Keine Privatsphäre für Brangelina

Sie haben keine Zeit für die Liebe

Keine Privatsphäre für Brad Pitt und seine Freundin Angelina Jolie. Bei der Premiere ihres Films "The Changeling" zeigte sich das Paar in New York vereint, aber ihr Sexleben ist alles andere als perfekt.

Der Alltag hat sie eingeholt. Im romantischen Château Miraval mitten in der Provence hätten sie ihr Liebesnest bauen können. In einem Haus mit 35 Schlafzimmern. Jetzt fliegen Angelina Jolie, 33, und Brad Pitt, 44, wieder um die halbe Welt. Drehen in Berlin, besuchen Premieren und das Filmfest in New York, sind auf Stippvisite in Südfrankreich. Immer dabei: ihre Kinder Maddox, 7, Pax, 4, Zahara, 3, Shiloh, 2, und die drei Monate alten Zwillinge Vivienne Marcheline und Knox Léon. Nun haben sie zum ersten Mal realisiert: Das ­Familienglück schadet ihrem Liebesleben.

Das Paar hat keine Zeit mehr für sich. „Auch wenn wir die Tür schließen, kommen die Kinder und klopfen“, verrät Angelina. „Brad und ich versuchen abends oft ein gemeinsames Bad zu nehmen. Einfach, um dazusitzen und zu reden. Aber die Kids hören das Wasser einlaufen und wollen sofort mit in die Wanne.“ Den Kindern können sie keinen Wunsch abschlagen. Wir erinnern uns an die ehemalige Haushälterin, die vor einigen Monaten erzählte: „Bei den Jolie-Pitts tobt das Chaos. Zum Frühstück gibt es nur Pizza und Schokolade.“ Auch Freunde des Paares beschrieben die Situation als „der reinste Wahnsinn“.

Unmöglich, denken die einen. Eine ganz normale Großfamilie, die anderen. „Schon bei vier Kindern ist alles so verrückt, dass das Chaos durch noch mehr Kinder gar nicht mehr schlimmer werden kann“, sagt auch Angelina. Keine Basis für ­romantische Stunden. Auch der Druck durch die Medien ist enorm. Täglich muss sich das Paar zusätzlichen Problemen stellen: etwa den wartenden Paparazzi vor dem Haus. Immer in der Hoffnung, Brad oder Angelina könnten einen Fehler machen – ein weiterer Stressfaktor für die Beziehung. Dazu kommt: Zeigt sich das Holly­wood-Paar einmal nicht gemeinsam, ist das vermeintliche Liebes-Aus vorprogrammiert. Eine zusätzliche Belastung für Angelina ist, dass sie als Schauspielerin fit und schön sein muss. Das war wohl auch der Antrieb zu ihrer Blitzdiät. Nur zwölf Wochen nach der Kaiserschnitt-Geburt ihrer Zwillinge sah sie letzte Woche bei der Premiere ihres Films „Changeling“ (Kinostart: 22. Januar) wieder umwerfend aus. Angeblich habe sie wochenlang kaum etwas gegessen.

„Es sind die Gene. Ich renne den ganzen Tag mit den Kindern herum und stille. So bekommt man auf natürlich Weise seine Figur zurück“, rechtfertigte sie sich den Reportern gegenüber. „Es macht viel Spaß mit den Kindern. Aber es ist auch harte Arbeit.“ Seit die Zwillinge auf der Welt sind, hat sich diese Arbeit verdoppelt. Der Tag im Hause Jolie-Pitt beginnt um 4.30 Uhr. „Wenn ich arbeiten muss, steht Brad auf und nimmt die Kinder“, sagt Angelina.

„Das ist auch ihre einzige Chance“, erklärt die Erfurter Psychologin Dr. Alina Wilms. „Es ist für ihre Beziehung jetzt wichtig, dass sich Angelina und Brad die Arbeit aufteilen. Als Paar sollten sie gemeinsame Ziele verfolgen, statt separaten Karrieren hinterherzujagen. Natürlich ist es da ganz normal, dass das Liebesleben zu kurz kommt. Die beiden müssen lernen, sich und einander zu genügen, statt ständig neue ­Herausforderungen außerhalb der Partnerschaft zu suchen. Beruflich sollten sie einige Gänge zurückschalten.“ Ein erster Schritt: Für Angelinas großes Comeback auf dem roten Teppich verzichtete Brad vergangene Woche auf die Berliner Premiere seines Films „Burn After Reading“. In New York trat das Paar ­dann allerdings gemeinsam auf und vernichtete alle Gerüchte um Trennung, Ehekrise und Ange­linas postnatale Depressionen.

Angelina hat schon lange ihre Prioritäten neu gesetzt. „Die Welt kann mich lieben, hassen oder über mir zusammenbrechen. Das Wichtigste ist, dass ich mit meinen Kindern aufwache. Dann bin ich glücklich“, offenbarte sie dem US-Magazin „W“, das Privatbilder einer zufriedenen Angelina zeigt – fotografiert von Brad. Angelina blüht in ihrer Mutterrolle auf. Doch sie wird sich entscheiden müssen: Kinder­ oder Karriere?

„Brad und ich haben viel darüber diskutiert, ob ich wieder anfangen sollte zu arbeiten“, sagt die Schauspielerin. Brad ist dafür, will sie unterstützen. Aber Angelina will auch mehr Zeit für ihre Familie. Und natürlich auch für sich und Brad. „Es ist nicht einfach, alle Kinder anzuziehen, zu füttern und zur Schule zu bringen. Wir können nicht überall sein, aber wollen in jedem Fall noch ein paar Jahre arbeiten und dann den Absprung schaffen. Damit wir zu Hause sein, reisen und einfach mal leben können“, kündigte Angelina schon vor einem Jahr an. Hat sie sich bereits entschieden?

Sie hat alles erreicht, was sie sich immer wünschte. Endlich hat sie die Familie, nach der sie sich gesehnt hat. Weil sich ihre Eltern trennten, als Angelina ein Jahr alt war, träumte sie immer von einer eigenen, großen Familie. Vielleicht zu sehr, vielleicht zu schnell? Nach wenigen Wochen Beziehung adop­tierten sie und Brad 2005 Zahara. Kurze Zeit später war Angelina schwanger. Inzwischen hat das Paar sechs Kinder und redet von weiteren Adoptionen. ­Dabei sollten sie dringend die Notbremse ziehen. Und endlich ihr Glück genießen.

Meike Rhoden