Tom Cruise: Kehrt er Scientology den Rücken?

Wundersame Wandlung

Kehrt Tom Cruise Scientology bald den Rücken? Überraschende Reue: Plötzlich gibt Tom seine Fehler zu, beugt sich Katies Wünschen und denkt sogar darüber nach, bei Scientology auszusteigen.

Es ist nur ein kleines Lächeln, dass beim Spaziergang in New York ihre Lippen umspielt. Aber es sagt so viel aus: Es ist das Lächeln von Katie Holmes, die an ihrem 30. Geburtstag optimistisch nach vorn blicken kann. Und obwohl sich ihr Gesicht nur für einen kurzen Moment durch den fast schon siegessicheren Ausdruck aufhellt, während sie mit Ehemann Tom Cruise, 46, und Tochter Suri, 2, durch den Central Park bummelt, ist doch klar: Sie hat sich endgültig durchgesetzt. Vorbei die Zeiten, in denen sie das naive Mädchen an der Seite des Superstars war und sich seinen Regeln zu beugen hatte. Seit sich Katie mit ihrem Engagement am Broadway und dem Umzug nach New York gegen ihren Mann aufgelehnt und ihre Freiheit erkämpft hat, haben sich die Zeichen geändert: Jetzt ist es Tom, der sich ihrem Willen fügen muss.

Um ihr seine Liebe zu beweisen und damit seine Ehe zu retten, geht Tom hart mit sich selbst ins Gericht: „Es gibt Dinge, die ich besser hätte machen können“, gab er gerade zerknirscht in einem Interview zu. 2005 bei US-Talkmasterin Oprah Winfrey liebestoll auf die Couch zu hüpfen, war nur eine Sache, „mit der ich besser hätte umgehen sollen“, fügte er hinzu und verneigte sich sogar verbal vor seiner jungen Ehefrau: „Die harsche Kritik an ihrer Person hat mich überrascht, und es war nicht angenehm, die Zeit zu überstehen. Aber Katie ist eine sehr selbstbewusste, starke und weise Frau, die außerdem anmutig und elegant ist. Es hat uns nur näher zusammengebracht.“  Überraschende Töne eines Hollywood-Stars, der eigentlich für seine Kontrollsucht bekannt und gefürchtet dafür ist, dass er langatmig über ­Scientology schwadroniert.

Doch mit der Werbung für die Sekte ist jetzt Schluss: Als Tom Cruise letzte Woche in Kanada seinen neuen Film „Walküre“ vorstellte, weigerte er sich erst, Fragen zu seiner „Reli­gion“ zu beantworten und stellte dann sogar unmissverständlich klar, dass er künftig keine Interviews mehr zum Thema Scientology geben wird. Ein simpler Satz, der Sekten-Chef David Miscavige, 48, allerdings mehr als beunruhigt haben muss. Denn dieser Kommentar aus dem Mund von Tom Cruise, dem berühmtesten Jünger von Scientology, gleicht schon fast einer Lossagung. Spielt Tom bereits mit dem Gedanken, Scientology ganz den Rücken zu kehren? Eine Entscheidung, die vor allem Katie, die streng katholisch erzogen wurde, begrüßen dürfte …

Denn zusammen mit Tom im Kreuzfeuer der Kritik zu stehen, ist nicht spurlos an Ka­tie vorbeigegangen. Der emotionale Druck setzt ihr zu: Mehr als einmal sah man sie gestresst und verwirrt durch die Straßen New Yorks hetzen. Nicht umsonst wehrt sie sich also seit einem Jahr geschickt gegen die strikte Bevormundung durch die Sekte. Erst feuerte Katie die „Beraterin“, die ihr Scientology als Aufpasser an die Seite gestellt hatte. Dann, als der Umzug in die neue Villa in Beverly Hills im April anstand, stellte sie klar, dass nur sie, Suri und Tom einziehen dürfen. Bis dahin lebte das Paar mit Toms Mutter Mary Lee und seiner Schwester Cass, ebenfalls Scientologen, unter einem Dach.

Offensichtlich gefallen Tom die Änderungen, die seine junge Ehefrau in sein Leben bringt, ganz gut. Vielleicht, weil auch er endlich erkannt hat, dass sein übertriebenes Engagement für die umstrittene Sekte seinem Ruf als Schauspieler schadet. Statt die Welt, aber vor allem seine Frau zu bekehren, rudert Tom jetzt zurück, indem er seine Fehler eingesteht. Zudem überlässt er Katie die Führung in der Ehe. „Natürlich wünschen wir uns mehr Kinder“, sagt er. „Aber momentan erfüllt sich meine Frau am Broadway einen Traum, und deshalb werden wir warten.“ Dass der Superstar sich selbst so zurücknimmt und beim „Walküre“-Fotoshooting für das „The New York Times Magazine“ sogar seine Frau mit dazuholte, ist ein ganz neuer Zug an ihm.

Natürlich bastelt Tom an einem Imagewechsel: Statt vor Scientology-Anhängern zu sprechen, zeigt er beim amerikanischen Fernsehsender MTV, dass er auch mit 46 noch rocken kann, um jüngere Fans anzusprechen. Trotzdem ist Katies Einfluss auf ihn allgegenwärtig: „Ich habe sie bestimmt 30 Mal am Broadway gesehen, und ich würde ihr gern auf die Bühne folgen“, verrät er. „Vielleicht sogar in einem Musical. Singend und tanzend – das würde ich schon irgendwie hinbekommen!“  

Wilde Zukunftspläne im Hause Cruise, die das Paar entspannt planen will, sobald Katies Zeit am Broadway beendet und sie ab Januar wieder in Los Angeles leben wird. Eine Entscheidung, die sie dann auch fällen werden: ob Tom sich tatsächlich von Scientology lossagt. Ein Schritt, der nicht leicht und vor allem nicht ungefährlich ist. Das hat schon „CSI: NY“-Star Jason Beghe, 48 erlebt, als er aus der Sekte ausstieg, die er heute als „zerstörerisch“ und „geldgierig“ bezeichnet. „Wer aussteigt, wird zum Feind erklärt“, warnt Beghe. Angst hätte Tom davor sicher nicht. Denn was gibt es Machtvolleres, als die Kraft einer intakten Familie?

Kathrin Kellermann