Muss Verona jetzt ins Gefängnis?

Verdacht auf Steuerhinterziehung

Tag der Abrechnung. Werbe-ikone Verona Pooth ist im Visier der Fahnder: Verdacht auf Steuerhinterziehung! Darauf droht im schlimmsten Fall sogar Gefängnis.

Eigentlich wollten sie diese Wochen nutzen, um endlich wieder durchzuatmen. Um den Stress und den emotionalen Druck des vergangenen Jahres abzuschütteln, unter dem Verona und ­Franjo Pooth standen, seit seine Firma Maxfield Insolvenz anmelden musste. Doch keine vier Wochen, nachdem der 39-Jährige wegen Bestechung, Untreue und fahrlässiger Insolvenzverschleppung zu einem Jahr Haft auf Bewährung und 100 000 Euro Strafe verurteilt wurde, steht die Familienidylle wieder auf der Kippe.

Und diesmal wegen Verona selbst. Denn seit der überraschenden Razzia in der Pooth-Villa in Meerbusch bei Düsseldorf und den Büroräumen ihrer Firma Verona’s Dreams vergangene Woche steht die Werbe-Ikone im Visier der Steuerfahnder. Und die gehen derzeit nicht zimperlich mit Steuer­sündern um, wie der Fall des ehemaligen Post-Chefs Klaus Zumwinkel zeigt: Der wurde im Januar wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldstrafe von einer Million Euro verurteilt.

Eine „glimpfliche“ Strafe, weil der Top-Manager letztendlich bei der Aufklärung des ­Skandals geholfen hatte. Steuerbetrügern droht in Deutschland Gefängnisstrafe. Und gegen Verona Pooth wird tatsächlich wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittelt, wie der zuständige Oberstaatsanwalt Michael Marx-Manthey gegenüber OK! bestätigt. Bei der Durchsuchung sind auch „Unterlagen für weitere Untersuchungen gefunden worden“, fügt er hinzu. Was er jedoch nicht beantworten kann ist, wann die Ermittlungen beendet sein werden und welche Folgen das für Verona hat: „Es ist noch zu früh, um über Strafen zu reden“, wehrt Marx-Manthey ab.

Aber so, wie sich Verona dieser Tage gibt, glaubt sie nicht an eine Strafe. Nicht eine Sorgenfalte zeigt sich auf ihrer Stirn, und statt nervös zu werden wegen der Fahnder, die ihr Haus durchwühlten, plaudert sie gewohnt locker und lässig. Erzählt gar lächelnd, dass sie mit den Beamten „Kaffee getrunken“ habe. Verona hat sich laut eigenen Aussagen nichts vorzuwerfen. „Ich habe in keinster Weise Steuern hinterzogen oder Gelder ins Ausland transferiert“, sagte sie kurz nach der Razzia in einem TV-Interview. Offensiv stellte sich Verona der Öffentlichkeit zu einem Zeitpunkt, an dem andere Leute erst mal abgetaucht wären, um ihre flatternden Nerven zu beruhigen. Doch die 40-Jährige beharrt darauf, dass es sich um einen Irrtum handelt: Eine Buchung über Manager-Provisionen im Jahr 2003 sei von den Behörden „einfach falsch gewertet worden“.

Eine Aussage, die bei Steuerexperten jedoch nur ein müdes Lächeln hervorruft. „Die Staatsanwaltschaft würde sich nicht so aus dem Fenster lehnen, wenn sie keinen begründeten Verdacht hätte“, sagt ein Fachmann, der namentlich nicht genannt werden möchte. Bestätigt ist, dass auch die Büroräume von Veronas Manager Alain Midzic, 40, von den Fahndern durchsucht wurden. Außerdem soll laut Staatsanwaltschaft geklärt werden, ob „bestimmte Zahlungen als Betriebsausgaben tatsächlich absetzbar waren.“

Halb Deutschland verfolgt die jetzt folgenden Untersuchungen mit gemischten Gefühlen: Die einen wollen dem ewig lächelnden Werbestar seine Unschuld unbedingt glauben, andere äußern sich in Internet-Foren wenig freundlich. Auch das dürfte Verona mittlerweile bewusst sein. Wie hält sie diesen Druck aus? „Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, haben Leute in ihrem privaten Umfeld, bei denen sie die Masken fallen lassen und sie selbst sein können“, weiß der Psychologe Michael Thiel. „Sie haben meist ein intaktes Netzwerk aus Familie und Freunden, das sie auffängt.“

Trost hilft Verona jetzt aber nicht weiter. Unklar ist, wie es mit ihrer Karriere weiter­gehen wird. Sie selbst behauptet zwar selbstbewusst, dass ihr Werbewert seit dem Skandal um ihren Mann eher noch gestiegen sei, aber die Realität sieht anders aus: Ihr Vertrag mit dem Lebensmittelkonzern Schwartau ist „planmäßig Ende Februar 2009 nach guter und erfolgreicher Zusammenarbeit ausgelaufen“, erklärt Unternehmenssprecherin Stephanie Tron auf Anfrage von OK!. Sie fügt allerdings hinzu: „Eine Verlängerung des Vertrags mit Frau Pooth ist in naher Zukunft nicht angedacht.“ Zurückhaltend gibt sich auch die Münchner Bierbrauerei Paulaner, die einen TV-Spot mit Verona gedreht hat. Der Sendetermin sei noch geheim, heißt es. Oder wurde er abgesagt?

„Erst mal abwarten, was passiert“, ist offensichtlich die Devise der Entscheider. Abwarten, ob Verona, die „Sauberfrau“, ihren guten Namen retten kann, mit dem sie in der Werbung Millionen verdiente. Doch ein Image-Schaden könnte ihre Karriere für immer beenden. Denn ohne Verträge verdient Verona auch kein großes Geld mehr. Spätestens dann würde sich zeigen, wie krisenfest die 40-Jährige ist, die Ehemann Franjo in seiner schwersten Zeit stets zur Seite gestanden hat.

Jetzt muss er der Fels in der Brandung sein, der ihr den Rücken stärkt. Eine Belastung, die eine intakte Ehe aber durchaus aushalten kann: „Wenn ein Paar schon Krisen gemeinsam gemeistert hat und beide wissen, dass sie einander vertrauen können, dann schaffen sie es auch durch eine so schwere Phase“, erklärt Psychologe Michael Thiel. Wichtig sei nur, „wie offen und ehrlich beide miteinander umgehen. Denn eine Krise ist ein Beziehungstest, der zeigt, wie weit ein Paar gehen kann, bevor die Beziehung zerbricht.“ Erst danach sei die große Aufgabe, aus der Krise zu lernen und sich die Frage zu stellen: „Was muss ich ändern, damit mir so etwas nicht noch einmal passiert?“

Im Krisenmanagement ist das Paar mittlerweile bewährt. Noch scheint die Beziehung stabil zu sein. Selbst nach Franjos Verurteilung sagte Verona: „Er hat als Unternehmer Schiffbruch erlitten, aber nicht als Ehemann.“ Eine Liebe, die Kraft gibt.

Kathrin Kellermann