Tom Hanks: Ich flüchtete mich in Drogen & Alkohol

Exklusiv im Interview

Hollywoods Saubermann Tom Hanks spricht in OK! von gefährlichem Halbwissen, seiner verkorksten Kindheit und was ihm heute die größte Angst einflößt.

Weiß und kalt glitzert der Mont Blanc im Sonnenlicht. Am Fuße von Europas höchstem Berg, in der Nähe von Genf, liegt das Kernforschungszentrum CERN ­(Conseil Euro­péen pour la Recherche Nucléaire). Der einzige Ort auf der Welt, an dem es jemals gelang, Anti­materie herzustellen. Ausgerechnet hier treffen wir Tom Hanks, 52, zum Interview. „Das ist das Verrückteste, was ich je gesehen habe“, bewundert der Schauspieler den LHC-Teilchenbeschleuniger (7 000 Tonnen schwer, 46 Meter lang, 25 Meter hoch). „Mit einem Tropfen dieser Antimaterie könnte man New York einen ganzen Tag lang mit Energie versorgen.“

Mr. Hanks, wo wir schon mal hier sind: Erklären Sie uns doch bitte, was Antimaterie eigentlich ist?
Das ist doch ganz einfach: Antimaterie ist das Gegen­teil von Materie. Und diese beiden ­Materien bedingen sich gegenseitig. Zum Beispiel: Man gräbt mit dem Löffel ein Loch am Strand. Neben dem Loch häuft man den Sand auf. Ohne das Loch gäbe es den Sandhaufen nicht – und umgekehrt. (lacht) Ist doch logisch, oder?! Aber ganz im Ernst: Ich habe keinen blassen Schimmer! Ich habe mir für „Illuminati“ eine Menge Halbwissen angelesen und tue jetzt einfach so, als würde ich das alles kapieren. Schließlich bin ich ja Schauspieler.

Sie spielen nach „The Da Vinci Code – Sakrileg“ in „Illuminati“ zum zweiten Mal den Semiotik-Spezialisten Dr. Robert Langdon …
…und würde ihn auch ein drittes und viertes Mal spielen. Diese Rolle lasse ich mir nicht wegnehmen! Ganz abgesehen davon, dass der Film weltweit ein Mega-Erfolg war, hat es mir sehr viel Spaß gemacht, ein interdisziplinäres Genie namens Robert Langdon zu spielen. So etwas wertet mein Ego enorm auf, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Langdon hat mit dem lieben Gott nichts am Hut. Sie hingegen sind ein gläubiger Mensch…
Das stimmt. Ich glaube an Gott. Meine Frau, ­meine Kinder und ich gehen sogar regelmäßig in die Kirche. Und ich bete zu Gott, vertraue ihm meine Sorgen und Nöte an. Und bedanke mich. Ich habe viel, für das ich dankbar sein kann: Eine wunderbare Frau, mit der ich jetzt schon über 21 Jahre lang glücklich verheiratet bin. Vier gesunde Kinder, viele gute Freunde, eine Karriere, die sich sehen lassen kann. Und ich fühle mich mit meinen 52 Jahren noch ziemlich gut in Schuss!

Der Film heißt im Original „Angels & Demons“. Glauben Sie auch an Engel und Dämonen?
Ich hatte schon oft das Gefühl, dass ich einen Schutzengel habe, der mich vor einer großen Gefahr bewahrt hat. Und ich glaube ganz sicher auch an die Kraft des Bösen.

Und an Wunder?
Ich habe einen Freund, der Priester ist. Und der sagte mir einmal: „Tom, Wunder gibt es jeden Tag! Allein, dass du hier mit deinem Auto unfallfrei hergekommen bist, ist ein kleines Wunder.

An ein kleines Wunder grenzt auch ihre Karriere. Hat der Erfolg Sie eigentlich verändert?
Ich bin nur ein einfacher Schauspieler, der sich Mühe gibt, seine Arbeit gut zu machen. Viel Geld zu haben bedeutet für mich vor allem die Freiheit, mir meine Rollen selbst aussuchen zu können. Oder mit meiner Familie Urlaub zu machen wo ich will und wie lange ich will. (lacht)

Sie sind ein echter Familienmensch geworden!  
Ja, aber erst, seitdem ich Rita kenne. Wir passen wie zwei Puzzlestücke zusammen.

Waren Sie eigentlich immer treu?  
Natürlich!

Sie hatten eine schwierige Kindheit …
Als ich fünf Jahre alt war, ließen sich meine Eltern scheiden. Damals fühlte ich mich oft sehr einsam und innerlich zerrissen.

Wie sind Sie mit Ihren Gefühlen umgegangen?
Ich habe mich oft in eine Traumwelt geflüchtet. Später waren es dann – kurzzeitig – Drogen und Alkohol. Das habe ich allerdings sehr schnell als Sackgasse erkannt.

Was ist Ihre größte Angst?
Dass wir die Welt unbewohnbar machen und unseren Kindern als Scherbenhaufen hinterlassen. 

Aber Sie sind Optimist, oder?
Klar. Ich erfreue mich am Leben und möchte steinalt werden!

Ulrich Lössl