Mordverfahren gegen Chefermittler im Fall Pistorius

Der Verteidiger setzt Hilton Botha unter Druck

Es wird immer komplexer im Mordfall Reeva Steinkamp († 29). Jetzt wurde ein zwischenzeitlich eingestelltes Verfahren gegen den Chefermittler im Fall Pistorius wieder aufgenommen - eine Anklage wegen siebenfachen Mordes.

Der Verteidiger von Oscar Pistorius, 36, Barry Roux ist einer der teuersten des Landes und zielt jetzt mit seiner Strategie gegen Hilton Botha, den Chefermittler des Falles.

Der steht nun unter Druck und musste in der Anhörung in Pretoria diverse Ermittlungspannen eingestehen, wie die "Welt" berichtet. Er hatte am Tatort keine Schutzbedeckung über seine Schuhe gezogen. "Es waren nicht genug da", argumentierte Botha. Auch wurde im Bad von Pistorius' eigenen Forensikern Munition gefunden, die die staatliche Spurensicherung übersehen hatte.

Weiterhin gab es Unstimmigkeiten bei der Zeugenaussage von Botha. Die Nachbarin, die unter Eid aussagte, dass sie vor den besagten Schüssen laute Schreie gehört hatte, wohnte nach ersten Angaben von Botha 600 Meter entfernt, später waren es nur noch 300. Er bestätigte, dass die Zeugin von acht Schüssen sprach anstatt von vier und nicht unbestritten sagen konnte, dass die Schreie vom Sportler und seiner Freundin kamen.

Der Ermittler hat zugegeben, dass er die Substanzen, die in Pistorius' Haus sichergestellt wurden, voreilig als Beleg für eine Steroidnahme des Angeklagten präsentierte und so auf vorsätzlichen Mord plädierte. Steroide verursachen Aggressivität. Nach Angaben des Verteidigers handle es sich bei den gefundenen Ampullen jedoch um ein homöopathisches Mittel, dass Pistorius nehmen durfte.

Heikel: Gegen Botha wurde ein Mordverfahren aus dem Jahr 2011 erneut aufgenommen, in dem er mit zwei Kollegen auf einen Kleinbus schoss, in dem sich sieben Menschen befanden. Das Verfahren war eigentlich eingestellt und Botha vermutet nun, dass die Wiederaufnahme mit dem Pistorius-Fall in Zusammenhang steht.

Der Ermittler wehrt sich gegen die Vorwürfe, er sei damals betrunken gewesen. "Mein Blut wurde nicht auf Alkohol getestet nach den Schüssen, ich war nicht betrunken", sagte er. Es habe sich um Ermittlungen zu einem Mordfall gehandelt und der Bus wollte die Polizisten von der Straße abdrängen.

Eine weitere Aufdeckung, die Brisanz schafft, ist, dass Hilton Botha schon einmal gegen Pistorius ermittelte, als er wegen Körperverletzung an einer 19-Jährigen angezeigt war. Das ist ein eindeutiger Interessenkonflikt.

Botha wird nun voraussichtlich als Chefermittler vom Fall abgezogen. Was gewiss ist, ist, dass der Richter die Anklage auf vorsätzlichen Mord zugelassen hat und im Falle einer Verurteilung, wartet auf den Paralympics-Star eine lebenslange Haft.

Wann der Prozess beginnt, ist noch nicht bekannt.