Ewan McGregor: Ein Leben mit vier Frauen

Exklusiv-Interview

Dass ihn eines Tages ein ganz normaler Familienalltag so glücklich machen würde, hätte niemand erwartet – am wenigsten wohl Ewan McGregor selbst.

Er war ganz unten. Eine lange Zeit seines Lebens verbrachte er mit Freunden in Kneipen. Dann traf er seine heutige Frau Eve Mavrakis, 42. Und alles wurde anders. Ewan McGregor, 38, schwor von einem Tag auf den anderen dem Alkohol ab und gründete mit der schönen Französin eine Familie. OK! traf den Schauspieler zum Interview in einer ­Kirche in Rom – genau der richtige Ort, um mit ihm über Gott und die Welt zu plaudern …

Schön, dass Sie wieder da sind. Wir dachten schon, Sie hätten die Schauspielerei an den Nagel gehängt.
Ach, nur weil ich mich zwei kurze Jahre mal aus dem Filmgeschäft ausgeklinkt habe, heißt das ja noch lange nicht, dass ich der Schauspielerei abgeschworen habe. 

Was haben Sie denn so getrieben?
Mein Freund Charley Boorman und ich waren mal wieder mit dem Motorrad unterwegs. Diesmal sind wir von Schottland bis nach Südafrika gefahren. Das war ein 24 000-Kilometer-Trip und hat über drei Monate gedauert. Wir fuhren dabei durch halb Europa, dann durch Libyen, Äthiopien, den Sudan und Ruanda, bis wir schließlich in Kapstadt aufschlugen. Dieses Gefühl von Freiheit und Abenteuer ist ein echtes Lebenselixier für mich. Ich fühle mich danach wie neu geboren.

Vermissen Sie da nicht Ihre Familie?
(lacht) Wie die Hölle. Aber ab und zu muss ein Mann eben tun, was ein Mann tun muss.

Ihr aktueller Film „Illuminati“ heißt im Original „Angels & Demons“ – glauben Sie an Engel und Dämonen?  
Im übertragenen Sinn – also, dass es sehr gute und sehr böse Menschen gibt. Ein oder zwei Dämonen habe ich im ­Laufe meines Lebens schon in mir entdeckt. Aber den Schlimmsten von ihnen – meinen starken Hang zum Alkohol – habe ich schon vor einigen Jahren gezügelt. Damals habe ich noch sehr viel Zeit mit Freunden in Pubs verbracht, und da lief die Sache immer öfter aus dem Ruder. Also habe ich eines Tages einen Schlussstrich gezogen und mit dem Trinken aufgehört.

Vermissen Sie nicht manchmal Ihr Junggesellenleben?
Ich habe diese Zeit mit jeder Faser­ meines Körpers genossen. Aber dann habe ich mich vor 15 Jahren Hals über Kopf in meine Frau Eve verliebt. Wham! Schmetterlinge im Bauch. Große Liebe. Bis jetzt habe ich es keinen Tag bereut.

Das sagt man so leicht.
Aber es stimmt. Die Prioritäten verschieben sich eben mit der Zeit. Und das ist gut so. Nichts ist schlimmer, als die Zeichen der Zeit nicht lesen zu können. Mit 38 so zu tun, als wäre ich immer noch 22 – wie peinlich! Abgesehen davon hat es bei mir ziemlich lange gedauert, bis ich mich endlich erwachsen gefühlt habe. Eines ist für mich ganz klar: Das Wichtigste in meinem Leben ist meine Familie.

Das heißt vor allem: Verantwortung über­nehmen, oder nicht?
Ich will ein guter Ehemann und Vater sein. Immerhin bin ich der Vater von drei wunderbaren Mädchen. Meine Älteste, Clara, ist dieses Jahr 13 geworden und mitten in der Pubertät …

Sie haben außerdem noch die siebenjährige Esther und ein Mädchen, das Sie adoptiert haben …
… richtig. Ich habe es auf meiner Reise durch die Mongolei kennengelernt. Ich lebe also mit vier Frauen zusammen! Und ich fühle mich in diesem Frauenhaushalt pudelwohl! (lacht)

Gehört zum Glücklichsein auch Talent?
Ich glaube, dass Glück einem geschenkt wird. Aber um es in etwas Dauerhaftes verwandeln zu können, muss man schon hart daran arbeiten. Da schadet es sicher nicht, wenn man ein Händchen dafür hat. 

Es sieht so aus, als hätten Sie eines.
Ich habe mein Lehrgeld bezahlt. Wie alle. Fragen Sie Jude Law oder Jonny Lee Miller. Wir begleiten uns nun fast schon ein halbes Leben lang. Wir sind nicht nur Freunde, sondern auch geprügelte Hunde. Aber ich will nicht klagen. Wir stehen immer noch, sind nicht mal angezählt!

Ulrich Lössl