Bora Dagtekin - 'Ich meine es sehr ernst mit Komödien'

Der 'Fack Ju Göhte'-Star im Interview über 'GZSZ', Elyas M'Barek und Bora Bora

Bora Dagtekin ist nett... zu seinen Fans und... zu Katja Riemann... und besonders zu Karoline Herfurth und Elyas M'Barek

"Fack Ju Göhte" ist auf dem besten Weg, der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten zu werden (der erfolgreichste dieses Jahres ist er, trotz des späten Starttermins am 7. November, jetzt schon) und ist damit erneut ein riesiger Erfolg für den Drehbuchautor Bora Dagtekin, der schon "Doctor's Diary" und "Türkisch für Anfänger" schrieb. OK! Online sprach mit dem witzigen 35-Jährigen über diesen immensen Erfolg, Auszeiten, Jeanette Biedermanns Gesang bei "GZSZ" und wie er seine Dauerbegleitung der letzten Wochen, Elyas M'Barek, 31, eigentlich kennenlernte:

Lieber Bora, Glückwunsch zum Erfolg von "Fack ju Göhte"! 3 Millionen Zuschauer!

Vielen Dank! Wir freuen uns riesig! Inzwischen sind es glaube ich schon fast 4 Millionen und es ist unglaublich toll, dass so viele Leute den Film mögen. Auch Lehrer! Vielen Dank an alle Zuschauer! 

Bora, warst du schon mal auf Bora Bora? 

Nein, aber ohne Witz - das steht ganz oben auf meiner To-Do-Liste: ein Foto vorm BoraBora-Ortsschild machen. Falls die so was haben. Sonst nehme ich ein Schild mit und jage das persönlich in den Strand neben eine Palme.

Hast du schon neue Projekte oder nimmst du dir jetzt eine Auszeit?

Ich weiß gar nicht, wieso in der Medienbranche immer alle  "Auszeiten" nehmen. Ich würde sagen, ich mache nach 18 Monaten Arbeit mal ganz normalen Urlaub.

Was für Projekte sind im Anmarsch?

Mal gucken, ich will noch nicht zu viel verraten und erst mal ein bisschen in Ruhe überlegen, welche Idee am besten ist. "Fack Ju Göhte 2" bietet sich natürlich an. Auf Facebook halten wir immer alle auf dem neuesten Stand. 

Wohin geht dein nächster Urlaub?

Leider nicht nach Bora Bora. Da fliegt man ja ungefähr 98 Stunden. Irgendwohin zum Surfen auf jeden Fall.

Wie lange hast du gebraucht, um "Fack Ju Göhte" zu schreiben?

Gefühlt? Sieben Jahre. Schreiben ist immer ein bisschen langwierig. Aber es waren eher so 7 Monate, glaube ich.

Woher kam die Idee?

Die Produzenten Lena Schömann, Christian Becker und die Constantin Fim wollten wie ich unbedingt einen modernen Schulfilm machen, sozusagen eine Paukerkomödie Reloaded. Die letzte Schulkomödie, in der auch Lehrer erzählt wurde, liegt ja schon zurück. 60er, 70er. Es war also an der Zeit ein neues Franchise zu erfinden. Und Elyas als Anti-Lehrer kam auch sofort gut an. Also haben wir das einfach mal gemacht.

Willst du weiterhin Komödien machen oder auch mal einen ernsten Film?

Ich meine es weiterhin sehr ernst mit Komödien! 

Du warst mal Autor bei GZSZ. Pack mal aus! Wie läuft es da hinter den Kulissen?

Gerade bei einer täglichen Serie arbeiten alle sehr hart und organisiert. Es war eine gute Zeit. Ich erinnere mich daran, dass Jeanette Biedermann bei jedem Geburtstag über den hauseigenen Monitor gesungen hat. Ich glaube, ich hab nie so oft "Amazing Grace" und "Happy Birthday" gehört wie in der Zeit bei GZSZ. Eine echt spannende Zeit, in der ich viel gelernt habe. Vermutlich sogar mehr als auf der Filmhochschule. Kann ich jedem nur empfehlen als Einstieg in den Job. 

Erinnerst du dich noch an die Folge, die du (mit)geschrieben hast? Erzähl mir über eine!

Das ist ja immer Team-Arbeit, in der die Stories entstehen. Die Dialoge entstehen übrigens nicht im Story-Department. Die versauen dann die anderen. ;) Ich glaube, ich hab `ne Kaufsucht-Geschichte angezettelt und ich erinnere mich daran, wie wir Rea Harders Rolle in der Wüste mit Amnesie bei irgendwelchen Nomaden ausgesetzt haben. Damals war das Hausboot auch `ne ganz große Location. Mehr weiß ich gerade nicht mehr. 

