Der verlorene Sohn

Guillaume Depardieu

Jahrelang kämpfte Guillaume Depardieu um die Liebe seines Vaters und zerstörte dabei sein eigenes Leben. Jetzt hat der Schauspieler aufgegeben - Er starb mit 37 Jahren.

Seit dem Tod seines Sohnes ist er ein gebrochener Mann. Bei der Beerdigung in der französischen Kleinstadt Bougival kämpfte Gérard Depardieu, 59, mit den Tränen, fand für seinen Schmerz aber keine Worte. Auch Guillaumes Mutter, Gérards Ex-Frau Elisabeth, 67, und Schwester Julie, 35, stand die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben.

Dabei hatte Guillaume den Tod schon so oft herausgefordert. Doch es waren nicht die Drogen, die ihn töteten. Gestorben ist der 37-Jährige am 13. Oktober an den Folgen einer Lungenentzündung. Dabei sollte in Zeiten von Penicillin eigentlich niemand mehr an einer solchen Krankheit sterben müssen. Doch Guillaumes Körper fehlte die Kraft. Zu sehr hatte er ihn seit seiner frühesten Jugend mit Alkohol und harten Drogen wie Kokain, ­Heroin oder Crack malträtiert. Wie es heißt, habe es sich dabei um den verzweifelten Versuch gehandelt, die Aufmer­ksamkeit des Vaters auf sich zu ziehen.

Denn der war nie da, wenn sein Sohn ihn brauchte. Gérard legte eine Weltkarriere hin, ließ sich mit fremden Frauen ein – und seine Familie im Stich. Trotzdem gab Guillaume sein Debüt vor der Kamera an der Seite von Gérard („Die Siebente Saite“, 1991). Dass er dabei ein ebenso überragendes schauspielerisches Talent an den Tag legte wie sein Vater, wurde 1996 mit dem französischen Filmpreis César belohnt.

Trotz des beruflichen Erfolgs fand Guillaume im Leben keinen Halt. Der „zarteste Schauspieler seiner Genera­tion“, wie ihn der Regisseur Josée Dayan bezeichnet, kämpfte mit sich selbst so hart, dass er daran zugrunde ging. Das muss nun auch seine Tochter Louise, 7, begreifen.

Nicolle Hofmann