David Beckham: Familie oder Karriere?

Ciao, Amore!

David Beckham muss sich entscheiden: Familie oder Karriere. Eigentlich sollte er nur für ein paar Spiele nach Europa kommen, jetzt möchte ihn der AC Mailand langfristig halten. Doch seine Frau will mit den Kindern in Los Angeles bleiben...

Nach außen demonstrieren sie eisernen Zusammenhalt. Doch hinter den Kulissen kriselt es. Spätestens seit ein ungewohnt sportlich gekleideter David Beckham, 33, beim Gala-Dinner des AC Mailand in Dubai neben seiner wie immer perfekt gestylten Ehefrau Victoria, 34, über den roten Teppich schritt, ist mehr als offensichtlich, dass sich seine Prioritäten geändert haben: Seine Spielzeit bei dem italienischen Topverein hat in David nicht nur Erinnerungen an seinen Ruhm als „Flankengott“ geweckt, sondern auch seinen Ehrgeiz. Und das bringt ihn in ein schreckliches Dilemma …

Vor David liegt die schwerste und schmerzhafteste Entscheidung seines Lebens.­ Und in diesem Fall kann er es sich nicht leichter machen, indem er seinem Herzen folgt: Egal, wofür er sich entscheidet – es wird ein persönlicher Verlust für ihn. Denn entweder opfert er seinen Traum, zum allerletzten Mal 2010 bei der Fußball-Weltmeisterschaft für die englische Nationalmannschaft anzutreten, oder er verzichtet auf seine Familie. Victoria hat ihm deutlich gemacht, dass sie ­Davids Gastspiel in Mailand bis März zwar duldet, während sie mit den drei Söhnen in Los Angeles bleibt. Aber einen Umzug nach Italien lehnt sie kategorisch ab.

Doch eben das ist der Gedanke, der David derzeit schlaflose Nächte bereitet. Denn ein dauerhafter Wechsel von Davids Verein LA Galaxy zum AC Mailand, den er bereits hingebungsvoll als den „Club meiner Träume“ bezeichnet, könnte ihm einen Einsatz bei der Fußball-WM 2010 bescheren. Damit lockt ihn zumindest der englische Nationaltrainer Fabio Capello: „Die Tür steht ihm offen – wenn er topfit ist.“ Weltklasse-Niveau erlangt der 33-Jährige allerdings nur in einem Topverein – und nicht unbedingt beim mäßig erfolgreichen Verein LA Galaxy, für den er mitsamt seiner Familie 2007 nach Los Angeles gezogen ist. Satte 190 Millionen Euro ließen David damals den Umzug verschmerzen. Für Victoria entpuppte sich der neue Wohnort sogar als Glücksfall: Dank zahlreicher prominenter Bekanntschaften wie etwa mit Katie Holmes und Eva Longoria Parker schaffte sie den Sprung in Hollywoods High Society. Dass sie sich außerdem mit einer Modekollektion den lang gehegten Traum erfüllte, als Designerin und Stilikone gefeiert zu werden, ist für die 34-Jährige eine zuckersüße Zugabe.

Doch es ist nicht nur die Befriedigung des Egos, warum Victoria jetzt nicht nach Mailand ziehen will. „Die Kinder haben sich so gut in Los Angeles eingelebt, dass wir sie nicht aus der Schule nehmen wollen“, begründete Victoria ihre Entscheidung, mit den Kindern in Amerika zu bleiben, während David dem AC Mailand „ausgeliehen“ wird. Da ging sie aber nur von einer Trennung bis März aus. Jetzt hingegen lässt David offen, ob er dann tatsächlich in die USA zurückkehrt. „Ich bleibe bis zum letzten Tag hier – und dann sehen wir, was passiert“, orakelte er neulich. Für AC-Mailand-Vizepräsident Adriano Galliani der Startschuss, um mit den Verhandlungen loszulegen, den britischen Rekordspieler bis zur WM von LA Galaxy auszuleihen.

Eine Möglichkeit, die David sicher zu gern nutzen würde. Da ist sich auch der ehemalige Fußballprofi Stefan Effenberg, 40, sicher: „Beckham ist Fußballer durch und durch. Und wenn er die Möglichkeit hat, bei der WM zu spielen, kann es durchaus sein, dass es ihn packt“, sagt er gegenüber OK!. Fraglich ist jedoch, wie fit der Flankengott dann ist. Immerhin wird er bei der WM 35 Jahre alt sein. „Er ist sehr stark in seinen Standards“, weiß Effenberg. „Es kommt dann nur drauf an, ob er die auch abrufen kann, so wie in der Vergangenheit. Aber wir sprechen ja hier nicht von einem Comeback. Beckham ist im Training, war nie lange verletzt, und er ist Profi genug, um genau zu wissen, was er noch alles tun muss, um wirklich fit für die WM zu werden.“

Aber lässt er für den Traum, noch einmal im englischen Nationaltrikot aufzulaufen, Frau und Kinder in Los Angeles zurück? Seinen drei Söhnen würde er einen weiteren Umgebungswechsel zumuten, um beim AC Mailand sicherzustellen, dass er fit für die WM ist. „England wird sich qualifizieren, aber das Team gehört nicht zu den Favoriten“, meint Effenberg. Doch das ist David egal. Er will wieder gutmachen, dass er bei der EM 2004 den entscheidenden Elfmeter verschoss und bei der WM 2006 mit einem Bänderriss den Platz verlassen musste. Damals weinte er wie ein kleiner Junge, legte anschließend sofort seine Kapitänsbinde ab und unterschrieb den Fünfjahresvertrag bei LA Galaxy.

Sich so lange an einen Verein zu binden, das tun Fußballer eigentlich erst, wenn sie sich in die Rente verabschieden wollen. Aber offensichtlich hat David wieder den „Three Lions“-Refrain im Ohr: „Football’s ­Coming Home“.

Kathrin Kellermann