Daniel Craig: Botox ist unmännlich

Exklusiv im Interview

Er ist Sexsymbol und Superstar – trotzdem findet er sich selbst nicht besonders attraktiv. Dass er gerade 40 geworden ist, stört den 007-Star nicht. Schließlich lebt er seine Teenager-Fantasien auf der Leinwand aus. Das verrät Daniel

Er spricht über den Schönheitswahn in Hollywood, dass er Männer mit gezupften Augenbrauen lächerlich findet und warum er gerade so lädiert aussieht – beim Gespräch mit OK! ist seine Schulter banda­giert …

Was ist denn da passiert?
Ich hatte mich bei Dreharbeiten verletzt und musste operiert werden. Nichts Ernstes. Ich bin sogar ganz froh über die Zwangs-Drehpause. Allerdings will ich morgen in den Urlaub fahren … (lacht)

Wohin geht die Reise?
Das würde ich nicht mal verraten, wenn ich high von Schmerzmitteln wäre. Sagen wir mal so: Es ist ein Strand in der Nähe. Und ich hätte gern meine Ruhe.

Finden Sie überhaupt noch Plätze, an denen Sie unerkannt bleiben?
Ja, aber diese Abgeschiedenheit ist teuer erkauft, auch wenn ich mir noch nicht meine eigene Insel leisten kann wie zum Beispiel Johnny Depp.

Könnten Sie sich vorstellen, der Arbeit wegen in Los Angeles zu leben?
Nichts gegen Kalifornien – aber Los Angeles­ ist nur wie eine künstliche Minenstadt, die so lange gierige Goldgräber anzieht, bis es nichts mehr zu holen gibt. Mit Lebensqualität hat das für mich wenig zu tun.

Als 007 retten Sie die Welt, und in Ihrem neuen Film „Unbeugsam“ spielen Sie einen Helden des Zweiten Weltkriegs. Was reizt Sie an diesen Figuren?
Ob im Kino oder in der Realität: Als Schauspieler interessieren mich gebrochene Figuren, zum Helden wird niemand geboren. Gerade, wenn es ums nackte Überleben geht, leisten Menschen meist erst Außergewöhnliches, wenn sie dazu gezwungen werden.

Wer sind Ihre persönlichen Heldenfiguren?
Ich schwärme seit meiner Kindheit für den FC Liverpool und wäre wahrscheinlich noch heute ein nervöses Wrack, wenn ich in einem Raum mit Spielern des Vereins wäre.

Andere Schauspieler bewundern Sie nicht?
Höchstens Paul Newman, mit dem durfte ich an seinem letzten Film zusammenarbeiten. Er war Mitte 70 und noch immer so enthusiastisch und neugierig wie ein junger Mann. Wenn ich je in dieses Alter komme und nur halb so cool bin, wäre ich sehr glücklich.

Wie haben Sie sich bei den Dreharbeiten zu "Unbeugsam" in Litauen die Zeit vertrieben?
Es war so unglaublich kalt, dass ich mich möglichst oft mit Wodka zu wärmen versuchte. (lacht) Die meiste Zeit verbrachte ich mit Jamie Bell, der meinen Bruder spielt und den ich selbstverständlich piesackte wie einen kleinen Bruder.

Haben Sie etwa Nachholbedarf? Sie selbst wuchsen mit einer Schwester auf ...
Stimmt, aber ich lebte in einer großen Familie mit Onkeln und Cousins, die zu gern die Rollen der älteren Brüder einnahmen und mir meinen Platz in der Hierarchie zuwiesen.

Apropos Hierarchie: Werden Sie inzwischen an Filmsets wie ein Superstar behandelt?
Um Himmels willen, das würde mir noch fehlen! Als ich in Litauen ankam, stellte ich als Erstes erleichtert fest, dass mein Wohnwagen genauso klein war wie der aller anderen Kollegen. Zu viele sogenannte Stars protzen mit ihren Statussymbolen. Ich wüsste dagegen gar nicht, was ich in einem riesigen Wohnmobil anstellen sollte. Etwa Tennis spielen? (lacht)

Sie sind im März 40 geworden – haben Sie die Feierlichkeiten gut überstanden?
Ich habe mit Freunden und Familie ein fabelhaftes Fest veranstaltet. Doch ehrlich gesagt hätte das auch jeder andere Geburtstag gewesen sein können – mir ist mein Alter völlig egal, es lässt sich ja doch nicht aufhalten. Wovon ich mich übrigens nach der Party durch einen Blick in den Spiegel überzeugen konnte: kein schöner Anblick, glauben Sie mir! (lacht)

Zum Glück gibt es ja Schönheitsoperationen …
Meinen Sie, ich wäre fällig? Schönen Dank! (lacht) Aber als Mann kann ich natürlich leicht daherreden. Während Frauen in Hollywood nur ein sehr schmales, brutales Zeitfenster haben, bevor die Rollen ausbleiben, brauchen Männern nur ihren Falten bei der Vermehrung zuzusehen, und schon werden sie für interessanter gehalten. Obwohl es auch männliche Kollegen gibt, die sich Botox spritzen lassen, mir käme das nie in den Sinn. Es ist gegen die Natur, sieht grässlich aus – und ist so ziemlich das Unmännlichste, was ich mir vorstellen kann. Fast so schlimm wie Augenbrauenzupfen. Lächerlich!

Eine Midlife-Crisis fürchten Sie nicht?
Wie sollte die aussehen? Dass ich einen Aston Martin fahre, teure Anzüge trage und mich mit viel zu jungen Mädchen umgebe? Kann mir nicht passieren – zum Glück lebe ich diese Teenager-Fantasien aus, wenn ich James Bond spiele.

Roland Huschke