Germanys Next Topmodel: Steht die Siegerin schon fest?

Skandale, Psychoterror und ständig neue Regeln

Germany's Next Topmodel - Der bittere Konkurrenzkampf vor der Kamera geht weiter. Doch der Klum-Clan hat bereits eine Kandidatin auserwählt - lange vor der Show!

Doch sind es nur kleine Wölkchen, die den ansonsten so klaren Himmel über „Germany’s Next Topmodel“ trüben. Doch daraus könnten schnell dunkle Gewitter­wolken werden, denn die Erfolgsshow von ­Heidi Klum, 35, steht immer mehr im Kreuzfeuer der Kritik. Nicht nur, dass professionelle­ Modelagen­turen es immer vehementer als „fernab der Rea­lität“ verteufeln, was Klum und ihre Jury den Kandidatinnen mit den „Challenges“ oder dem inszenierten Psychostress zumuten (OK! berichtete).

Jetzt erhitzt eine Neuigkeit die Gemüter, die sich als handfester Skandal erweisen könnte. Obwohl aktuell noch 13 Mädchen um den Titel „Germany’s Next Topmodel“ kämpfen, verdichten sich Gerüchte, dass die Siegerin schon längst feststeht. Und das soll Marie Nasemann, 19, aus München sein.

Die dunkelhaarige Schöne, die beim „Eis-Shooting“ von der Jury verzückt als „Hollywood-Diva“ gepriesen wurde und in der letzten Folge das erste professionelle Fotoshooting gewann, wird aber nicht aus diesen offensichtlichen Gründen als Favoritin gehandelt … Eine gewisse Anneli Wilden hat sich schon im vergangenen Jahr die Internet-Domain www.marienasemann.de gesichert. Und zwar lange, bevor überhaupt offiziell feststand, dass Marie zu den 16 Auserwählten gehört, die mit Heidi nach Los Angeles fliegen dürfen.

Auch die Domains weiterer Finalistinnen, unter ihnen Maria Beckmann und Sara Nuru, gehören seit Dezember der gleichen Dame. Die kommt übrigens aus Bergisch Gladbach und ist keine Unbekannte. Im Gegenteil: Anneli Wilden ist die Patentante von Heidi Klum. Wahrlich nicht das erste Mal, dass ihre Familie im Hintergrund die Fäden zieht: Schon bei den vorherigen Staffeln hat ihr Vater und Manager Günther Klum ­frühzeitig die Rechte über die Domains der vielversprechendsten Mädchen übernommen.

Angeblich, „um uns vor Leuten zu schützen, die unerlaubt mit unserem Namen werben wollen“, verrät Ex-Kandidatin Fiona Erdmann, 20, die in der zweiten Staffel teilnahm. ­„Komisch war nur, dass man von www.fiona
erdmann.de sofort auf die offizielle Homepage von Bergisch Gladbach, www.02202.com, geleitet wurde. Das war bei den Namen der Mädels aus der letzten Staffel noch so.“ Und siehe da: Unter ­www.janinaschmidt.de­­ landet man automatisch auf der Seite von Klums Heimatort. Die Familie herrscht übrigens nicht nur über die Internetseiten, sondern auch über die Karriere der Model-Aspirantinnen: Die Finalistinnen bekommen nämlich keinen Modelvertrag mit der Agentur IMG mehr, aber dafür einen mit der Heidi Klum GmbH, deren Geschäftsführer Günther Klum ist.

Der ist allerdings kein Mitglied im Verband lizenzierter Modelagenturen. Fragt sich also, wie professionell diese Agentur überhaupt arbeiten kann …
Klums Kontrolle wirkt sich bei Weitem nicht nur auf das Geschäftliche aus: Auch der Kontakt der Mädchen zur Außenwelt ist reglementiert. Ihre Handys mussten sie, obwohl sie sich weit weg in Los Angeles ihren Prüfungen stellen, alle noch in Deutschland abgeben.

Keine neue Prozedur: „Uns wurden die Telefone damals ohne Vorwarnung abgenommen. Ich konnte gerade noch meinem Freund eine SMS schicken, damit er sich keine Sorgen macht“, erinnert sich Fiona, die damals Vierte geworden ist. Sicher: Es sollen keine Informationen ausgeplaudert werden, doch die Regel, niemals frei reden zu dürfen, kann jungen Mädchen das Leben zur Hölle machen. Das bestätigt auch Fiona: „Es gibt nur ein Telefon in einem gesonderten Raum. Und es ist Pflicht, vor dem Anruf die Kamera einzuschalten.“ Den Trick, einfach zu „vergessen“ die Kamera zu aktivieren, haben in der zweiten Staffel einige Mädchen probiert: „Das gibt Ärger, und das Gespräch wird trotzdem aufgezeichnet. Sich am Telefon richtig über die Show auszulassen, ist natürlich tabu!“

Einige der Anwärterinnen auf den Titel „Germany’s Next Topmodel“ sind erst 16 Jahre alt. Wie Sarina, der man anmerkt, wie sehr sie den Zuspruch ihrer Familie und Freunde braucht – und nicht bekommt! Stattdessen kassiert sie Kommentare von der Jury, die schon dem Zuschauer weh tun: „Du bist eben ein Tollpatsch“, monierte Heidi. Dass solche Sprüche Konsequenzen für die Psyche einer 16-Jährigen haben, ist den Machern der Show offensichtlich egal. Die von der Jury als „Bauerntrampel“ gedisste Johanna ist von ihnen längst nach Hause geschickt worden. Jessica durfte bleiben. Obwohl die 21-Jährige nur schlecht Englisch spricht und dafür von Heidi & Co. vor laufender Kamera nach Herzenslust vorgeführt und blamiert wurde.

Für Kritiker natürlich ein gefundenes Fressen. Zu Recht: Schließlich soll Heidis Show die Mädchen doch auf das Leben auf dem Laufsteg vorbereiten. Doch keine Model­agentur, die ihre Mädchen allein nach Paris, Mailand oder New York schickt, nimmt ihnen die ­Handys weg. Kein Modelagent, der ernsthaft daran interessiert ist, ein junges Mädchen zu fördern, baut sich wie die „Germany’s Next Topmodel“-Jury vor ihm auf, um zu lästern: „Du bist einfach langweilig.“ In der vorletzten Folge kassierte Daphne diesen Spruch. Auch sie ist mittlerweile wieder zu Hause – und es ist ihr zu wünschen, dass sie sich die „Kritik“ nicht zu sehr zu Herzen nimmt.

Übrigens: Auch Heidi Klum war zu Beginn ihrer Karriere kein Energiebündel. Als sie 1992 den „Model of the year“-Wettbewerb gewann, fanden sie viele eher farblos und unglamourös. Dass sie heute zu den bestbezahlten Werbefiguren der Welt gehört, hat sie sich natürlich über Jahre erarbeitet. Vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Mädchen, die Heidi in ihrer Show als „langweilig“ ab­gestempelt hat.

Kathrin Kellermann