Exklusiv: Will Smith: Ich habe Angst, das alles zu verlieren

Das große Interview

Will Smith im exklusiven Interview mit OK!: "Ich habe Angst, das alles zu verlieren." In Hollywood hat der Schauspieler den Ruf eines sorglosen Clowns. Aber wenn es um seine Familie geht, quälen ihn Sorgen.

Seit „Independence Day“ und „Men in Black“ waren wir uns sicher: Will Smith, 40, ist ein witziger Typ mit ­einer riesengroßen Klappe. Umso größer ist die Überraschung, dass er in seinem aktuellen Film „Sieben Leben“ (siehe Seite 78) so sensibel ­einen von psychischen Problemen gequälten Ingenieur spielt. Im OK!-Interview verrät der Schauspieler, wie er sich darauf vorbereitet hat und warum sein Sohn Jaden, 10, deswegen Angst vor ihm hatte.

Es scheint, als würden die Menschen Sie langsam als einen Schauspieler wahrnehmen, der auch in Dramen überzeugen kann. Wussten Sie schon immer, dass Sie das Zeug dazu haben?
Ich habe mich in der Vergangenheit oft davor gefürchtet, solche Rollenangebote anzunehmen, weil sie so viel von einem selbst preis­geben. Aber es war trotzdem auch immer etwas, das ich unbedingt machen wollte: die ganz ­großen Gefühle rüberbringen. Und ich muss ­sagen, dass mir ­diese neue Seite an mir sehr gut gefällt.

In „Sieben Leben“ mussten Sie etliche Szenen drehen, bei denen Sie nicht sprechen durften. Dabei reden Sie doch so gern!
Oh ja, daran habe ich hart gearbeitet. Der ­Regisseur des Films, Gabriele Muccino, gab mir den Tipp, ich solle mich einfach an die Nestea-Werbung erinnern, in der sich ein Typ mit geschlossenen Augen und ausgebreiteten Armen einfach zurückfallen lässt. Das hat mir geholfen, mich auf mein Innerstes zu ­konzentrieren.

Sie wirken immer extrem gut gelaunt und unbeschwert. Wie ist es, sich für den Film in einen depressiven Menschen hineinversetzen zu müssen?
Ich konnte und wollte mich eigentlich nicht mit einem traumatisierten Menschen identifizieren. Ich habe erst durch Gespräche und Recherchen gelernt, was es wirklich heißt, ein Mensch zu sein, der alles verloren hat.

Wird man dieses Gefühl sofort los, wenn man am Ende eines Drehtages wieder nach Hause zu seiner Familie geht?
Es dauert manchmal Monate oder Wochen, bis man eine Filmfigur authentisch spielen kann. Und es dauert genauso lang, die Rolle wieder abzustreifen. Ich erinnere mich an ein Abendessen während der Dreharbeiten: Mein Sohn Jaden schaute mich ganz merkwürdig an. Er sagte keinen Ton, obwohl er sonst immer sehr redselig ist. Also lehnte ich mich zu ihm hinü­ber und fragte: „Hey, warum bist du so still?“ Und er antwortete: „Weil du total irre aussiehst, Dad!“ Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich noch immer meine Rolle gespielt hatte.

In Hollywood haben Sie  fast alles erreicht, wovon man als Schauspieler träumen kann. Verleitet das nicht dazu, die Dinge als selbst­verständlich hinzunehmen?
Ich war in den letzten Jahren sehr erfolgreich. Aber ich bin in einer armen Familie aufgewachsen, und des­wegen nehme ich nichts als selbstverständlich hin. Das führt manchmal dazu, dass ich mich nicht richtig entspannen kann. Ständig frage ich mich, wann das alles zu Ende ist. Ich erinnere mich noch, dass mein Vater früher einmal den Strommast hochgeklettert ist, um eine defekte Leitung zu reparieren. Ich hatte solche Angst um ihn und war stinksauer, dass er das unbedingt selbst machen wollte.

Wovor fürchten Sie sich am meisten?
Die Dinge haben sich für mich sehr positiv entwickelt, und ich bin rundum glücklich. Das liegt vor allem an den Menschen, die mein Leben mit mir teilen. Und genau deswegen habe ich oft Angst. Davor, dass ich die wichtigs­ten Dinge verliere. Dass meine Frau Jada mich eines Tages nicht mehr liebt zum Beispiel. Oder dass ich meinen Kindern irgendwann nicht mehr weiterhelfen kann. Es ist ein ständiges Hoffen und Bangen.

Verwöhnen Sie Ihre Frau und Kinder mit großzügigen Geschenken?
Wir haben im vergangenen Jahr entschieden, uns gegenseitig nichts mehr zu schenken. Mein Sohn Jaden hat mich an seinem letzten Geburtstag nämlich zu Tränen gerührt, als er seinen Freunden sagte, dass er kein Geschenk für sich wolle. Er erklärte, er habe genügend Spielzeug, und hat dann alles der Krebsstation in einem Kinderkrankenhaus geschenkt.

Ihr Sohn würde sich doch sicher freuen, wenn Sie bald wieder einen Song aufnehmen, oder?
Er sagt, ich hätte in der Vergangenheit ein paar gute Songs gemacht und dass das doch reichen würde. Das ist wirklich hart. Aber ich höre auf ihn.

Also ist er so was wie Ihr Manager?
Nicht ganz. Aber es ist schon verrückt. Er nimmt so viele Dinge wahr. Er ist mein kleiner Nostradamus. Wenn er sagt: „Dad, ich möchte heute nicht fliegen“, nehme ich das sehr ernst.

Jaden ist bereits in Ihre Fußstapfen getreten. Wie fanden Sie ihn in „Der Tag, an dem die Erde stillstand“?
Ich habe den Film noch gar nicht gesehen. Hat er seine Sache gut gemacht?

Er spielt den Bösen.                                                                                               Da sehen sie es: Wir entwickeln uns gerade in  völlig verschiedene Richtungen. (lacht) Sie sind vor ein paar Monaten 40 geworden.

Fühlen Sie sich etwa alt?
Nein, ganz im Gegenteil. Ich – und übrigens auch meine Frau – finde mich eigentlich erst jetzt so richtig erwachsen.

Florian Haertel