Barbara Becker: Über Hochzeit und Kinder

Exklusiv-Interview

Zu Hause in Miami Beach präsentierte uns die Pilates-Spezialistin Barbara Becker ihre neue Fitnesskollektion. Und sprach mit uns über das Älterwerden und ihr turbulentes Leben mit Arne Quinze...

Langsam senkt sich am Strand von Miami Beach die Sonne. Der ­Ozean leuchtet türkisfarben, es ist immer noch warm, und das quirlige Leben am Ocean Drive verfällt langsam in eine milde, abendliche Ruhe. Spontan sprintet Barbara Becker einem Football hinterher, den sich ein Vater und sein Sohn zuwerfen. Die 42-Jährige ist schon mittendrin in dem Match, jagt den beiden voller Energie und Kraft die Bälle ab. Interessiert wechselt sie ein paar Worte mit den Fremden und erzählt, dass sie selbst zwei Söhne hat. Im nächsten Moment sprintet sie ins Wasser, klettert auf einen Felsen. Um sie herum wuseln ununterbrochen Kamera­team, Fotografen, Stylisten und Werbefachleute. Die Ex-Frau von Tennislegende Boris Becker präsentiert ihre neue Sportkollektion, die sie für das Sportlabel Venice Beach entworfen hat. Von Stress keine Spur. Barbara strahlt. Seht mich an, scheint sie mit jedem Blick, jeder Bewegung sagen zu wollen: Ich bin glücklich, ich bin selbstbewusst. Ich bin ich.

Sie haben heute zum ersten Mal Ihre Kollektion selbst getragen. Ein gutes Gefühl, oder?
Klar, mein Sohn Noah hat das Logo gerade entdeckt und gesagt: „Cool, da steht ja dein Name drauf!“ Da war ich schon stolz, aber ich habe das lässig heruntergespielt: „Siehst du mal, was die Mama alles so macht!“

Klingt, als wären Ihre Jungs von Ihrem Job als Designerin überrascht.
Ich erzähle zu Hause einfach selten, was ich gerade beruflich mache. Da liegt der Fokus auf den Kindern, da bin ich Mutter mit allem, was dazugehört: Köchin, Putzfrau, Offizier… Dass ich nebenbei kreativ arbeite und Mode entwerfe, haben die Jungs gar nicht wahrgenommen.

Sie haben schon Mode, Interior und Schmuck gemacht. Warum jetzt eine Sportkollektion?
Ich habe bewusst so lange gewartet, bis ich einer Fitnesslinie meinen Namen gebe. Nicht nur, weil ich kreativ viel Einfluss nehmen wollte, sondern weil Sport ein Teil meines Lebens ist: Fitness, Lifestyle, Wellness sind mein Alltag.

Seit wann ist das so?
Ich war ja mit einem sehr ehrgeizigen, höchst disziplinierten Sportler zusammen. Das färbt natürlich ab, wenn einer zwei, drei Stunden täglich trainiert. Da will man nicht faul daneben rumsitzen und zugucken. Regelmäßig Sport mache ich seit der Geburt meiner Kinder.

Ihr Umgang mit Ihren Söhnen ist sehr kuschelig. Woher kommt dieses Bedürfnis nach Nähe?
Wir waren einfach lange eine eingeschworene Dreiergruppe. Wir hatten keine Familie oder Oma hier, die abends kocht. Ich habe zwar Freunde, und Boris kommt auch sehr oft, aber im Großen und Ganzen waren es wir drei.

Sie sind trotz vieler Schlagzeilen glaubhaft, authentisch gelieben. Warum ist das so?
Dass sich andere Frauen mit mir identifizieren können, liegt vielleicht auch an meiner Lebenssituation, an meinem Alter und daran, dass ich meine Söhne allein erziehe und verschiedene Bälle allein jongliere.

