Christina Aguilera in der Lebenskrise

Und das mit 27!

Christina Aguilera ist mit 27 Jahren in einer Lebenskrise. Ist sie liebende Mutter oder Pop-Luder? OK! traf die Sängerin und blickte hinter die Fassade einer seelisch zerrissenden Frau.

Man kann förmlich riechen, dass ihr jede Form von Natürlichkeit stinkt. Sogar die Luft, die Christina Aguilera atmet, ist künstlich aufgepeppt. Süßes Vanille-­Aroma einer Duftkerze wabert durch die „Eisenhower Suite“ des altehrwürdigen „Dorchester Hotel“ am Londoner Hyde Park. Merkwürdig, dass die platinblond gefärbte Popsirene aus Los Angeles mit ihren angeklebten Wimpern, der transparenten Bluse zum roten BH, den in grellem Pink bemalten Lippen ausgerechnet hier, zwischen holzvertäfelten Wänden und altenglischen Möbeln Interviews gibt. Will Christina doch alles sein, nur nicht spießig.

„Es gibt einfach zu viele Leute, die sich selbst verlieren, sobald sie Kinder haben“, faselt die 27-Jährige, während sich ihre schwarz lackierten Fingernägel um ein Stück Apfel krallen. Sie dagegen wolle sich treu bleiben und ihrem neun Monate alten Sohn Max zeigen, was „seine Mutter sonst so drauf hat, außer Windeln wechseln“. Eine beunruhigende Vorstellung, wenn man an Christinas letzte Eskapaden denkt: Im Londoner Nachtclub „Whisky Mist“ kippte sie Cocktails bis zum Gleichgewichtsverlust. Ihr Auftritt in der „Royal Albert Hall“ soll einer „Porno-Show“ geglichen haben, wie schockierte Eltern junger Fans später schimpften. Eine halb nackte Christina ließ sich von Tänzern mit Federboas auspeitschen. Autsch!

Mit aller Kraft arbeitet die „Dirrty“-Sängerin,­ von der man schon dachte, sie sei endlich gezähmt, an einem noch verruchteren Image. Das soll bloß nicht brav wirken. So ließ sie sich nach der Geburt von Max erst mal die Brüste vergrößern, das kräftige Make-up gibt der Vamp-Erscheinung den letzten Schliff. Dabei findet Ehemann Jordan Bratman, dass „ein weniger orangefarbener Teint“ seiner Frau eigentlich besser zu Gesicht stehen würde. Und offenbar beschleichen auch Christina manchmal Zweifel, ob ihr Schein und Sein überhaupt noch zusammenpassen. „Ich hätte wahnsinnig gern noch ein Schwesterchen für Max“, schwärmt sie im Gespräch mit OK!. Um dann rasch von ihren „nackten Sonntagen“ zu erzählen, die das Sexleben prickelnd halten. „Ich bin stolz, wenn man mich Schlampe nennt“, fabuliert Christina weiter. Und es klingt, als stecke sie mit Ende 20 bereits tief in einer Lebenskrise.

Eine gefährliche Phase, von der Christinas Kollegin Britney Spears ein Lied singen kann. Nach den Kindern kam der Knall. Durchzechte Nächte, Abstürze, provokante Auftritte und Outfits. Ähnlich ist es jetzt bei Christina. Vielleicht treibt sie die Angst vor Verantwortung, die Befürchtung, dass es nun mit dem Sexy-Girl-Image vorbei sein könnte. Und so ist die Sängerin hin- und hergerissen zwischen ihren Rollen als tickende Sexbombe und liebevolle Mutter. Wohin das führen soll, weiß Christina wohl selbst nicht so genau. Als man fragt, welche Grenzen sie sich denn selbst setzt, kommt ihr die Antwort nur stockend über die grellrosa Lippen: „Bei mir ist der Himmel die Grenze.“

Marcel Anders, Dennis Kayser