Ich hab letztens die Woody Allen Doku gesehen, da hat er einen Haufen Schnipsel voller Ideen gezeigt, die er dann zu einem Ganzen verknüpft. Wie arbeitest du?

Meistens arbeite ich mich von einer High Concept Idee runter. Vom Groben bis ins Feine. Und ich brauche dann schnell die Besetzung, damit ich das auf die Schauspieler passend schreiben kann. Dann überlege ich mir, ob das irgendwer sehen will und wenn es noch zu langweilig ist, ballere ich noch ein paar lustige Szenen rein.

Sind Drehbuchautoren in Deutschland eigentlich auch so unterbezahlt wie in den USA? Dort gab es u.a. bei "Grey's Anatomy" einen Drehbuchautoren-Streik.

Wenn es gut läuft, kann man natürlich besser verhandeln. Aber viele Autoren werden meiner Meinung nach in der Tat zu schlecht bezahlt. In Amerika verdienen Autoren wahnsinnig viel mehr Geld. Wer eine Serie erfindet, die gut läuft, wird mehrfacher Millionär. Das ist hier definitiv nicht so! Die deutschen Sender hypen gute Autoren auch nicht genug. In Amerika werden gute Autoren oft mit guten Verträgen an die networks und Sender gebunden. Das passiert hier leider nicht und gehört sicher diskutiert. Grundsätzlich muss man als Autor immer mehr kämpfen, um gehört zu werden und die Vision, die man mit einem Drehbuch entwickelt, auch bis zum finalen Schnitt betreuen zu dürfen. Das ist nicht immer einfach und man muss zäh sein, damit man sich in dem Job behauptet.

Eine US-Kritik hat Fack ju Göhte zu "Suck me Shakespeer" übersetzt. Liegen schon konkrete Angebote für ein US-Remake vor? Gefällt dir der Titel?

Wer hat sich den eigentlich ausgedacht? Da ist mal wieder was an mir vorbeigegangen! Aber ganz lustig. Eigentlich müsste es doch "Sack mi Shakespeer" heißen, oder? Es gibt glaube ich ein paar Interessenten, aber der Stoff ist ja auch sehr deutsch. Da müsste man noch mal richtig ran, um ihn für den US-Markt zu adaptieren. Ich arbeite sehr gerne für den deutschen Markt und fühle mich hier auch durchaus gewollt.

Was hältst du eigentlich von den ganzen US-Remakes derzeit? 

Ich finde es total in Ordnung, wenn für eine jüngere Generation eine Marke wiederbelebt wird. Kein Teenager holt sich ja gerne irgendwelche staubigen DVDs aus den Videotheken. Und gute Geschichten werden doch auf dem Buchmarkt auch immer wieder neu aufgelegt, mit neuem Cover, oder mit einem neuen Sprecher als Hörbuch. Wieso sollte man im Film nicht auch Stories neu auflegen - nur eben mit den Stars von heute. Finde ich gut.

Wie hast du Elyas überhaupt kennengelernt?

Elyas und ich kennen uns seit der ersten Staffel von „Türkisch für Anfänger“. Als Autor trifft man Schauspieler ja bei Table-Readings, oder besetzt sie mit den Regisseuren für eine Rolle. Alle Schauspieler der Serie sind mir in der Zeit ans Herz gewachsen und ich freue mich riesig, wenn eine oder einer von ihnen wieder irgendwo zu sehen ist.  Ich habe gerade gelesen, dass Pegah in einer ZDF Doku Cleopatra spielt. Super cool. Ich finde aber, dass die ARD mal ein paar mehr Schauspieler aus TFA besetzen könnte. Vielleicht in einem ihrer 498 Tatorte?

Wann kommt endlich "Doctor's Diary"-Nachschub?

Darüber kann ich momentan leider gar nichts sagen. Momentan denken wir darüber nach, was für eine Story sich fürs Kino vielleicht anbieten würde. Im Fernsehen wird es ziemlich sicher nicht weitergehen. Die letzte Staffel hatte ein richtig gutes Ende und wenn man die Marke weitererzählt, muss es wirklich eine perfekte Idee sein. Es soll nichts aufgewärmt werden, nur damit jemand Geld verdient, sondern es muss wirklich richtig gut und erzählenswert sein. Ich glaube, das würden sich auch alle Fans so wünschen. Das ist also die Aufgabe.

Wer sind deine liebsten Drehbuchautoren/Drehbücher?

Da gibt es viele.  J.J. Abrams (LOST, Star Trek und bald Star Wars), David S. Goyer (Batman Begins und Man of Steel), Paul Feig (Freaks and Geeks, beste Serie ever), Richard Curtis (Notting Hill), John Hughes (Home Alone) und David Koepp (Jurassic Park und Panic Room) finde ich z.B. alle ziemlich genial.

Interview: Sladjana Knezevic