Jamie Lee Curtis: Ich bin ein Kontrollfreak

Exklusiv-Interview

Seit 24 Jahren führt sie eine skandalfreie Ehe – dabei musste sie das Familienleben erst schätzen lernen. Bei ihren letzten Dreharbeiten hat sie sich unsterblich verliebt.

Das ging sogar so weit, dass, selbst wenn die Kameras schon ausgeschaltet waren, geküsst und gekuschelt wurde. Abends ist sie dann zu ihrem Mann zurückgekehrt, als wäre nichts gewesen. Das gab Jamie Lee Curtis, 50, ganz offen im exklusiven Interview mit OK! zu. Allerdings wird ihr Gatte, Christopher Guest, 61, seine neue Konkurrenz verschmerzen können, denn ­Jamies Filmpartner in „Beverly Hills Chihuahua“ (jetzt im Kino) ist die Hündin Chloe.

Haben Sie jemals einen Chihuahua besessen?

Nein. Ich dachte auch immer, der passt nur in die Arme von Hotelerbinnen mit langen Fingernägeln. Aber während der Dreharbeiten habe ich erkannt, dass diese Hunde zwar klein sind, aber durchaus Charakter haben. Ich bin mit meinem Film-Chihuahua Chloe übrigens sehr gut ausgekommen. Ich habe sie behandelt wie einen ganz normalen Schauspielerkollegen, den ich vor der Kamera küssen muss. Das macht man ganz professionell: Man küsst ihn – und fährt dann heim zu Mann und Kindern.

Hätten Sie Chloe gern mit nach Hause genommen?
Ich war kurz davor. Aber wir haben seit einiger Zeit eine strikte Haustiere-unerwünscht-Regel.

Ihr Familienleben scheint straff durchorganisiert zu sein – seit 24 Jahren sind Sie jetzt mit ihrem Mann verheiratet …
… was man in Hollywood gar nicht laut sagen darf. Da wird einem eine lange, gut funktionierende Ehe fast schon als Makel ausgelegt. Aber Christopher und ich haben uns gesucht und gefunden. Und wir haben zwei ­wunderschöne Kinder (Annie, 22, und Thomas, 13, Anm. d. Red.). Ich habe also eine ganz wunderbare Familie. Aber das war nicht immer so.

Wie meinen Sie das?
Den Familiensinn hat mir meine Tochter ­Annie beigebracht, als sie acht Jahre alt war. Da war ich auf der gleichen Spur wie viele Frauen in Hollywood. Nach dem Motto: „Kriege deine Kinder schnell – und kümmere dich dann noch schneller wieder um deine Karriere!“ Eines Tages habe ich am Frühstückstisch angekündigt, dass ich wegen Dreharbeiten ein paar ­Monate nicht da sein werde. Daraufhin Annie: „Das finde ich absolut nicht okay!“ Das gab mir zu denken. Ich habe nach diesem Dreh mein Leben komplett umgestellt und mich viel mehr auf meine Familie als auf den Job konzentriert.  

Aber nach Ihrem Erfolg mit „Ein Fisch namens Wanda“ wurde Ihnen ab 1988 doch eine Welt­karriere vorausgesagt.
Ich war nie von Ehrgeiz zerfressen. Ich habe überhaupt kein Verlangen danach, eine Heroinsüchtige um die Jahrhundertwende darzustellen! (lacht) Und wenn ich zurückblicke, dann bin ich ja immerhin schon seit 30 Jahren als Schauspielerin dabei. Ich kann nicht klagen.

Als „Scream-Queen“ in „Halloween – Die Nacht des Grauens“ haben Sie sogar Kultstatus erreicht.
(lacht) Ja, stimmt. Aber ich habe auch andere Rollen gespielt. Wie in „Blue Steel“ eine Polizistin …

Stimmt es, dass Sie wirklich mal Polizistin werden wollten?
Ja, ich habe mich auf dem College etwa ein halbes Jahr  lang auf die Prüfungen vorbereitet, es dann aber aufgegeben. Ich hätte bestimmt eine sehr gute Polizistin abgegeben. Ich halte mich nämlich immer strikt an die Regeln, bin absolut vertrauenswürdig, sage, was ich denke, und bin immer die Erste, die versucht zu helfen, wenn es Probleme gibt. Das liegt mir einfach im Blut.

Was ist denn das Beste, was Sie von Ihren Eltern mit auf den Weg bekommen haben?  
Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich drei Jahre alt war. Und seitdem hat mein Vater (der Schauspieler Tony Curtis, Anm. d. Red.) keine große Rolle mehr in meinem Leben gespielt. Wir sehen uns auch heute nicht oft. Ich habe mir schon lange abgewöhnt, auf einen Geburtstagsanruf oder eine Weihnachtskarte zu hoffen. Er ist mehr wie ein Geist für mich … Also weiß ich nicht genau, was ich von ihm habe. Aber von meiner Mutter habe ich sehr viel. Sie war mir zum Beispiel ein großes Vorbild in puncto Ehe. Denn mit meinem Stiefvater war sie 43 Jahre lang, also bis zu ihrem Tod im Oktober 2004, verheiratet.

Was ist Ihre schwierigste Eigenschaft?
Ich bin besessen davon, alles unter Kontrolle zu haben.

Apropos Kontrolle: Alle Schauspielerinnen stöhnen, dass sie dünn bleiben müssen. Und Sie?
Ich stehe eher unter Druck, eine Kleidergröße zuzulegen. Ich werde ständig runtergemacht, weil ich zu dünn bin. Typisch: Man ist zu groß, zu klein, zu dürr, zu dick, zu normal, zu verrückt, zu dies, zu das.

Jetzt sehen Sie gerade wieder ziemlich fit aus …
Danke. In meinem letzten Film musste ich viel mit dem Schwert kämpfen. Das war klasse.

Könnten Sie eigentlich auf Ihr Handy verzichten?
Auf keinen Fall! Das ist eine Hassliebe: Ich brauche es. Aber ich habe gerade mit einem Freund eine Reise durch Neuseeland gemacht – ohne Telefon. Wir waren Fallschirm springen, reiten, sind auf einem Gletscher geklettert – das war unglaublich.

Roland Huschke