Julia Roberts: Ich wurde zu oft enttäuscht

Die Schauspielerin im Interview

Die Schauspielerin über Konkurrenzdenken, Hollywood-Freundschaften – und warum sie heute nie wieder „Pretty Woman“ sein will.

Ein Film machte sie über Nacht zum Star: „Pretty Woman“. Das war vor  rund 20 Jahren. Heute würde Julia Roberts, 41, darin nicht mehr mitspielen, sagt sie im Gespräch mit OK!. Ihre Rollen wählt sie generell sehr sorgfältig aus: Natürlich muss das Drehbuch stimmen, und sie braucht noch viel Zeit für die Familie. Manchmal ist Julia aber auch einfach nur faul …

Sie haben Ihren neuen Film „Duplicity“ kurz nach der Geburt Ihres dritten Kindes gedreht. Wie haben Sie das hinbekommen?

Der Film wurde quasi vor meiner Haustür in New York gedreht. Mein Baby hatte ich beim Dreh immer dabei – kein Problem.

Und Ihr Mann Danny Moder kümmerte sich derweil um die älteren Zwillinge?
Wenn sie nicht im Kindergarten waren. Doch meistens ist es bei uns wie in einer ganz normalen Familie. Wir arbeiten, essen am Abend gemeinsam und fallen alle erschossen ins Bett. Gestern bin ich um halb neun Uhr abends eingeschlafen, während wir den Kinderfilm „Horton hört ein Hu!“ schauten. (lacht)

Macht es Ihnen Ihr Ruhm schwerer, eine glückliche Ehe zu führen?
Warum? Danny zu heiraten, war eine idioten­sichere Entscheidung, denn mehr Spaß kann man zusammen nicht haben. Eine Beziehung entsteht schließlich zwischen zwei Menschen, nicht zwischen Jobs. Die Leute neigen leider dazu, mein Berufsleben mit meinem Alltag zu verwechseln. Ich stamme aus den Südstaaten – und dort bleiben wir ein Leben lang so normal, wie wir geboren werden.

Ihr Partner in „Duplicity“ ist Clive Owen – arbeitet es sich mit Briten anders als mit Amerikanern?
Jeder Schauspieler findet im Laufe seiner Karriere eine individuell funktionierende Technik, doch das hat nichts mit der jeweiligen Nationalität zu tun. An Clive liebe ich besonders, dass er so groß ist und ich ständig zu ihm aufschauen muss. Denn das heißt für mich: nie ein Doppelkinn, sondern stets ein Schwanenhals! (lacht)

Mit Ihren „Ocean’s Eleven“-Kollegen George Clooney und Brad Pitt sollen Sie am Set ständig herumgealbert haben. Mit Clive Owen auch?
Nein, Clive ist viel reifer und erwachsener als diese beiden Quatschköpfe! (lacht) So war es eine große Erleichterung, auf Toilette gehen zu können, ohne jedes Mal checken zu müssen, ob der Sitz mit Klebefolie präpariert ist.

In den Medien werden derzeit vielfach die Erfolgsaussichten Ihres Comebacks diskutiert. Machen Sie sich ähnliche Gedanken?  
Im Laufe der Jahre ist mir zu oft die Comeback-Schublade zugeteilt worden, als dass ich mich darüber noch wundern könnte. Schließlich habe ich trotz meiner Kinder regelmäßig gearbeitet – „Der Krieg des Charlie Wilson“ etwa ist nicht lange her, „Zurück im Sommer“ startet demnächst in Amerika. Im Grunde hat sich nichts geändert. Ich habe meine Karriere immer sehr pragmatisch behandelt und nie zwei, drei Filme pro Jahr gedreht wie viele andere Kollegen. Dafür bin ich zu faul, fürchte ich!

Ihre größten Erfolge feierten Sie mit romantischen Komödien, in denen Sie lange nicht zu sehen waren. Eine bewusste Entscheidung?
Das Genre ist nicht tot für mich. Aber je älter ich werde, desto mehr achte ich darauf, dass die Filme auch zu mir passen. Würde ich heute „Pretty Woman“ spielen, sähe das lächerlich aus.

„Pretty Woman“ feiert demnächst 20-Jähriges …
Tatsächlich? Dafür habe ich mich aber ganz gut gehalten! (lacht) Ehrlich gesagt kann ich bis heute nicht glauben, wie sich meine Karriere entwickelt hat. „Pretty Woman“ war ein kleiner, niedlicher Film, und er hat mir in der Branche Türen geöffnet.

Wird es irgendwann einsam an der Spitze?
Niemals, ich bin sehr sozial und pflege meine Freundschaften, so weit es mit den Kindern die Zeit zulässt. Doch ich habe sehr wohl Enttäuschungen einstecken müssen und bin auch von vermeintlichen Freunden verraten worden.

Fühlen Sie sich durch die Konkurrenz jüngerer Kolleginnen bedroht?
Es gibt Schauspielerinnen, die sich nur als ewig Jugendliche verkaufen wollen oder können, doch ich habe diesen Beruf ergriffen, um ­konstant neue Erfahrungen zu machen. Mich mit Mädchen zu messen, die zehn oder 20 Jahre jünger sind, wäre ein Armutszeugnis. Ganz im Gegenteil, ich versuche, mit begabten Ver­tretern der jüngeren Generation zusammen­zuarbeiten.

Uwe Ketzer