Sie wirken glücklicher denn je. Ist Alter für Sie kein Thema?
Es ist eine wunderbare Sache, älter zu werden. Ich lerne immer besser, mich klar auszudrücken und zu sagen, was geht und was nicht. Ich lerne aber auch, meine eigenen Grenzen zu akzeptieren, und ich weiß jetzt, was mich ­glücklich macht.

Wird es nicht eher komplizierter, wenn man ausspricht, was man denkt?
Nein, ich ecke ja sowieso an. Es wird leichter, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin. Das ist eine weitere Erfahrung, die ich mit dem Alter gemacht habe. Ich kann es sowieso nie allen recht machen. Deswegen muss ich versuchen, es erst mal mir selbst und meinen Nächsten recht zu machen.

Ihr Verlobter, der Möbeldesigner Arne Quinze, lebt ja in Belgien …
Dumm, oder? Aber so was kann man sich eben nicht aussuchen. Wir sind froh, dass wir uns haben. Besser so als gar nicht: Daran erinnern wir uns immer, wenn wir einander fehlen. Und irgendwann, in den nächsten paar Jahren, leben wir zusammen, und dann wird’s wunderbar!

Wie meistern Sie Ihre Fernbeziehung im Moment?
Wir sehen uns alle zwei Wochen. Manche Leute behaupten, unsere Beziehung sei gerade deswegen so spannend. Aber ich finde das nicht, im Gegenteil: Ich finde es anstrengend, dass wir uns ständig trennen und einander wieder neu begegnen müssen… Aber wir sind erwachsene Menschen mit Familien. Da ist das eine durchaus lösbare Aufgabe.

Wichtig ist wohl, dass man eine Perspektive hat.
Ja, zumal wir jetzt auch heiraten. Das verändert die Situation. Es wird anders, als sich nur zu sagen: Ach, ich habe da einen Freund in Belgien… Arne wird jetzt mein Ehemann.

Gibt es denn schon einen Hochzeitstermin?
Nein, Boris hat einen, ich weiß. Aber wir wissen noch nichts Konkretes, Arne hat mir doch gerade erst den Antrag gemacht! Er kümmert sich jetzt um alles. Schließlich hat er mich in diese Situation gebracht.

Warum überlassen Sie ihm das Feld?
Je länger ich zum Planen habe, desto nervöser werde ich und desto mehr Angst bekomme ich, dass ich etwas Wichtiges vergesse. Ich bin lieber spontan. Seit alle wissen, dass wir heiraten, melden sich unsere Freunde, wollen wissen, wo die Party steigt, oder als Trauzeuge oder Blumenmädchen dabei sein. Ich habe darauf keine Antworten. Für mich ist das Stress. Arne dagegen ist so was von konservativ und diszipliniert.

Er sieht gar nicht so aus…
Weil sein halber Körper tätowiert ist? Ich weiß, das ist lustig, er ist eben Künstler, und er hat ja auch vier Kinder. Das klingt alles sehr wild.

Aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an.
Er ist wirklich toll! Mit Arne findet ein richtiger Austausch statt, und er erinnert mich an vieles, das ich noch vorhabe. Er ist sehr vorsichtig und sorgsam mit dem, was er sagt. Ich habe wirklich großes, großes Glück.

Planen Sie gemeinsamen Nachwuchs?
Wir sind perfekt, so wie wir sind. Arne sagt, er will jetzt Zeit mit mir verbringen, „alone-time“, wie er das nennt, und er findet auch zu Recht: Wir haben schon genug Kinder!

Und was sagen Sie?
Ich bin niemand, der in Kinderwagen guckt und sich überlegt, wie das noch mal wäre mit einem Baby. Andererseits hatte ich fest damit gerechnet, dass ich noch ein paar Kinder bekomme. Das hatte aber damit zu tun, dass ich ganz von vorn anfangen wollte. Das ist jetzt nicht mehr der Plan. Ich habe vier neue Kinder dazubekommen, die ich lieb haben darf. Irgendwann kommen vielleicht Enkelkinder dazu. Ich bin glücklich, so, wie es ist.

Kati Degenhardt