Unvergessene Oscar-Momente

Tränen & Triumphe

Immer wieder sorgte die Oscar-Verleihung für unvergessene Momente und große Gefühle. OK! macht einen Rückblick...

1974 Ein Nackter auf der Bühne!

In aller Regel geht’s bei der ­Oscar-Verleihung eher steif zu. Zu viel Haut wird im prüden Amerika nicht gern gesehen. Darum sorgte ein Nackedei bei den Academy Awards von 1974 auch für einen handfesten Skandal …
Fünf Sekunden Ruhm: Bei der Live-Übertragung rannte ein gewisser Robert Opel splitterfasernackt hinter Moderator David Niven über die Bühne. Der Engländer kommentierte dies trocken und sehr britisch: „Ist es nicht faszinierend, dass der einzige Lacher, den dieser Mann in seinem Leben je ernten wird, daher rührt, dass er sich auszieht und aller Welt seine ­Mängel zeigt?“ Nivens Schlagfertigkeit war allerdings wohlüberlegt. Da in den 70er-Jahren ­sogenann­te „Flitzer“ gern und häufig auf großen Veranstaltungen zeigten, was sie (nicht) haben, kalkulierten die Produzenten der Show eine solche Störung ein – und sprachen mit Niven einen mög­lichen Kommentar ab. 

1940 Die erste farbige Gewinnerin

„Vom Winde verweht“ sackte zehn Oscars ein. Keiner aber sorgte für so viel Aufsehen wie der für Hattie McDaniel, die als beste weibliche Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde: McDaniel­ war die erste Afroamerikanerin, die ­einen Oscar gewann – und das mitten in der Zeit der strikten Rassentrennung. Für die farbige Bevölkerung Amerikas ein Triumph nach einer unfassbaren Diffamierung: Zur Premiere von „Vom Winde verweht“ in Atlanta im Dezember 1939 waren alle Beteiligten, sogar unbedeutende Statisten eingeladen – jedoch keiner der afroamerikanischen Darsteller. Ein schwarzer Schauspieler gewann erst 24 Jahre später wieder einen Oscar: Sidney Poitier. 

1990 Die älteste Oscar-Siegerin 

Die gebürtige Britin Jessica Tandy war stolze 80 Jahre alt, als sie den Academy Award als beste Hauptdarstellerin für „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ gewann. Vier Jahre später starb sie. Aber sie ist bis heute die älteste Oscar-­Siegerin. 

1935 … und die jüngste!

Und noch ein Rekord, der bis heute ungebrochen ist: Im zarten Alter von sechs Jahren wurde der Kinderstar Shirley Temple mit einem Sonder-Oscar geehrt. Kein Wunder: Von 1935 bis 1938 war sie der umsatzstärkste Star an den US-Kinokassen. 

1973 Eine Indianerin für den „Paten“ 

Auch wenn die Verleihung eine reine Unterhaltungsshow ist: Immer wieder wird die Oscar-Bühne für politische Statements benutzt – unter anderem von dem Dokumentarfilmer Michael Moore, der 2003 lauthals gegen seinen Präsidenten George W. Bush wetterte. Für einen Skandal sorgte auch Marlon Brando, der seinen Oscar für die beste Hauptrolle in „Der Pate“ verweigerte und eine Apache-Indianerin namens Sacheen Littlefeather zur Verleihung schickte. Sie trug die typische Stammeskleidung und verlas eine Erklärung, mit der Brando gegen die Diffamierung der Indianer in den USA protestierte. Später stellte sich heraus, dass die „Indianerin“ die Schauspielerin Maria Cruz war. Der Oscar wurde Marlon ­Brando dennoch zuerkannt. 

1939 Sieben auf einen Streich 

Einzigartig bei den ­Oscars: Für „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, den ersten Zeichentrick-Spielfilm, bekam Walt Disney einen Sonderpreis. Der bestand aus einem „normalen“ und sieben ­Mini-Oscars. 

1999 Im Meer der Tränen 

Man streitet ­heute noch darüber, ob  Gwyneth Paltrows Oscar für „Shakespeare in Love“ wirklich gerechtfertigt war. Tatsache ist aber: Gwyneth bescherte uns damals die hysterischste Dankesrede und den legendärsten Heulkrampf der Oscar-Geschichte. 

1995 Ein wahrer Held 

Als „Superman“ (1978) wurde Christopher ­Reeve berühmt, seit einem Unfall im Jahr 1995 war er gelähmt. Sein Auftritt bei den Oscars, bei dem ihn das Publikum mit stehenden Ovationen begrüßte, rührte die Welt zu Tränen. Reeve starb neun Jahre später.  

2007 Ein später Triumph 

Sechsmal war er übergangen worden. Martin Scorsese, 66, war für Filme wie „Wie ein wilder Stier“ oder „Goodfellas“ nominiert. 2007 gewann er – als bester Regisseur für den Thriller ­„Departed – Unter Feinden“. Als seine drei besten Freunde auf die Bühne kamen, wusste der Saal: Scorseses Stunde hatte geschlagen. Endlich.