Eric Bana: Ich liebe es zu versagen

Der Star Trek-Star im Interview

Früher träumte der Australier von einer Hollywood-Karriere. Heute zählt er zu den größten Stars. Uns verrät er sein ungewöhnliches Erfolgsgeheimnis.

Grün vor Neid werden Männer bei dem „Hulk“-Star. Neben Hugh ­Jackman ist Eric Bana, 40, momentan Australiens Exportschlager Nummer eins. Doch vor wenigen Jahren kannte ihn in Hollywood kaum jemand. Erst als grüner Mutant eroberte er 2003 die Traumfabrik – und Frauenherzen. Das Schmachten ist vergeblich: Seit 1997 liebt Bana die Publizistin Rebecca Gleeson, 37, und ihre gemeinsamen Kinder Klaus, 9, und Sophia, 7. ­Bodenständig lebt er noch immer in seiner Heimat Melbourne. Den Bösewicht gibt er nur auf der Leinwand …

Im neuen „Star Trek“ sind Sie als Nero kaum zu erkennen. War Ihnen diese Aufmachung nicht peinlich?
Im Gegenteil – ich fühlte mich so frei wie lange nicht, weil ich mich hinter der Rolle verstecken konnte. Es fiel der Druck, eine Story mit meiner Visage verkaufen zu müssen. (lacht) Und obwohl die Rolle klein ist, bescherte sie mir das Kompliment meines Lebens: Steven Spielberg kam nämlich zum Set und fragte den Regisseur, wer denn der Bösewicht sei und wo er den entdeckt hätte. Er hatte mich nicht erkannt! Obwohl wir ein Jahr lang zusammen „München“ gedreht hatten.

Über neue Rollenangebote können Sie sich schon seit einiger Zeit nicht beklagen. Bleibt da noch Platz für Ihr Privatleben?
Das ist in der Tat ein Problem. Viele wissen nicht, wie sehr sich mein Beruf von anderen unterscheidet: Das normale Leben stoppt, sobald ich für einen Dreh ins Flugzeug steige. Man ist für Monate nicht zu Hause, schläft nicht im eigenen Bett, friert soziale Kontakte ein. Ich stecke dann so tief im Thema, dass ich froh bin, wenn ich wenigstens die Sportergebnisse mitbekomme!

Sind Sie auf Ihren Reisen nicht wie jeder Filmstar allerlei Verführungen ausgesetzt?
Dazu muss man kein Schauspieler sein – jeder trifft attraktive Menschen. Aber ich weiß, wo ich hingehöre: zu meiner Frau und den Kindern.

Wie gehen Ihre Kids mit dem Zigeunerleben um?
Lange Zeit war es eisernes Gesetz, dass sie mich zum Dreh begleiten: Ich sähe sie sonst zu selten. Jetzt gehen beide in die Schule, denn von Privatunterricht halte ich nichts. Ich weiß noch nicht, wie wir das künftig lösen. Ich würde gern in Australien arbeiten. Doch hier werden zu wenig Filme gedreht.

Verstehen Ihre Kinder, was Sie beruflich machen?
Ich konnte ihnen nur einen Trickfilm zeigen, in dem ich eine Synchronstimme übernommen habe. Für „Troja“ oder „München“ sind sie zu jung. Wichtiger war, sie mit zu den Sets zu nehmen. Damit sie sehen, dass Kino harte Arbeit ist. Ihnen das klarzumachen, bevor sie von Mitschülern auf mich angesprochen werden, halte ich für sehr wichtig.

Wie kommt Ihr Sohn eigentlich zum Namen Klaus?
Meine Mutter stammt aus Deutschland, und ihr Bruder, mein Patenonkel, hieß so. In Austra­lien ist der Name cool, und mein Sohn findet es schick, exotisch zu sein. Als er zur Welt kam, dachte ich: Er ist groß, kräftig – ein echter Klaus. (lacht)

Kennen Sie Deutschland ein wenig?
Über Bayern und die Gegend um Mannheim, wo meine Mutter geboren wurde, könnte ich einen kleinen Reiseführer herausbringen. (lacht)

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Nachdem ich für einen Film Golfen lernen musste, mache ich das hin und wieder heute noch. Zum Glück bin ich diszipliniert genug, ein Hobby nicht zur Obsession ausarten zu lassen.

Dann knallen Sie den Schläger nie gegen den Baum?
Nein, ich liebe es mitunter zu versagen.

Machen Sie Witze?
Ich meine es ernst. Ich bin überzeugt, dass man mehr aus Fehlern lernt als aus Triumphen. Außerdem bin ich fasziniert von den Reaktionen, die man mit einer schwachen Leistung auslöst: Als ich noch Komiker war, umarmte mich nach einem guten Auftritt der ganze Saal, nach einem schlechten mieden alle einen Blickkontakt. Niederlagen sind wie Episoden. Sie gehen vorüber.

Bis in die 90er-Jahre zählten Sie zu Australiens populärsten Komikern. Wo ist dieses Talent heute?
Ehrlich gesagt, juckt es mich nach zehn ­Jahren, in denen ich düstere Dramen gedreht habe, ­was Lustiges zu machen. Meine Frau meinte, dass ich auf Fremde nachdenklicher wirke, als ich eigentlich bin. Aber ich wollte bei meinem Karrierewech­sel damals wissen, ob ich auch ein passabler Schauspieler bin. Das wäre als Komiker schwer gegangen. Heute muss ich mir nichts mehr beweisen.

Roland Huschke