Heidi Klum: Getrübtes Babyglück

Große Sorge um ihr Baby

Weil Heidi Klums Vater unter den Folgen eines Schlaganfalls leidet, muss sie sich jetzt allein ums Geschäft kümmern. Mutet sie sich zu viel zu?

Tiefe Sorgenfalten haben sich in ihr Gesicht gegraben. Heidi Klum, 35, Sonnenschein der Nation, Topmodel und hochbezahlter Werbestar, wirkt bei einem Familienstreifzug durchs frühlingshafte New York einmal nicht wie frisch aus einem ihrer TV-Spots entsprungen. Die Anspannung steht ihr ins Gesicht geschrieben, das Energiebündel wirkt ausgepowert und leer. In Jeans und ­Pulli, ungeschminkt und mit Schatten unter den Augen, besuchte sie nach Ostern gemeinsam mit Ehemann Seal, 46, und den Kindern Leni, 4, Henry, 3, und Johan, 2, das Naturkunde­museum. Doch diesmal war die Begeisterung ihrer Kinder für Dinosaurier und Urzeitwesen nicht ansteckend, kein einziges Lächeln huschte über ihre Lippen.

Dabei hätte sie gerade jetzt allen Grund, so richtig glücklich zu sein. Denn Super­model-Mami Heidi ist wieder schwanger, erwartet im Herbst ihr viertes Kind. So hat es Schmuse­sänger Seal bei einem Konzert vor applau­dierendem Publikum in der New Yorker Radio City Music Hall auf der Bühne erzählt und damit aktuelle Gerüchte aus dem Umfeld ihrer „Projekt Runway“-TV-Show bestätigt. Vom vierten ­Monat war da bereits die Rede, weil die Moderatorin der Casting-Show, in der Nachwuchsdesigner gesucht werden, ihre Couture-Roben vorsorglich in Umstandsmode umarbeiten ließ.

Trotzdem ist die rosarote Heidi-Welt gerade alles andere als in Ordnung. Zu groß sind nach dem Schlaganfall des Vaters die Sorgen um seinen Gesundheitszustand, zu viel Verantwortung lastet jetzt auf ihren Schultern. Aber der Reihe nach: Am Wochenende vor Ostern erlitt Heidis Vater, Manager und engster Vertrauter, Günther Klum, 64, einen Schlaganfall. Die Nachricht erreichte Heidi in New York, wo sie die Osterferien mit der Familie plante. Sofort flog sie samt der ganzen Sippe und Mama Erna, die wie so häufig gerade die drei Enkel in den Staaten besuchte, ins heimische Bergisch-Gladbach und eilte ans Krankenbett des Vaters. Dort gab Heidis Tante, Günther Klums Schwester Annelie Wilden, erst mal Entwarnung: Der Schlaganfall sei zum Glück nur leicht gewesen, beruhigte sie die Familie. Günther habe noch leichte Sprachstörungen, einige Probleme mit der Feinmotorik, und die Beweglichkeit sei noch etwas eingeschränkt. „Es geht ihm den Umständen entsprechend gut, “, bestätigt sie gegenüber OK!. Die Familie darf also hoffen, dass sich das Oberhaupt des Klum-Clans vollständig erholen wird. Aber was, wenn nicht?

Günther Klum ist der Mann hinter Heidi: Der strenge Vater der kleinen Tochter, der stolze Erzeuger des blondierten Männertraums, der knallharte Verkäufer der Marke Heidi Klum. Schritt für Schritt hat der gelernte Chemiefacharbeiter die Karriere seiner Tochter begleitet und vorangetrieben, sich immer mehr Einfluss und Mitspracherecht bei ihren Geschäften gesichert. Ohne ihn, den Boss, läuft nichts in seinen beiden Firmen: Die Heidi Klum Vermarktungs-GmbH und der Heidi Klum GmbH & Co. KG, kümmern sich um alle Belange in Zusammenhang mit Heidi.

Dazu gehören lukrative Model- und Werbeverträge u. a. für Victoria’s Secret, Douglas und McDonald’s. Auch für die Produktion ihres ProSieben-Quotenhits „Germany’s Next Topmodel“, der Heidi-Klum-Fanartikel, den Vertrieb ihrer Schmuckkollektion und die Vermarktung der Topmodel-Kandidatinnen. Wurde die Karriere der Siegerin der dritten Staffel, Jennifer Hof, 17, und ihrer Vorgängerinnen noch mit einem Zwei-Jahres-Vertrag mit der Modelagentur IMG auf eine solide Basis gestellt, so haben die Finalistinnen der aktuellen Staffel angeblich Management-Verträge mit Heidis Vater Günther Klum geschlossen. ­Seine Expertise ist klein, aber fein, die Bilanz im Model­geschäft einzigartig. Mit einer Klientin, seiner schönen Heidi, die 1992 selbst mal einen Modelwettbewerb gewann, hat er ein ganzes Imperium geschaffen.

Dafür ist Heidi dankbar, vor allem dafür, dass ihr der geschäftstüchtige Vater den Rücken freihält. Auch wenn er dabei durchaus auch mit raubeinigen Methoden vorgeht und zu Reaktio­nen von unverhältnismäßiger Wucht neigt, wenn etwas nicht so läuft, wie sich Papa Klum das wünscht. Erinnert sei an den Fall eines Arbeitslosen, der Ende letzten Jahres ahnungslos ein älteres Foto der Blondine Heidi aus dem Internet auf einen Disco-Werbezettel druckte und dafür eine Zahlungsaufforderung der Klums in sechsstelliger Höhe erhielt. Aber trotz solcher Aussetzer, die Heidis Arglos-Image ankratzen, verlässt sich das Topmodel auf ihren Vater und vertraut ihm voll und ganz.

Denn Familienmensch Heidi braucht dringend Entlastung, damit sie ihre unzähligen beruflichen Verpflichtungen unter einen Hut bringen kann. Um außerdem noch genügend Zeit für Kinder und Ehemann zu haben, ­eilen auch Mutter Erna und Patentante Annelie gern zu Hilfe. Während Heidis Mutter oft die Nannys bei der Kinderbetreuung unterstützt und den Kleinen bei Reisen um die ganze Welt ­Sicherheit und Geborgenheit bietet, springt ­Annelie im Büro in Bergisch-Gladbach ein, wenn Not am Mann ist. Wie jetzt.

Diesen familiären Einsatz braucht Heidi dringend. Denn trotz Schwangerschaft ist ihr Arbeitspensum im Moment so heftig wie noch nie: In Deutschland bereitet sie das Finale der vierten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ am 21. Mai in Köln vor, das auf Papa Klums Betreiben erstmals als Riesenshow vor 8 000 Zuschauern veranstaltet wird. In den USA startet im Sommer die sechste Staffel von „Project Runway“. Zwischendurch steht sie immer wieder für Magazin-Shootings vor der Kamera, wie zuletzt für die deutsche Ausgabe der „Vogue“, oder erfüllt Verpflichtungen ihrer Werbepartner. Aber spätestens ab dem Sommer sollte sie kürzertreten, um sich selbst und das Baby nicht in Gefahr zu bringen.

In den nächsten Wochen muss sie nun alles ohne Günther Klums Hilfe stemmen. Aber es sieht so aus, als ließe ihn die Vorfreude auf den vierten Enkel schnell wieder gesund werden. Geich nach Ostern wurde er in eine Reha-Klinik verlegt, bestätigt Günther Klums Schwester Annelie Wilden: „Es geht ihm von Tag zu Tag besser.“ Muss es auch, denn gerade jetzt kann er doch Heidi nicht im Stich lassen.

Kati Degenhardt