Take That: Unsere Kinder sind fast überall dabei

Sie würden alles wieder so machen

Beim Videodreh zur neuen "Take That"-Single "The Garden" erzählten uns die vier Sänger von einem Leben zwischen Familie und Showbühne.

Jemand ruft „Delay“ (dt. Verspätung) über den Innenhof des Old Royal Naval College in Greenwich bei London. Kein gutes Zeichen, schließlich kommt es bei einem Videodreh auf genaues Timing an. „Alles läuft super“, beruhigt Take-That-Bandmitglied Gary Barlow, 38. „Ach ja? Du warst doch noch gar nicht dran“, schaltet sich Kollege Jason Orange, 38, ein. „Ja, gerade deswegen“, entgegnet Gary und dreht sich lachend weg: „Ich muss dann mal.“ Der Spaß an der Arbeit geht ihnen auch im Stress nicht verloren.

Zwischen altehrwürdigen Gemäuern und Säulengängen stehen Kameras und Scheinwerfer. Techniker mit Werkzeuggürteln sorgen für schnelle Kulissenumbauten. Ein Fernsehteam wartet im Nieselregen auf ein Interview mit den vier Jungs. „Manchmal ist es schon schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen“, gesteht Howard Donald, 40, zweifacher Vater. „Man muss sich seine Zeit und Kraft gut ­einteilen und versuchen, seiner Familie und der Musik gerecht zu werden“. Gary, selbst Vater von drei Kindern, merkt an: „Das Gute ist, dass unsere Kids fast überall dabei sein können. Auf Tour sind sie oft backstage und spielen ­miteinander.“

Und schon geht es weiter. In der Ecke einer steinernen Veranda dröhnt aus einem ramponierten Ghettoblaster „The Garden“, die neue Single, zu der hier das Video gedreht wird. „Auf die Plätze!“, schreit der Regisseur – denn auch die Komparsen im Hintergrund müssen den Szenenstart mitbekommen. „Kamera läuft. Und Action!“ Gary sitzt auf der Balustrade und singt inbrünstig Playback zu den blechernen Tönen der Musikanlage. „Wir lieben nun mal die große Show“, witzelt Mark Owen, 37. „Wenn auch nur in der Musik und auf der Bühne“. Privat sei er ein Familienmensch, erzählt er noch, bevor er von einer Schimpftirade unterbrochen wird.

„Stooopp! Was macht der Typ da hinten?“, brüllt der Regisseur. „Ich glaube, der entleert die Mülltonnen“, entgegnet seine nervöse Assis­tentin. Wütend stapft er in Richtung des Arbeiters. In der Zwischenzeit gehen alle zurück auf ihre Ausgangspositionen, während eine Visagistin Gary noch einmal abpudert und den korrekten Sitz seiner Frisur überprüft. Ob er nach 20 Jahren im Showgeschäft nicht langsam die Nase voll von so etwas hat? „Absolut nicht! Wir hatten vor unserer Trennung eine großartige Zeit und nach der Wiedervereinigung von Take That sowieso“, stellt Gary klar. „Natürlich muss man sehr diszipliniert sein und auf manches verzichten. Aber ich würde alles noch einmal so machen“. Das glauben wir ihnen sofort, denn wenige Minuten später geht die gleiche Szene zum sechsten Mal von vorn los.

Anna-Julia Meyer