Gekauftes Glück - Wie sich Stars den Traum vom Baby erfüllen

Letzter Ausweg Adoption

Immer mehr Stars suchen sich ihren Nachwuchs selbst aus. Oft adoptieren sie aus fragwürdigen Gründen und schaden den Kindern mehr, als ihnen zu helfen. Was ist dran am Baby-Shopping?

Hollywood im Adoptionsfieber. Doch man wird das Gefühl nicht los, dass die Waisenhäuser der Dritte-Welt-Länder in Afrika und Asien zu Warenhäusern verkommen. Im 21. Jahrhundert gleicht das Adoptieren einem Einkauf. Der prominente Nachwuchs kommt nicht mehr über den Geburtskanal, sondern mit dem Privatjet. Adoptionsprofis wie Angelina Jolie, 33, und Madonna, 50, rühmen sich mit Bildern aus exotischen Ländern und halten farbige Kinder auf dem Arm wie andere die Handtasche eines angesagtesten Labels.

An Adoptionen aus Mitgefühl oder um zu helfen denkt dabei kaum noch jemand. Als Angelina 2001 den kleinen Maddox, heute 7, aus Kambodscha zu sich holte, wurde ihr unterstellt, sie würde damit nur ihr Image aufpolieren wollen. Damals galt die Schauspielerin noch  als die Königin der Extreme, experimentierte mit Drogen und sprach offen über bizarre Sexspiele mit ihrem damaligen Mann Billy Bob Thornton, 53. Durch die Adoption wurde sie über Nacht zur Hollywood-Heiligen. Ein paar Monate später ließ sie sich von Billy Bob scheiden und bekam ihr Leben wieder in den Griff. Die inzwischen dreifache Adoptivmutter soll wieder kurz davor sein, ein weiteres Kind aus einem Waisenhaus zu „retten“. Bei der Oscar-Verleihung im Februar verriet Angelina: „Wahrscheinlich werden ich und Brad bald ein Kind aus Indien adoptieren.“

Nicht selten geraten Stars mit ihren ­Adoptionswünschen ins Visier von Kinderschützern. Denn Singles und unverheiratete Paare­ haben unter normalen Umständen kein Anrecht auf ein Adoptivkind. Für Prominente werden diese strengen Vorgaben jedoch immer öfter gelockert. „Internationale Adoptions­agenturen und Waisenhäuser, die Kinder an wohlhabende Eltern vermitteln, bekommen viel Geld“, rügt Kathrin Wieland, Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland e. V., im Gespräch mit OK!. Geld, das sinnvoller eingesetzt werden könne. Zum Beispiel, um bedürftige Familien in Entwicklungsländern davor bewahren zu können, ihre Kinder aus finanzieller Not in ein Waisenhaus zu geben.

"Adoptionsagenturen profitieren dort von der Kindervermittlung. Ohne sicherzustellen, dass Kinder auch tatsächlich für eine Adoption geeignet sind oder dass die neuen Eltern über Monate überprüft werden“, so Wieland. Und tatsächlich: Erst kürzlich witzelte Brad Pitt, 45, über das Adoptionstempo in seiner Familie: „Wir machen im Durchschnitt zwei pro Jahr, also sind wir jetzt schon überfällig, oder?“ Kein Scherz sind allerdings Blitz-Auslandsadoptionen. Auffällig oft werden Kinder aus den ärmsten Regionen der Welt adoptiert – dort, wo man für Geld alles kaufen kann. Experten mutmaßen, dass bis zu einem Drittel aller Auslandsadoptionen privat ablaufen. Es werden keine Anträge bei staatlichen Vermittlungsbehörden gestellt, sondern regelrechte Castings durchgeführt: Zuschlag für den Meistbietenden. „Ich habe zehn Jahre vergeblich versucht, ein Kind aus den USA zu mir zu holen“, rechtfertigt auch Meg Ryan, 47, die ­Adoption ihrer Tochter Daisy, 4, aus China.

Für viele Stars ist eine Adoption der letzte Ausweg in Sachen Familiengründung. „Australia“-Star Hugh Jackman, 40, und seine Frau Deborra Lee-Furness, 48, können keine leiblichen Kinder bekommen. Nach Fehlgeburten, Hormontherapien und misslungenen künstlichen Befruchtungen nahmen sie 2000 das erste ihrer zwei Kinder Oscar, 8, und Ava, 3, bei sich auf. „Guck mal, wer da spricht“-Star Kirstie Alley, 58, und Parker Stevenson, 56 („Baywatch“), adoptierten nach einer Fehl- und einer Totgeburt ebenfalls zwei Kinder. Der Sängerin Sheryl Crow, 47, fehlte dagegen ein Mann zum Babyglück – auch sie adoptierte und ist heute alleinerziehende Mutter.

Und Hollywood-Star Diane Keaton, 63, gestand einmal: „Als mein Vater starb,
habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen.“
Adoption als Trostspender – wer denkt da noch ans Kind? „Den Dritte-Welt-Kindern ist mit einer­ Spende mehr geholfen“, appelliert Kathrin Wieland von Save the Children und kritisiert damit Adoptionsaktivisten wie Woody ­Allen, 73, und dessen Ex-Frau, die Schauspielerin Mia Farrow, 64. Das Paar adoptierte insgesamt elf Kinder. Mit seiner heutigen Frau Soon-Yi ­Previn, 35, die eigentlich Allens älteste Adoptivtochter ist, adoptierte der Regisseur nochmals zwei Kinder.

Auch Angelinas Bruder James Haven Voight kündigte an: „Brad und Angelina werden weiter adoptieren, so lange sie dazu in der Lage sind.“ Sie sinnieren oft darüber, dass es noch so viele Kinder gebe, denen sie das Leben retten können. „Für Kinder überall auf der Welt ist es am besten, wenn sie bei ihrer Familie in ihrer Heimat aufwachsen. Oft haben Kinder, die in Waisenhäusern leben, noch Familien­angehörige, die sich um sie kümmern können“, lenkt Kathrin Wieland ein. Doch dafür fehlt ihnen das Geld, das reiche Promis zahlen. Ein Teufelskreis. „In einigen Ländern sind Adop­tionen zu einem Riesengeschäft geworden“, sagt Wieland. Und in diesem Geschäft mischt Hollywood mit – zu Spottpreisen.

Meike Rhoden