Mario Barth liebt Frauen und hasst Schnösel

Ich bin ein Frauenfreund

Deutschlands erfolgreichster Comedian Mario Barth zeigt im OK! Interview eine ganz neue Seite. Und rechnet mit Kritikern ab - und mit Schnöseln...

Er hat einiges nachzuholen. Als Schüler einer katholischen Privatschule hatte er nicht viel zu lachen. Heute ist Mario Barth, 36, der Spaßmacher der Republik. Letzten Sommer erreichte die Berliner Schnauze den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere. Mit dem Bühnenprogramm „Männer sind primitiv, aber glücklich!“ knackte er einen Weltrekord. Er unterhielt 70 000 Fans im Berliner Olympiastadion mit Geschichten aus dem Alltag mit seiner Freundin, der Marketingfachwirtin Paula. Im Interview mit OK! plaudert er auch über sie, seinen neuen Kinofilm „Männersache“ (ab 19. März im Kino) und ein bisschen aus dem Nähkästchen …

In Ihrem Film geht es um einen Komiker, der erst Erfolg hat, als er Witze über seinen Kumpel und dessen Freundin macht. Ist das autobiografisch?
Zum Teil. Er erzählt ein bisschen aus meinem Leben und dem von Dieter Tappert (bekannt als Paul Panzer; Anm. d. Red.), mit dem ich seit elf Jahren gut befreundet bin. Wir hatten uns schon vor langer Zeit versprochen, dass, wenn einer von uns mal einen Kinofilm macht, er den anderen dann mitnimmt. Und natürlich haben wir die Geschichte auch autobiografisch unterfüttert. Zum Beispiel die Szene, in der ich auf der Bühne stehe, einen Witz erzähle und niemand lacht. Totenstille! Das war die Hölle.

Da muss jeder Komiker einmal durch, oder?
Sicher. Diese Angst hat jeder von uns. Ich erinnere mich noch gut, wie ich vor Jahren in einem Hamburger Theater aufgetreten bin und über eine Stunde keinen Lacher hinbekommen habe. Eine Stunde lang starrten mich 30 Leute an. In der Pause wollte ich ihnen schon ihr Geld zurückgeben und mich verabschieden. Aber mein kleiner Bruder, der schon von Anfang an dabei ist, sagte: „Nee, das ziehen wir jetzt durch!“ Und ich dachte: Ich bekomme 300 Mark Gage. Die gebe ich nicht zurück. Am Ende wurde geklatscht, und alle fanden es toll. Ich habe nichts mehr verstanden! Aber das war eben die hanseatische Art. Mittlerweile spiele ich in Hamburg in Stadien, und 12 000 Leute machen eine La-Ola-Welle.

Das Thema Frauen spielt dabei eine große Rolle …
Stimmt. Aber darauf bin ich rein zufällig gekommen. Als ich eines Tages zu einem Rundfunksender zum Soundcheck kam und auf meinen Auftritt wartete, habe ich Geschichten aus meinem Leben erzählt. Ungefähr so: „Meine Freundin sagt: ‚Wir können jetzt gehen!‘ Ich zieh mir also die Jacke an. In der Wohnung sind es ungefähr 2 000 Grad, weil die Heizungen natürlich volle Möhre aufgedreht sind. Denn wenn ihr zu warm ist, macht sie ja nicht die Heizung aus, sondern reißt die Fenster auf. Ich stehe also im Flur mit Daunenjacke und Schal – draußen sind minus 30 Grad. Nach zwei Stunden hatte ich durchs Schwitzen bestimmt 80 Kilo abgenommen.“ Ich habe nur meinen Frust rausgelassen. Erzählte weiter: „Da kommt sie gestern nach Hause, hat mit dem Auto einen Poller gerammt und gesagt: ‚Dafür kann ich nichts. Ich habe den Poller da nicht hingestellt!‘“ Und die Leute haben lauthals gelacht. Da wusste ich: Dat isses!

Und Sie fingen an, Ihr Privatleben auszubeuten.
Ich war mir plötzlich sicher, dass die Leute das hören wollen. Und das wirklich Private wird nicht erzählt. Das hat was mit Respekt gegen­über der Freundin zu tun. (schmunzelt).

Trotzdem machen Sie gern Witze auf Kosten von Frauen.
Und Männern! Ich nehme mich dabei doch vor allem selbst auf den Arm. Ich bin ein großer Frauenfreund. Und gebe gern zu: Wir Männer sind – im Vergleich zu Frauen – einfacher gestrickt. Schenkt uns im Winter eine Carrera-Rennbahn und im Sommer einen Grill, und wir sind glücklich.

Sind Sie auf der Bühne Sie selbst?
Ja. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich so erfolgreich bin. Es wäre mir auch zu stressig, vorzugeben, ein anderer zu sein. Privat habe ich aber noch andere Facetten: Ich interessiere mich sehr für Politik, Wirtschaft, Umwelt, ich liebe Kunst. Ich reise gern und bin neugierig auf fremde Kulturen. Aber dieser normale Kerl auf der Bühne, das bin hundertprozentig ich.

Kritiker werfen Ihnen Schlichtheit vor …
(lacht) Vor Kurzem habe ich gelesen, ich sei was für die Arbeiterschicht. Da dachte ich: Pass mal uff, du Schreiberling. Du wohnst in einem Haus, das haben Maurer, Parkettleger und Gas-Wasser-Installateure gebaut. Das sind alles Arbeiter!

Sie selbst sind mittlerweile Multimillionär.
300 Trillionen habe ich, mindestens! Im Ernst: Durch den Film, die Tour, die TV-Shows haben viele Arbeit. Allein durch die Tour haben 50 Leute ein geregeltes Einkommen. Das ist eine große Verantwortung.

Hat Sie Ruhm und Reichtum verändert?
Nein. Wirklich nicht. Ich wollte heute zum Beispiel in einem Restaurant ein Filet mit Spinat haben. Da kam der Koch mit einem „Gruß aus der Küche“. Kenn ich nicht. Bei uns in Berlin-Kreuzberg gab’s dann einen vor den Kopf. Er sagte, das sei Hummer an einem Schaum von, um, in einer Variation … Da sagte ich: „Ess ick nich!“ Nur weil ich erfolgreich bin, muss ich keinen Hummer essen. Ich esse Currywurst oder Bohnensuppe von meiner Mutter – mit Dosenfleisch.

Also wartet draußen kein Chauffeur auf Sie?
Wie bitte?! Ich war kürzlich in Wien, da haben meine Freundin und ich nicht mal ein Taxi genommen. Stattdessen sind wir Straßenbahn gefahren. Das Ticket hat 2,20 Euro gekostet.

Es scheint, als könnten Sie für abgehobene Leute nicht viel Sympathie aufbringen.
(lacht) Wie recht Sie haben! Ich hasse Leute, die immer denken, sie wären etwas Besseres.

Ärgert Sie es, wenn Kollege Oli Pocher Sie veralbert?
Nein, der muss ja auch von was leben. Der hat eine teure Freundin. Wenn Parodien gut sind, finde ich das super. Otto macht mich toll nach.

Was ist Ihr Lebensmotto?
Das Leben ist schön – man muss nur daran teilnehmen.

Ulrich Lössl