Musikpferd gesetzt zu haben. Oh, Musikpferd, auch ein schöner Songtitel!

Du warst auch mal als Straßenmusiker unterwegs. Was hast du dabei gelernt? 

Nach dem Abi bin ich direkt nach Australien gereist und wollte meinen Lebensunterhalt als Musiker verdienen. Ich stand dort auf einer Amüsiermeile, wo die Betrunkenen aus den Clubs getorkelt sind, und habe meine Songs geschmettert. Das Witzige war, dass dort unfassbar viele deutsche Backpacker unterwegs waren, und ich deshalb deutsch singen konnte. Das war wirklich eine gute Schule! Die Leute haben ja erstmal kein Interesse, dir zuzuhören. Da musste ich mich richtig ins Zeug legen, damit die stehen bleiben. Ich bin natürlich froh, dass ich jetzt auf Tour gehen und vor vielen Leuten spielen kann, aber es war auf jeden Fall eine wichtige Erfahrung und ich kann sagen, dass ich meine Karriere ganz unten angefangen habe. Das ist ein guter, organischer Weg. Wer über Nacht zum Superstar wird, kann sich ja gar nicht drauf vorbereiten. Das kann mir niemand erzählen, dass man da normal bleibt, wenn auf einmal 200 Leute auf der Straße hinter einem her rennen. Wenn man den Weg Schritt für Schritt nach oben geht, freut man sich über jede Kleinigkeit, die passiert. Ich bin gerade total dankbar und glücklich für alles! 

"Ich feiere nicht rund um die Uhr"

Was sind deine weiteren Ziele – oder bist du jemand, der alles auf sich zukommen lässt? 

Man muss sich auf jeden Fall ein paar Ziele stecken. Primär hoffe ich natürlich, dass die neue Platte super angenommen wird und ich damit den nächsten Level erreiche: in größeren Clubs spielen, die fetten Festivals mitnehmen, den ersten Radiohit haben. Davon träume ich schon, seit ich die Gitarre das erste Mal in der Hand hielt. Und natürlich gesund zu bleiben. Es ist alles positiver Stress, aber es bleibt schon wenig Zeit fürs Privatleben. 

Wie hältst du dich fit? 

Ich mache ab und zu Workouts, achte auf gesunde Ernährung und ziehe nicht jedes Wochenende um die Häuser. Klar gehe ich auch mal feiern, aber nicht rund um die Uhr. Man muss schon die Balance halten, wenn man beruflich erfolgreich sein will. 

Seht hier das Video von Max Giesinger zu "80 Millionen":