'Echo'-Skandal – Jetzt spricht Frei.Wild

Der Band wird nachgesagt rechtes Gedankengut in Songs zu verarbeiten

So schnell wie Frei.Wild zur diesjährigen "Echo"-Verleihung eingeladen wurde, wurde die Band auch wieder ausgeladen! Gleich mehrere Bands kündigten an, nicht zu erscheinen, wenn die Jungs aus Südtirol mit von der Partie sind. Der Grund: Den Musikern, rund um Philipp Burger, der in seiner Jugend mit Nazi-Parolen um sich feuerte, wird rechtes Gedankengut vorgeworfen. Doch jetzt äußert sich Frei.Wild das erste Mal zu dem Skandal.

Gegenüber dem "Express" erklärte Burger, warum der Stolz auf seine Heimat, Südtirol, so viele provoziert. "Alle Südtiroler sind heimatnah und heimatverbunden, das ist in den Köpfen so drin," so der Musiker. Der Patriotismus der Band zeugt also aus einer Tradition heraus.

"Die Faschisten unter Mussolini haben die deutsche Sprache verboten, bis heute gibt's Faschisten, die die Autonomie Südtirols über die Brücke schmeißen wollen. Das schweißt uns zusammen." 

Dass die Grenze zwischen Patriotismus und rechtsradikalem Gedankengut schnell verschwimmen kann, sieht Philipp Burger anders: "Wer einen Duden oder Wörterbuch hat, erkennt die Unterschiede zwischen Patriotismus, Nationalismus und Nationalsozialismus. Das Letzte ist überhaupt nicht denkbar." 

Frei.Wild distanziere sich von solchen Einstellungen und hat nicht den Hauch einer Sympathie dafür, denn "Nazis sind scheiße, da müssen wir überhaupt nicht diskutieren," so Burger weiter.

Dass Burger selbst eine rechtsradikale Vergangenheit hat, scheint er zu bereuen. Zwischen 14 und 16 Jahren hatte er ein rebellisches Auftreten und überschritt eben auch Grenzen. "Da bin ich in eine falsche Szene geraten – habe aber nach drei Jahren gemerkt, wie scheiße das ist und habe wieder herausgefunden."

Ihm ist klar, dass Leute, die sich im "Nazi-Bereich" aufhalten eher ihm zuhören, als "total linken Bands", wie den Ärzten oder den Toten Hosen. Er hofft, sie vielleicht sogar überzeugen zu können, dass ihr Handeln und ihre Gedanken falsch sind.

Als Nährboden für rechte Gewalt sieht Burger Frei.Wilds Texte trotzdem nicht: "Wer das sagt, soll unseren ganzen Text hören. Wir haben nichts mit Nazis gemeinsam. Außer vielleicht: 'Mein Land ist schön'. Aber das sagt doch fast jeder. Dann müssten alle Volksmusik-Bands bei der NPD spielen. Das wäre auch ein Nährboden. Wir mögen Südtirol, verachten aber Extremismus." 

Der Frei.Wild-Frontmann meint außerdem einen Grund zu sehen, warum Bands, wie Mia oder Kraftklub ihre Teilnahme beim Echo absagten. "Das hat mehrere Gründe. Solche Bands sind fast immer Mitglieder von großen Major-Labels. Diese Plattenfirmen finden doof, dass Bands wie wir ohne diese Companies Erfolge feiern. Das Zweite ist das Unverständnis dafür, dass ausgerechnet eine Band aus Südtirol den Deutschrock-Thron übernommen hat. Das ist ja auch komisch. Ein bisschen Neid ist auch dahinter."

Mit einigen Bands, die wegen den Südtirolern ihre Teilnahme beim "Echo" absagten, seien die Jungs angeblich sogar schon im Gespräch. Sie wollen die Angelegenheit sozusagen klären...